Der ehemalige deutsche Nationalspieler Thomas Helmer hat im SPORT1-Podcast Deep Dive über seine besondere Beziehung zu Lothar Matthäus gesprochen. Dabei betonte er die außergewöhnliche Klasse des Rekordnationalspielers und ordnete frühere Konflikte ein. Helmer, der mit Matthäus sowohl beim FC Bayern als auch in der Nationalmannschaft zusammenspielte, hob vor allem dessen sportliche Verlässlichkeit hervor.
Helmer schwärmt von Matthäus' Klasse
„Es gab keinen geileren Kicker von der Physis, der Dynamik und vom Willen her“, stellte Helmer klar. Der 61-Jährige schwärmte: „Wenn ich gefragt werde, wer mein bester Mitspieler war, dann sage ich immer Lothar, mit Abstand.“ Trotz der Spannungen abseits des Platzes betonte Helmer, dass man sich auf Matthäus auf dem Platz immer zu 100 Prozent verlassen konnte.
Der Auslöser für den Zoff
Die angespannte Phase zwischen den beiden begann mit der Veröffentlichung von Matthäus' Buch „Mein Tagebuch“ während der Saison 1996/97. Darin kritisierte er Mitspieler Jürgen Klinsmann scharf. Hintergrund war ein vermeintlicher Putsch gegen Matthäus in der Nationalmannschaft, bei dem Klinsmann gemeinsam mit anderen Spielern, darunter angeblich auch Helmer, beim Bundestrainer vorstellig geworden sein soll. Helmer bestreitet dies jedoch: „Von diesem Gespräch, was da immer geschrieben wird, weiß ich nichts. Ich kann mich daran nicht erinnern, das schwöre ich.“
Helmer zeigte Unverständnis für die öffentliche Abrechnung: „Da habe ich zu ihm gesagt: Lothar, das geht nicht. Das kannst du ihm in der Kabine sagen, aber nicht über die Öffentlichkeit. Das macht man einfach nicht.“ Die Differenzen belasteten das Mannschaftsklima beim FC Bayern. Helmer suchte schließlich das Gespräch mit Franz Beckenbauer und forderte: „Du musst einen von den beiden rausschmeißen, sonst geht die Mannschaft kaputt.“ Beckenbauers Reaktion war legendär: „Der eine ist mein Freund, der andere schießt Tore und jetzt geh wieder nach Hause!“ Klinsmann verließ den Verein im Sommer 1997.
Matthäus verliert die Kapitänsbinde
Nach einem weiteren Interview in der Sport Bild, in dem Matthäus deutliche Worte in Richtung seiner Teamkollegen wählte, verlor er die Kapitänsbinde. Helmer tat sich mit allen deutschen Nationalspielern des FC Bayern zusammen und verfasste einen handschriftlichen Brief an die Geschäftsführung: „Wir haben gesagt, dass er als Kapitän nicht mehr tragbar ist.“ Helmer erklärte die Angst der Mannschaft: „Wir hatten alle Angst, dass wenn er das schon mit Klinsmann macht, mit dem er ja lange zusammengespielt hat, dass es uns alle auch treffen kann.“
Helmer selbst gab zu, damals einen schlimmen Satz gesagt zu haben: „Kranken Menschen muss man helfen.“ Heute bereut er diese Aussage. Überraschenderweise wurde ausgerechnet Helmer Matthäus' Nachfolger als Kapitän: „Franz Beckenbauer hat mich angerufen und gesagt: Lothar ist nicht mehr Kapitän, jetzt musst du das machen.“
Versöhnung und Anekdoten
Trotz aller Konflikte betont Helmer, dass Matthäus einer der gutmütigsten Menschen sei, die er kenne. Er erzählte eine Anekdote: Als Helmer einen Umzug plante, organisierte Matthäus sofort Umzugsunternehmen. „Lothar hat sich immer sofort gekümmert und wollte für alle Sachen organisieren. Er hat immer sofort geholfen.“
Heute pflegen die beiden ein entspanntes Verhältnis. Helmer berichtete von einem Streich beim Länderspiel in Basel: Er rief Matthäus während einer Livesendung an, woraufhin dieser an seiner Hose herumfummelte. Nach der Sendung sagte Matthäus lachend: „Du Arsch!“ Für Helmer ist klar: „Der Mensch Lothar ist kein schlechter Mensch, ganz im Gegenteil.“



