Stummer Protest auf dem Rasen: Iranische Fußballerinnen schweigen bei Nationalhymne
Bei einem Länderspiel in Australien haben die Fußballerinnen des Iran während der Abspielung ihrer Nationalhymne geschwiegen. Weder die Spielerinnen auf dem Platz noch der Trainerstab stimmten in das Lied ein, wie auf Bildern deutlich zu erkennen war. Dieser stille Akt des Protests fand im Rahmen des Asien Cups statt und erinnert stark an eine berühmte Geste des iranischen Männerteams bei der Weltmeisterschaft in Katar.
Ein Spiel, das im Schatten des Konflikts stand
Die sportliche Niederlage der Iranerinnen mit 0:3 gegen Südkorea trat angesichts der eskalierenden Lage im Nahen Osten und der symbolträchtigen Aktion völlig in den Hintergrund. Auch einige Fans auf den Tribünen solidarisierten sich mit dem Protest. Aufnahmen zeigten, wie zahlreiche Anhänger Flaggen aus der Zeit vor der islamischen Revolution von 1979 schwenkten. Diese historischen Flaggen zeigen anstelle des roten Emblems der heutigen Nationalflagge einen goldenen Löwen mit einer Sonne.
Die iranischen Spielerinnen sowie ihre Trainerin Marziyeh Jafari lehnten es laut der australischen Nachrichtenagentur AAP ab, sich im Umfeld des Spiels zu ihrem Schweigen oder dem anhaltenden Krieg zu äußern. Ihr nächster Auftritt ist für Donnerstag gegen Australien geplant.
Historischer Kontext: Ein wiederkehrendes Symbol des Widerstands
Das Schweigen während der Nationalhymne ist kein neues Phänomen im iranischen Fußball. Bereits bei der Weltmeisterschaft der Männer in Katar im November 2022 hatten die iranischen Spieler vor ihrem Auftaktspiel gegen England die Hymne stumm begleitet. Damals solidarisierten sie sich mit den Protesten im Heimatland, die nach dem Tod der jungen Kurdin Jina Mahsa Amini ausgebrochen waren.
Die australische Fußballerin Amy Sayer äußerte gegenüber der AAP ihr Mitgefühl: "Unser Mitgefühl gilt ihnen und ihren Familien. Es ist eine schwierige Situation, und es ist wirklich mutig von ihnen, hier zu sein und zu spielen. Das Beste, was wir tun können, ist, ihnen das beste Fußballspiel zu bieten, zu dem wir fähig sind, und ihnen auf dem Spielfeld unseren Respekt zu zeigen."
Weitreichende Auswirkungen des Konflikts auf den Fußball
Das Spiel gegen Südkorea wurde in der australischen Stadt Gold Coast ausgetragen, doch der Krieg im Nahen Osten wirft seine Schatten auch auf andere Fußballveranstaltungen. Der katarische Fußballverband hat bekannt gegeben, dass die Spiele in der Stars League auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Zudem wurde ein Spiel von Cristiano Ronaldos Fußballclub Al Nassr vorerst abgesagt.
Der asiatische Fußballverband AFC mit Sitz in Kuala Lumpur betonte, man beobachte die sich schnell entwickelnde Lage sehr genau und priorisiere die Sicherheit von Spielern, Mannschaften, Offiziellen und Fans. Diese Vorsichtsmaßnahmen unterstreichen, wie stark der Sport von den politischen Turbulenzen in der Region betroffen ist.



