Gestrandeter Buckelwal in Timmendorfer Strand: Rettungsversuch vorerst gescheitert
Gestrandeter Wal in Ostsee: Rettungsversuch abgebrochen

Gestrandeter Buckelwal in der Ostsee: Erster Rettungsversuch gescheitert

Ein großer Wal ist an der Ostseeküste vor Timmendorfer Strand im Kreis Ostholstein gestrandet. Das Tier wurde in der Nacht zum Montag im Wasser vor dem Ortsteil Niendorf entdeckt, wie die Polizei mitteilte. Seitdem sind zahlreiche Einsatzkräfte der Feuerwehr, Experten und freiwillige Helfer im Einsatz, um den Meeressäuger zu retten.

Komplexe Rettungsaktion mit Schlauchbooten und Drohnen

Die Rettungskräfte arbeiten mit Schlauchbooten, Drohnen und speziellen Trockenanzügen, um den Wal zu befreien. Am frühen Nachmittag versuchten Feuerwehrleute, das lebende Tier mithilfe eines Schlauchbootes in tieferes Wasser der Ostsee zu bringen. Dabei drehten sie den Wal in Richtung der tieferen Fahrrinne. Die Polizei hatte den Bereich am Strand rund um den Fundort abgesperrt, um das Tier nicht zu beunruhigen.

Immer wieder bewegte sich der Wal leicht, und man hörte deutliche Atemgeräusche. Dennoch musste der Rettungsversuch am späteren Nachmittag vorerst abgebrochen werden, wie Stephanie Groß, Expertin vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) in Büsum, erklärte.

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Experten brechen Aktion ab, um Wal nicht weiter zu stressen

„Um das Tier jetzt nicht weiter zu stressen, haben wir das abgebrochen, und der Wal soll sich jetzt ein bisschen erholen“, sagte Groß. Versuche, auch mit Polizeibooten Wellen zu erzeugen, damit sich der Wal freischwimmen kann, hatten nichts gebracht. Die Rettungskräfte hoffen nun auf das Hochwasser gegen Mitternacht.

„Wenn gegen Abend mehr Wasser da ist, wollen wir noch einmal gucken, ob das Tier sich noch mal motivieren lässt, einen Freischwimmversuch zu machen“, so Groß. „Vielleicht kann er sich dann auch noch mal selbst befreien.“ Zwei ITAW-Experten hatten sich dem Wal bis auf wenige Meter genähert und trugen dabei orangefarbene Trockenanzüge.

Vermutlich handelt es sich um einen jungen Buckelwalbullen

Bei dem gestrandeten Tier handelt es sich den Angaben zufolge um einen Buckelwal. Die Meeresschutzorganisation Sea Shepherd bestätigte dies: „Wir wissen ziemlich sicher, dass es ein Buckelwal ist, weil wir das Tier jetzt in der Gänze gesehen haben“, sagte Sprecher Sven Biertümpfel. Vermutlich handele es sich um einen jungen Walbullen, da männliche Tiere im Gegensatz zu den Kühen auf „Wanderschaft“ sind.

Der Sprecher geht zudem davon aus, dass es sich bei dem Tier um denselben Wal handelt, der seit März im Wismarer Hafen in Mecklenburg-Vorpommern gesichtet wurde. Warum der Wal in der Ostsee auftauchte, ist bislang unklar. Groß spekulierte: „Vielleicht ist das Tier krank oder verletzt, vielleicht auch nur erschöpft.“

Umweltminister Goldschmidt appelliert an Schaulustige

Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) besuchte vor Ort die Rettungsaktion und äußerte sich besorgt: „Erst einmal ist das ein sehr berührender Moment und ein sehr ernsthafter Moment.“ Er appellierte an die zahlreichen Schaulustigen, Abstand zu halten: „Ich wünsche mir sehr, dass die Leute, die hier Urlaub machen, das auch anerkennen und Abstand halten von diesem Tier.“

Goldschmidt wies darauf hin, dass die Ostsee für einen Buckelwal kein natürlicher Lebensraum sei: „Der hat viel zu wenig Salz im Wasser.“ Er hoffe, dass es gelinge, das Tier freizubekommen. „Und wenn es nicht gelingt, dass er dann auch in Ruhe sein Ende finden kann“, betonte er.

Schaulustige beobachten das Spektakel von der Mole aus

Zahlreiche Schaulustige, darunter viele Kinder, verfolgten die Rettungsaktion von einer Mole aus. Einige fotografierten das seltene Ereignis. Jörg Wasmus, der mit seiner Familie aus Braunschweig angereist war, sagte: „Ich bin total überwältigt, so ein großes Tier zu sehen.“

„Ich hatte immer den Traum, einen Wal zu sehen, aber dass es so traurig ist, eigentlich schade drum“, führte er aus. Als er am Morgen im Internet von dem gestrandeten Tier las, fuhr er mit seinen Enkeln sofort zum Strand. Sie wollten sehen, „wie es dem armen Kerl geht“.

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Prognose für die weitere Rettung bleibt ungewiss

Die Experten vom ITAW machten mit einer Drohne Luftaufnahmen, um einzuschätzen, wie das auf einer Sandbank festliegende Tier befreit werden kann. Groß beschrieb die Situation: „Der Wal hat im Kopfbereich und im Flügelbereich Bewegungsfreiheit. Er scheint aber mit Brust oder Bauch aufzuliegen.“ Das Problem sei, dass der Bereich vor dem gestrandeten Wal noch flacher sei.

Der Wal müsse irgendwie wieder zurück in die tiefere Fahrrinne gelangen. Es könne auch sein, dass das Tier trotz Rettung wieder strande oder verende. „Der Buckelwal sieht von der Haut nicht sehr gut aus“, sagte Groß. Dennoch sei es einen Versuch wert, das Tier – falls möglich – zu befreien. Die Rettungskräfte bleiben vor Ort und bereiten sich auf die nächsten Schritte bei Hochwasser vor.