Anthony Gordon: Ein europäischer Superheld mit zwei Gesichtern
In der Champions League sorgte Anthony Gordon für einen historischen Abend voller Rekorde, der die Fußballwelt in Staunen versetzte. Der Offensivspieler von Newcastle United erzielte im Playoff-Hinspiel gegen Qarabag Agdam vier Tore in nur einer Halbzeit und katapultierte sich damit in die Geschichtsbücher des europäischen Spitzenfußballs. Doch während Gordon auf der großen Bühne der Königsklasse triumphiert, wirft seine enttäuschende Leistung in der heimischen Premier League bedeutende Fragen auf.
Ein Abend für die Ewigkeit: Gordons Rekordshow
Bereits nach 122 Spielsekunden eröffnete Gordon den Torreigen mit einem präzisen Rechtsschuss ins linke untere Toreck – das schnellste Tor in der Champions-League-Historie von Newcastle. Was folgte, war eine atemberaubende Demonstration von Torhunger und Effizienz. In der 32. Minute verwandelte der Engländer einen Elfmeter zum 3:0, nur eine Minute später erhöhte er auf 4:0. Kurz vor der Halbzeitpause sorgte er nach einem Foul an seiner Person für einen weiteren Strafstoß, den er selbst sicher zum 5:0-Endstand der ersten Halbzeit verwandelte.
Mit dieser Leistung reihte sich Gordon in eine exklusive Liste ein: Nach dem Brasilianer Luiz Adriano ist er erst der zweite Spieler, dem vier Tore in einer Champions-League-Halbzeit gelangen. Zudem überholte er mit seinem ersten Treffer des Abends die englische Legende Alan Shearer und wurde zum alleinigen Rekordtorschützen der Magpies in diesem Wettbewerb. Sein Hattrick nach 33 Minuten markiert zudem den schnellsten eines Engländers in der Geschichte der Königsklasse.
Lobeshymnen und perfekte Bewertungen
Teammanager Eddie Howe zeigte sich begeistert von der Leistung seines Schützlings: „Er war in der ersten Halbzeit wirklich gut. Er hat den Druck aufgebaut, und viele seiner Tore sind seiner Einstellung ohne Ball zu verdanken. Er hätte noch mehr erzielen können, aber es war eine sehr gute Leistung.“ Das Fußballportal Goal honorierte den Auftritt mit der seltenen Bestnote 10/10 und betonte: „Qarabag kam mit ihm einfach nicht zurecht. Er verwertete seine vier Treffer eiskalt – und sorgte mit seinem Pressing für permanente Unruhe.“
Das andere Gesicht: Gordons Premier-League-Dilemma
Während Gordon in der Champions League alle 63,1 Minuten trifft und bereits zehn Saisontore in diesem Wettbewerb verbucht, offenbart sich in der Premier League ein völlig anderes Bild. Abseits der europäischen Bühne gelangen dem 24-Jährigen in der laufenden Saison lediglich vier Treffer, wobei er Anfang Dezember erstmals in Liga oder Pokal traf. Das einzige Tor aus dem Spiel heraus erzielte er bei einer 1:4-Niederlage gegen den FC Liverpool.
Diese auffällige Diskrepanz beschäftigt Experten und Fans gleichermaßen. The Athletic analysierte treffend: „Anthony Gordon ist halb Blitz, halb Fragezeichen – ein rätselhafter Fußballer mit atemberaubendem Tempo, dessen starke Formschwankungen die von Newcastle United perfekt widerspiegeln.“ Schaue man isoliert auf die Premier League, käme man womöglich zu einem deutlich weniger schmeichelhaften Urteil über den Offensivspieler.
Transfergerüchte und persönliche Herausforderungen
Die Erwartungen an Gordon sind enorm, seit er im Januar 2023 für etwa 45 Millionen Euro vom FC Everton zu Newcastle wechselte. Nach anfänglichen Schwierigkeiten gelang ihm in der vergangenen Saison mit elf Toren und 15 Vorlagen eine überzeugende Leistung, die ihm einen Platz im englischen EM-Kader einbrachte. Doch die konstant hohen Erwartungen und anhaltende Transferspekulationen belasten den Spieler sichtbar.
Im Sommer stand offenbar ein spektakulärer Tauschhandel mit dem FC Liverpool kurz vor dem Abschluss, bei dem Liverpool über 80 Millionen Euro für Gordon gezahlt hätte, während Joe Gomez im Gegenzug zu Newcastle gewechselt wäre. Der Deal wurde jedoch auf Eis gelegt, nachdem Newcastle andere Einnahmequellen erschließen konnte. Gordon äußerte sich frustriert über die anhaltenden Spekulationen: „Es hat mir ein Stück weit die Freude am Fußball genommen, und ich glaube, daher kommt auch meine Inkonstanz.“
Zukunftsperspektiven und WM-Ambitionen
Auch nach seiner jüngsten Rekordshow in der Champions League dementierte Gordon erneut Wechselgerüchte entschieden: „Ich habe inzwischen genug Transferspekulationen erlebt, um zu wissen, dass das alles kompletter Unsinn ist.“ Dennoch bleiben der Druck und die Aufmerksamkeit auf dem Tabellenzehnten der Premier League und seinem Offensivstar bestehen.
Für Gordon persönlich und für Newcastle United steht nun die entscheidende Phase der Saison an. Die Qualitäten, die der Engländer in der Champions League unter Beweis stellte, könnten zum entscheidenden Faktor werden, um die Saisonziele zu erreichen und sich für die WM 2026 zu empfehlen. The Athletic brachte es auf den Punkt: „Genau dieser Ehrgeiz, dieser unstillbare Torhunger, ist es, was Newcastle braucht – und was sie von Gordon erwarten.“ Die Frage bleibt, ob Gordon dieses Potenzial auch in der Premier League konsequent abrufen kann.



