Ein Kämpfer bis zum bitteren Ende: Zum Tod von Georg Koch
Die Nachricht vom Tod des ehemaligen Bundesliga-Torhüters Georg Koch hat die Fußballwelt tief bewegt. Nach einem langen und schweren Kampf gegen den Bauchspeicheldrüsenkrebs ist der einst so kantige Keeper im Alter von 58 Jahren verstorben. SPORT1-Reporter Reinhard Franke erinnert sich in einem bewegenden Nachruf an eine besondere Begegnung mit dem Verstorbenen.
Die Diagnose und der lange Kampf
Im Jahr 2023 erhielt Georg Koch die niederschmetternde Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs. Die Ärzte gaben ihm damals nur noch sechs Monate Lebenszeit. Doch daraus wurden fast drei Jahre. Drei Jahre, in denen der ehemalige Torwart mit aller Kraft und Entschlossenheit gegen die Krankheit ankämpfte. Im Mai 2024 machte er seine Erkrankung in einem Interview mit der Bild am Sonntag öffentlich. In diesem Moment verwandelte sich der einst so laute und kantige Keeper in einen Mann, der erkannte, dass sein größter Gegner nicht mehr auf dem Fußballplatz stand.
Ein unvergessliches Gespräch über das Leben
Im September 2024 besuchte SPORT1-Reporter Reinhard Franke Georg Koch für ein Interview. Aus dem geplanten Gespräch wurde jedoch viel mehr: ein tiefgründiger Austausch über das Leben, über Ängste, Hoffnungen und den unbändigen Trotz, der Koch auszeichnete. „Man wird plötzlich aus dem Leben gerissen. Mit nur drei Sätzen. Ich wusste, dass ich kämpfen muss. Für mich stand fest: Aufgeben gibt es für mich nicht“, sagte Koch damals – ein Satz, der dem Reporter bis heute im Gedächtnis geblieben ist.
Die unverwechselbare Persönlichkeit
Wer Georg Koch kannte, wusste: Aufgeben war niemals sein Stil. Nicht während seiner 213 Bundesliga-Spiele für Vereine wie Fortuna Düsseldorf, Arminia Bielefeld, den 1. FC Kaiserslautern oder den MSV Duisburg. Auch im Angesicht der Krankheit blieb er sich treu. Bei dem Treffen trug er ein T-Shirt der Band Die Toten Hosen mit der Aufschrift „Bis zum bitteren Ende“ – eine bewusste Wahl, wie sich herausstellte. Selbst die Zigarette und das Bier ließ er sich nicht verbieten. „Warum auch?“, fragte er lachend. Er wollte leben, nicht jammern.
Offenheit und Lebensfreude trotz allem
Georg Koch sprach offen über seine Schmerzen und schwachen Tage, doch immer wieder blitzte der alte, direkte und manchmal brummige Georg durch. Selbst seine kurzen, rauen WhatsApp-Nachrichten atmeten Leben, niemals Bitterkeit. Nur vier Wochen nach dem Interview organisierte er in seinem Heimatort ein Benefizspiel. Für andere da zu sein, war ihm ein wichtiges Anliegen. An diesem Tag spürte man deutlich den Respekt und die Zuneigung, die er sich über Jahrzehnte erarbeitet hatte.
Ein bewegender Abschied
Als Koch bei dem Benefizspiel Hand in Hand mit seiner Lebensgefährtin, seinen Kindern und seiner Ex-Frau auf den Platz kam, erklang sein Lieblingssong „Tommi“ von AnnenMayKantereit aus den Lautsprechern – ein Moment, der viele Anwesende zu Tränen rührte. Was von Georg Koch bleibt, sind nicht nur seine 48 Spiele ohne Gegentor oder seine Paraden. Was bleibt, ist seine Haltung. Die Haltung eines Mannes, der wusste, dass seine Zeit begrenzt war, und der dennoch nicht zuließ, dass die Krankheit über seine Würde bestimmte.
Er hat gekämpft. Bis zum bitteren Ende. Mach's gut, Schorsch.



