Reemtsma-Werk in Langenhagen schließt: Über 600 Arbeitsplätze fallen weg
Reemtsma-Werk schließt: 600 Jobs in Langenhagen weg

Ende einer Ära: Reemtsma-Werk in Langenhagen schließt für immer

Nach mehr als einem halben Jahrhundert Produktion steht das Aus für das Reemtsma-Werk in Langenhagen endgültig fest. Der Tabakkonzern Imperial Brands wird die Produktion bis zum Jahr 2027 komplett einstellen. Damit verlieren mehr als 600 Beschäftigte ihre Arbeitsplätze in dem niedersächsischen Werk.

Vergebliche Suche nach einem Käufer

Das Unternehmen hatte zuvor intensiv versucht, einen Käufer für das Werk zu finden. Trotz monatelanger Gespräche konnte jedoch keine Einigung erzielt werden, die den Fortbestand des Standorts gesichert hätte. „Wir haben in den vergangenen Monaten alle realistischen Optionen intensiv geprüft, um den Fortbestand des Standorts zu sichern. Dass diese Gespräche nun leider erfolglos geblieben sind, ist für uns alle sehr enttäuschend“, erklärte Sami Naffakh, bei Imperial Brands für die Lieferkette zuständig.

Die Belegschaft wurde auf einer Betriebsversammlung über die Entscheidung informiert. Als Gründe für die Schließung nannte das Management:

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  • Hohe Produktionskosten
  • Unzureichende Auslastung der Anlagen
  • Strukturelle Veränderungen in der Tabakindustrie

Gewerkschaft übt scharfe Kritik

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) reagierte mit heftiger Kritik auf die Ankündigung. Über fünf Monate hinweg sei versucht worden, einen Teilverkauf der Tabak-Fabrik zu realisieren, ohne dass die Gewerkschaft in die Gespräche einbezogen worden wäre.

Finn Petersen, Vorsitzender des NGG-Landesbezirks Nord, sprach gegenüber Medien von einem „unglaublichen Vorgang“: „Bis heute wissen wir nicht einmal, wer die Kaufinteressenten waren. Unsere Mitglieder wurden über Monate hinweg im Unklaren gelassen, während gleichzeitig immer wieder Hoffnung gemacht wurde, dass es für Teile der Beschäftigten weitergehen kann. Das ist der eigentliche Skandal!“

Lena Lange, Geschäftsführerin der NGG-Region Hannover, bestätigte diese Einschätzung und kritisierte das mangelnde Informationsmanagement des Unternehmens.

19 Milliarden Zigaretten pro Jahr

In dem Langenhagener Werk wurden zuletzt beeindruckende 19 Milliarden Zigaretten pro Jahr produziert. Seit 1971 rollten dort nicht nur Zigaretten der bekannten Marken JPS, Gauloises, West und Davidoff vom Band, sondern auch Feinschnitttabak und sogenannte Sticks für Tabakerhitzer.

Finn Petersen hatte bereits im vergangenen Jahr betont: „Wir sind ziemlich betroffen, dass sich Reemtsma in Deutschland nun ganz aus der Zigarettenproduktion zurückzieht.“ Mit der Schließung des Werks endet eine bedeutende Ära der deutschen Tabakindustrie.

Tabakbranche im Umbruch

Die Schließung des Reemtsma-Werks ist Teil eines größeren Trends in der Tabakindustrie. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Tabak-Riese Philip Morris sein letztes deutsches Werk in Dresden geschlossen. Zu Philip Morris gehören unter anderem die bekannten Marken Marlboro, f6 und Chesterfield.

Die strukturellen Veränderungen in der Branche zeigen sich deutlich:

  1. Rückgang des traditionellen Zigarettenkonsums
  2. Steigende Regulierung und Besteuerung
  3. Veränderte Verbrauchergewohnheiten
  4. Wachsender Markt für alternative Tabakprodukte

Für die Region Langenhagen bedeutet die Werksschließung einen schweren wirtschaftlichen Schlag. Die Stadtverwaltung und das Land Niedersachsen werden nun gemeinsam mit den betroffenen Arbeitnehmern nach Lösungen suchen müssen, um die Folgen der Schließung abzufedern und neue Perspektiven zu entwickeln.

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