Hamann übt scharfe Kritik an Nagelsmanns Umgang mit Undav
Die Entscheidungen und Aussagen von Bundestrainer Julian Nagelsmann zum Stürmer Deniz Undav sorgen für erhebliche Kontroversen im deutschen Fußball. Besonders deutlich wird die Kritik durch TV-Experte Dietmar Hamann, der den Umgang des DFB-Coaches mit dem VfB-Stuttgart-Angreifer scharf angreift und fundamentale Fragen aufwirft.
Nagelsmanns Argumentation hinterfragt
Nagelsmann hatte Undav im Testspiel gegen Ghana (2:1) zunächst auf die Bank gesetzt und dies mit einer spezifischen Begründung erklärt. Der Bundestrainer argumentierte, Undav sei ein starker Joker, dem bei einem Einsatz von Beginn an jedoch die „Kreativität ein bisschen flöten“ gehe, wenn er zu Spielbeginn viel arbeiten müsse. Diese Einschätzung stößt bei Hamann auf völliges Unverständnis.
„Was der Bundestrainer nicht vergessen darf: Wenn wir bei der WM bei 40 Grad spielen – und du erarbeitet dir in den ersten Minuten so wie gestern drei, vier Chancen, und du machst sie nicht rein – dann ist der ganze Aufwand umsonst“, konterte Hamann bei Sky. Der Ex-Nationalspieler betonte, dass mit Undav in der Startelf gegen Ghana früh ein 2:0 hätte stehen können.
Gefährliches WM-Szenario befürchtet
Hamann warnt Nagelsmann mit Blick auf die Alternativen im Sturm vor einem bedenklichen Szenario. Es sei durchaus möglich, dass die Formkrise von Nick Woltemade anhalte – „bei Newcastle ist Feuer unterm Dach“ – und auch Kai Havertz nicht rechtzeitig vor der Weltmeisterschaft wieder torgefährlich werde, da „der war ein Jahr weg“.
„Und dann bringst du dich in eine Situation, wo du zurückkriechen musst“, mahnte der 52-Jährige eindringlich. „Wo du sagen musst: Übrigens Undav, ich hab das nicht so gemeint.“ Hamann kritisiert, dass Nagelsmann durch seine Aussagen unnötig eine Schärfe in die Diskussion bringe, ohne dafür einen Grund zu haben.
Verpasste Chance für Teamgeist
Besonders bedenklich findet Hamann, dass Nagelsmann die Gelegenheit verpasst habe, das ganze Land hinter sich zu bringen. Das Publikum im Stadion hatte den Publikumsliebling Undav schon vor dessen Einwechslung lauthals gefeiert und gefordert. „Das Publikum war heiß. Du hättest die Möglichkeit gehabt, das ganze Land hinter dich zu bringen. Und das war wahrscheinlich eine verpasste Chance“, analysierte der Experte.
Hamann betonte zudem einen grundsätzlichen Punkt: Deutschland habe möglicherweise nicht die gewünschten spielerischen Fähigkeiten, daher „müssen wir das über die Geschlossenheit abfangen. Und wenn der Bundestrainer dann immer wieder Aussagen macht, wo sich Spieler möglicherweise angegriffen fühlen, stimmt mich das für die WM nicht allzu hoffnungsvoll.“
Fans zeigen Unverständnis
Die Reaktionen in den sozialen Medien spiegeln Hamanns Kritik wider. Viele Fans nahmen Nagelsmanns Aussagen zu Undavs Leistung – der Bundestrainer hatte dem Stürmer bis zu seinem Siegtor gegen Ghana ein wenig überzeugendes Spiel attestiert – mit großem Unverständnis auf. Die Diskrepanz zwischen der öffentlichen Wahrnehmung und der Einschätzung des Trainers wird damit immer deutlicher.
Hamann wies außerdem darauf hin, dass Nagelsmanns Argumentation nicht mit der Realität bei Undavs Verein übereinstimme: „Jetzt ist es so, dass er ihm unterstellt, dass er diese 70 Minuten vorher nicht spielen kann.“ Dabei schieße Undav seine Tore beim VfB Stuttgart „ja nicht alle Tore als Joker“, wie der Experte betonte.



