Yekta Jamali: Gewichtheberin flüchtete aus Iran und träumt nun von EM-Erfolg für Deutschland
Gewichtheberin Jamali: Von Iran-Flucht zu EM-Debüt für Deutschland

Von der Flucht zum EM-Debüt: Yekta Jamalis bewegende Geschichte

Die Gewichtheberin Yekta Jamali steht vor einem historischen Moment: Bei der Europameisterschaft in Georgien wird sie erstmals in den schwarz-rot-goldenen Farben Deutschlands antreten. Hinter diesem sportlichen Höhepunkt verbirgt sich eine bewegende Lebensgeschichte, die von Flucht, Integration und unermüdlichem Kampfgeist geprägt ist.

Flucht mit 17 Jahren und Neuanfang in Deutschland

Im Jahr 2022 nutzte die damals 17-jährige Jamali die Junioren-Weltmeisterschaft in Griechenland, um aus dem Iran zu flüchten. "Die Situation war richtig schwer für Frauen, besonders für Gewichtheberinnen", erklärt die heute 21-Jährige ihre Entscheidung. In Deutschland fand sie nicht nur eine neue sportliche Heimat beim AC Mutterstadt in Rheinland-Pfalz, sondern auch eine neue nationale Identität: Am 4. Februar erhielt sie ihre Einbürgerungsurkunde.

Zwischen sportlichen Träumen und familiären Sorgen

Während Jamali sich auf ihr EM-Debüt vorbereitet, lastet die Sorge um ihre Familie im Iran schwer auf ihren Schultern. "Ich hoffe, dass meine Familie okay ist", sagt die Sportlerin, deren Angehörige durch die kriegsbedingt zerstörte Infrastruktur teilweise von der Außenwelt abgeschnitten sind. Trotz dieser Belastung bleibt sie fokussiert: Bei der EM in der Gewichtsklasse bis 77 Kilogramm peilt sie persönliche Bestleistungen von 108 Kilogramm im Reißen und 133 Kilogramm im Stoßen an.

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Politisches Engagement und Zukunftsperspektiven

Jamali lässt ihre Herkunft nicht hinter sich: Sie geht in Deutschland auf Demonstrationen, unterstützt den iranischen Oppositionspolitiker Reza Pahlavi und nutzt ihre Social-Media-Präsenz, um auf die Situation im Iran aufmerksam zu machen. Gleichzeitig plant sie ihre Zukunft in Deutschland fest ein. "Ich bin jetzt Deutsche geworden und will meine Zukunft hier planen", betont sie. Ab dem 1. Juli wird sie in die Sportfördergruppe der Bundeswehr aufgenommen.

Sportliche Aussichten und olympische Ambitionen

Bundestrainer Almir Velagic traut der jungen Athletin viel zu: "Sie ist ehrgeizig und willensstark", beschreibt er Jamali. Für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles, an denen sie unbedingt für Deutschland teilnehmen möchte, sieht er gute Chancen. Noch weiter in der Zukunft, bei Olympia 2032 in Brisbane, hält Velagic sogar eine Medaille für möglich, wenn Jamali gesund bleibt und sich weiter entwickelt.

Integration und Vorbildfunktion

Michael Vater, Sportdirektor des Bundesverbands Deutscher Gewichtheber, ist von Jamalis Entwicklung beeindruckt: "Yekta war von Anfang an eine sehr beeindruckende Person mit starker Persönlichkeit". Die anfänglichen Sprachbarrieren hat sie überwunden, obwohl sie die deutsche Grammatik als besonders herausfordernd empfand. Heute ist sie nicht nur sportlich, sondern auch gesellschaftlich voll integriert.

Gewichtheben als Zuflucht und Motivation

Der Sport dient Jamali nicht nur als Karriereweg, sondern auch als psychische Stütze. "Ich muss stark bleiben im Kopf", betont die Deutsch-Iranerin. Trainer Velagic bestätigt: "Im Training kann sie abschalten und den Fokus wirklich auf den Sport legen". Diese mentale Stärke macht sie zu einem wichtigen Teil des jungen, hoffnungsvollen Teams, das das deutsche Gewichtheben aus seiner aktuellen Krise führen soll.

Yekta Jamalis Geschichte ist mehr als nur eine Sportlerkarriere - sie ist ein Beispiel für Resilienz, Integration und die verbindende Kraft des Sports. Während sie bei der EM für Deutschland kämpft, trägt sie gleichzeitig die Hoffnungen ihrer Familie und vieler Iranerinnen und Iraner mit sich.

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