Irans Fußballfrauen singen Hymne und verlieren deutlich gegen Australien beim Asien-Cup
Die iranische Frauen-Nationalmannschaft hat bei der Asienmeisterschaft in Australien ein politisch aufgeladenes Gruppenspiel absolviert. Nach einer deutlichen 0:4-Niederlage gegen die Gastgeberinnen steht das Team von Trainerin Marziyeh Jafari weiterhin ohne Punkt da. Doch weitaus bedeutsamer als das sportliche Ergebnis war für viele Beobachter der symbolische Akt vor Anpfiff: Diesmal sangen die Spielerinnen die iranische Nationalhymne mit und salutierten dabei – eine bewusste Abkehr von ihrem Schweigen beim Auftaktspiel gegen Südkorea.
Politisches Statement überschattet sportliche Niederlage
Eine offizielle Erklärung für diesen plötzlichen Sinneswandel blieb zunächst aus. Allerdings gibt es ein historisches Vorbild für dieses Verhalten: Bereits die iranische Männer-Nationalmannschaft hatte bei der WM 2022 in Katar vor dem ersten Spiel gegen England geschwiegen, dann aber vor dem zweiten Spiel gegen Wales die Hymne gesungen. Damals brodelte im Iran nach dem Tod der 22-jährigen Jina Mahsa Amini in Polizeigewahrsam das Land vor Protesten.
Die aktuelle Situation belastet die Fußballerinnen sichtlich. „Natürlich machen wir uns große Sorgen um unsere Familien und unsere Lieben und alle anderen Menschen in unserem Land, zu denen wir keinen Kontakt mehr haben“, erklärte Trainerin Jafari bereits am Vortag des Spiels. Stürmerin Sara Didar kämpfte bei Pressekonferenzen mit den Tränen, als sie auf die angespannte Lage in ihrer Heimat angesprochen wurde.
Sportliche Aussichten trotz zweiter Niederlage
Auf dem Platz zeigte sich die Überlegenheit der Australierinnen bereits in der ersten Halbzeit, die mit 3:0 endete. Das Endergebnis von 0:4 bedeutet die zweite Niederlage in der Vorrunde für den Iran. Nach dem 0:3 gegen Südkorea zu Beginn des Turniers stehen die Spielerinnen nun unter erheblichem Druck.
Dennoch ist ein Weiterkommen im Asien-Cup weiterhin möglich. Da auch die beiden besten Gruppendritten der drei Vierergruppen ins Viertelfinale einziehen, kann das Team von Marziyeh Jafari am Sonntag gegen die Philippinen noch alles retten. Die Philippinen haben nach einer 0:3-Niederlage gegen Südkorea und einem 0:1 gegen Australien ebenfalls noch keinen Punkt auf dem Konto.
Für die iranischen Fußballerinnen ist dies bereits die zweite Teilnahme an einer Asienmeisterschaft nach ihrem Debüt 2022 in Indien. Unabhängig vom sportlichen Ausgang bleibt dieser Asien-Cup jedoch vor allem als Turnier in Erinnerung, bei dem politische Botschaften und menschliche Emotionen den Rasen überschatteten.



