Regionalliga-Reform ins Stocken geraten: Westliche Verbände bremsen Fortschritt
Die dringend benötigte Reform der Regionalliga kommt nicht wie geplant voran. Die eigens eingesetzte Arbeitsgruppe hat es bislang nicht geschafft, sich auf eine konkrete Lösung für die umstrittene Aufstiegsregelung zu einigen. Das Ziel, den zuständigen Gremien eine klare Empfehlung vorzulegen, rückt in weite Ferne. Auch nach der vierten Sitzung am Dienstagnachmittag bleiben die wesentlichen Fragen offen und ungelöst.
Das aktuelle System und seine Probleme
Zur Erinnerung: Aktuell steigen aus den fünf Regionalliga-Staffeln lediglich drei Meister direkt in die 3. Liga auf. Die beiden anderen Meister müssen sich in einer Relegation um den Aufstieg quälen. Diese Regelung stellt einen Dauer-Streitpunkt im deutschen Fußball dar und sorgt regelmäßig für Unmut bei Vereinen und Fans gleichermaßen.
Das Kompass-Modell als mögliche Lösung
Im Mittelpunkt der jüngsten Beratungen stand das viel diskutierte „Kompass-Modell“. Die innovative Idee sieht vor, künftig nur noch vier statt fünf Staffeln einzurichten. Diese würden sich nicht mehr nach festen Verbandsgrenzen richten, sondern sich jede Saison neu – ausschließlich nach der kürzesten Fahrtstrecke – zusammensetzen.
Die Vorteile dieses Systems wären vielfältig:
- Deutlich reduzierte Reisekosten für alle beteiligten Vereine
- Weniger Belastung für Spieler durch kürzere Anfahrtswege
- Alle vier Meister steigen direkt in die 3. Liga auf
- Die umstrittenen Aufstiegsspiele wären endgültig Geschichte
Auch beim Abstieg verspricht das Modell mehr Fairness und Gerechtigkeit. Die Regelung wäre einheitlich gestaltet und nicht mehr davon abhängig, aus welcher Region Teams aus der 3. Liga absteigen. Ein „Massen-Abstieg“ in einzelnen Staffeln wäre damit praktisch ausgeschlossen. Interessanterweise könnten die bewährten Aufstiegsregeln aus der 5. Liga nahezu unverändert bestehen bleiben.
Widerstand aus westlichen und südwestlichen Verbänden
Doch ein klarer Favorit ist das Kompass-Modell bislang nicht geworden. Weitere Varianten wurden intensiv diskutiert – eine verbindliche Entscheidung ist aber noch nicht gefallen. Nach aktuellen Informationen regt sich insbesondere in den Verbänden West und Südwest erheblicher Widerstand. Dies hat einen einfachen Grund: Deren Meister durften bislang immer direkt aufsteigen und fürchten nun mögliche Nachteile.
AG-Chef Dr. Michael Vesper mahnt deshalb eindringlich zur Geschlossenheit: „Die Diskussionen sind zwar intensiv, aber durchaus konstruktiv. Wenn jedoch jeder nur aus seiner eigenen Brille schaut, finden wir niemals eine tragfähige Lösung für alle Beteiligten.“ Sein deutlicher Appell lautet: Mehr Blick aufs große Ganze statt kurzsichtige Blockadehaltung einzelner Interessengruppen.
Zeitdruck und nächste Schritte
Die nächste Sitzung der Arbeitsgruppe ist für den 25. März angesetzt. Klar ist jedoch: Die Zeit drängt erheblich – und der Reformdruck wächst von Woche zu Woche. Vereine, Fans und Funktionäre warten sehnsüchtig auf eine zukunftsfähige Lösung für den deutschen Amateurfußball.
Die Regionalliga-Reform bleibt damit eines der brisantesten Themen im deutschen Fußball. Ob das Kompass-Modell sich durchsetzen kann oder alternative Lösungen gefunden werden müssen, wird sich in den kommenden Wochen entscheiden. Die Arbeitsgruppe steht unter enormem Erfolgsdruck, eine einvernehmliche Lösung zu präsentieren.



