Infantinos FIFA-Dekade: Zehn Jahre Geld, Macht und Kritik am Fußball-Weltverband
Zehn Jahre nach seiner historischen Wahl steht Gianni Infantino weiterhin unerschütterlich an der Spitze des Fußball-Weltverbands FIFA. Umgeben von beispiellosen Rekordeinnahmen, enormer Machtfülle und anhaltender internationaler Kritik regiert der Schweizer das globale Fußballimperium mit eiserner Hand. Seine Amtszeit ist geprägt von milliardenschweren Geschäften, umstrittenen Turniervergaben und einem Führungsstil, den viele als autokratisch bezeichnen.
Vom Reformversprechen zur Alleinherrschaft
Als Infantino am 26. Februar 2016 in Zürich zum neuen FIFA-Präsidenten gekrönt wurde, versprach er tief bewegt eine neue Ära der Transparenz und Glaubwürdigkeit. „Wir werden das Ansehen der FIFA wiederherstellen“, beteuerte er damals und verwies auf die dunklen Jahre voller Korruptionsskandale unter seinem Vorgänger Joseph S. Blatter. Aus heutiger Sicht betrachten viele Kritiker dieses Versprechen als gebrochen. Statt einer demokratischeren Führung etablierte Infantino ein System, das ihm nahezu uneingeschränkte Kontrolle verschaffte.
Der ehemalige UEFA-Chef Michel Platini beschrieb gegenüber dem Guardian, dass Infantino „seit der Pandemie immer autokratischer geworden“ sei. Selbst Blatter, dessen eigene Amtszeit von Skandalen überschattet war, beklagte bei Radio Canada eine „totale Diktatur“ und stellte fest, die Zustände seien inzwischen „schlimmer als früher“.
Die unersättliche Geldmaschine FIFA
Unter Infantinos Führung hat sich die FIFA zu einer finanziellen Supermacht entwickelt, die ohne Rücksicht auf traditionelle Strukturen agiert. Die wichtigsten Maßnahmen zur Einnahmenmaximierung:
- Einführung der Mega-Weltmeisterschaften mit 48 Teams bei Männern und Frauen
- Vergrößerung der Klub-WM auf 32 Teilnehmer
- Schier unendliche Suche nach neuen Einnahmequellen und Sponsoren
Im aktuellen WM-Zyklus rechnet die FIFA mit stolzen 13 Milliarden US-Dollar – absolute Rekordzahlen nach Infantinos Geschmack. Die Organisation Fair Square kritisiert, dass dieses Geld genutzt werde, um „die politische Unterstützung der Mitgliedsverbände zu kaufen“. Zudem erhöhte sich unter Infantinos Präsidentschaft die Zahl der FIFA-Kommissionen deutlich, was mehr Posten zur Vergabe an Gefolgsleute schafft.
Umstrittene Entscheidungen und politische Verstrickungen
Infantinos Führungsstil zeigt sich besonders deutlich bei umstrittenen Turniervergaben. Fast im Alleingang vergab er die WM 2034 an Saudi-Arabien – ein Verfahren, das frühere Reformbemühungen ad absurdum führte. Kritiker vermuten, dass ihm im Gegenzug die Unterstützung des schwerreichen Ölstaats bei der Vermarktung der Klub-WM sicher war.
Der Schweizer pflegt eine auffällige Nähe zu autoritären Staatschefs und brüskierte mit seiner Verspätung beim FIFA-Kongress die europäischen Verbände. Seine unterwürfige Haltung gegenüber dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump – dem die FIFA sogar einen grotesken „Friedenspreis“ verlieh – dürfte gegen die Neutralitätspflicht des Verbands verstoßen haben.
Gefolgschaft auf Linie und fehlende Opposition
Trotz aller Kritik bleibt Infantinos Gefolgschaft ergeben. DFB-Präsident Bernd Neuendorf erhielt im „One Love“-Machtkampf um die Katar-WM eine derart deutliche Lektion, dass er später versicherte, das Verhältnis habe sich „nach einer anfangs nicht gerade einfachen Zeit entspannt“.
Der frühere DFB-Chef Theo Zwanziger analysiert die Situation nüchtern: „Infantino hat so viel Geld in der Hand, mit dem du jede Kritik im Grunde genommen im Keim ersticken kannst. Diese Geldmaschine FIFA läuft immer weiter.“ Aufgrund einer Statutenänderung könnte der 55-Jährige bis 2031 an der FIFA-Spitze bleiben – eine Wiederwahl steht im kommenden Jahr an.
Die Frage bleibt: Wird Infantino mit neuen Versprechen antreten, während echte Opposition weiterhin nicht in Sicht ist? Zehn Jahre nach seinem Amtsantritt regiert der Mann aus dem kleinen Örtchen Brig den Weltfußballverband weiter als unangefochtener Alleinherrscher – umgeben von Geld, Gier und dem Vorwurf des Größenwahns.



