IFAB beschließt umfassende Regelreform für den Fußball
Die Regelhüter des International Football Association Board (IFAB) haben auf ihrer Generalversammlung in Wales am Samstag ein umfangreiches Maßnahmenpaket verabschiedet. Die Neuerungen zielen primär darauf ab, die Netto-Spielzeit zu erhöhen und Zeitspiel zu reduzieren. Die beschlossenen Regeländerungen treten bereits am 1. Juni in Kraft und gelten somit auch für die WM-Endrunde in den USA, Mexiko und Kanada vom 11. Juni bis 19. Juli 2026.
Erweiterte Befugnisse für Video-Assistenten
Die Video-Assistenten (VAR) erhalten deutlich erweiterte Kompetenzen. Künftig dürfen sie nicht nur Tore, Strafstöße, Rote Karten und mögliche Verwechslungen bei Platzverweisen überprüfen, sondern auch Eckball-Entscheidungen, die zweite Verwarnung bei einer Gelb-Roten Karte sowie Identitätsverwechslungen, wenn Schiedsrichter die falsche Mannschaft für ein Vergehen mit einer Gelben oder Roten Karte bestrafen.
Pierluigi Collina, FIFA-Schiedsrichterboss, erläutert die Hintergründe: "Normalerweise dauert es zehn bis 15 Sekunden, ehe die angreifende Mannschaft bereit ist. In diesen Sekunden kann geklärt werden, ob eine Ecke womöglich fälschlicherweise gegeben wurde." Der Eckball-Check soll verhindern, dass nach ungerechtfertigten Ecken Tore fallen und so unnötige Diskussionen entstehen.
Strikte Maßnahmen gegen Spielverzögerungen
Das IFAB hat mehrere konkrete Maßnahmen beschlossen, um Zeitverzögerungen im Spielbetrieb zu minimieren:
- Bei Einwürfen und Abstößen gilt künftig eine Fünf-Sekunden-Regel. Schiedsrichter zeigen den Countdown an, wenn sie die Aktion als zu langsam empfinden. Wird die Zeit überschritten, erhält der Gegner Eckball oder Einwurf.
- Auswechslungen müssen innerhalb von zehn Sekunden erfolgen. Bei Verzögerung darf der Einwechselspieler erst bei der nächsten Spielunterbrechung auf den Platz und fehlt seiner Mannschaft entsprechend lange.
- Ein verletzter Spieler, der auf dem Platz behandelt wird, muss nach seiner Rückkehr für eine Minute an der Seitenlinie warten, bevor er wieder ins Spielgeschehen eingreifen darf.
- Bei offiziellen Freundschaftsspielen von A-Nationalmannschaften sind künftig bis zu acht Auswechslungen möglich.
Keine Änderungen bei Abseitsregelung
Die oft kontrovers diskutierte Abseitsregel bleibt zunächst unverändert. Das IFAB will "die laufenden Versuche in Bezug auf Abseits fortsetzen" und sich über die Weiterentwicklung der halbautomatischen Abseitstechnologie (SAOT) sowie über den von der FIFA geleiteten Versuch der Video-Unterstützung im Fußball (Football Video Support, FVS) informieren lassen.
Zudem wird noch untersucht, wie mit verletzten Torhütern umgegangen werden soll, um taktische Verzögerungen zu unterbinden. In Erwägung gezogen wird, einen Feldspieler vorübergehend an die Seitenlinie zu verbannen.
Entscheidungsprozess und Umsetzung
Im IFAB hat die FIFA mit vier der acht Stimmen die größte Machtposition. Je eine Stimme besitzen traditionell die vier britischen Verbände aus England, Wales, Schottland und Nordirland. Für Regeländerungen ist eine Dreiviertelmehrheit erforderlich, wobei sich die Regelhüter meist bereits im Vorfeld einer Generalversammlung einigen.
Es bestehen keine Zweifel daran, dass der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL) die neuen Regeln übernehmen werden. Sie gelten dann ab der kommenden Saison in der Bundesliga und im DFB-Pokal.



