Italien nach WM-Aus: Große Trauer und Krise im Fußball
Die italienische Fußballnation liegt am Boden. Nach dem erneuten Scheitern in der WM-Qualifikation herrscht von Südtirol bis Sizilien la grande tristezza, die große Trauer. Zum dritten Mal in Folge verpasst Italien die Teilnahme an einer Weltmeisterschaft, diesmal nach einer dramatischen Niederlage im Playoff gegen Bosnien-Herzegowina.
Historische Krise für die Squadra Azzurra
Italiens Fußball steckt in der größten Krise seiner Geschichte. Wie schon bei den Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Katar bleibt der einst so stolzen Fußballnation auch bei der WM in den USA, Kanada und Mexiko nur die Zuschauerrolle. Besiegelt wurde das Schicksal mit einem 1:4 im Elfmeterschießen gegen die Außenseiter aus Bosnien-Herzegowina.
Im Stadion der 120.000-Einwohner-Stadt Zenica flossen die Tränen. Nationaltrainer Gennaro Gattuso entschuldigte sich mit tränenerstickter Stimme bei den Italienern: "Ich persönlich entschuldige mich bei den Italienern. Ich habe es nicht geschafft. Es tut so weh." Seine Zukunft ist ungewiss, ebenso wie die des Verbandschefs Gabriele Gravina.
Medien reagieren mit scharfer Kritik
Die italienischen Medien reagierten mit scharfer Kritik auf das erneute Scheitern. Die Tageszeitung "La Repubblica" klagt: "Das Drama ist, dass es kein Drama mehr ist, sondern Gewohnheit. So sind wir eben. Wir sind kaum mehr als ein Nichts." Der "Corriere della Sera" spricht von einer "Apokalypse", während die "La Gazzetta dello Sport" von einer "weiteren Katastrophe" schreibt.
Dramatisches Spiel in Bosnien-Herzegowina
Das entscheidende Playoff-Spiel war voller Dramatik. Italien ging durch Moise Kean in der 15. Minute in Führung, doch nach einer Roten Karte für Alessandro Bastoni in der ersten Halbzeit kämpfte die Mannschaft mit zehn Spielern. In der 79. Minute erzielte Haris Tabakovic von Borussia Mönchengladbach den Ausgleich für Bosnien.
In der Verlängerung rettete Torwart Gianluigi Donnarumma sein Team mit starken Paraden ins Elfmeterschießen. Doch dort waren zwei Italiener erfolglos, während alle Bosnier trafen. TV-Bilder zeigten, wie Donnarumma versuchte, den bosnischen Torhüter Nikola Vasilj mit einem Spickzettel abzulenken – vergeblich.
Krise auch im Vereinsfußball
Die Krise beschränkt sich nicht auf die Nationalmannschaft. Auch im Vereinsfußball läuft es international schlecht. Atalanta Bergamo schied bereits im Achtelfinale der Champions League mit einem blamablen 2:10 gegen Bayern München aus. Große Namen wie Inter Mailand, AC Mailand, Juventus Turin und AS Rom sind in europäischen Wettbewerben ebenfalls früh gescheitert.
Nur der FC Bologna und AC Florenz mischen noch in der Europa League beziehungsweise Conference League mit. Diese Schwäche auf Vereinsebene spiegelt sich in der Krise der Nationalmannschaft wider.
Zukunft ungewiss
Italien steht aktuell auf Platz 12 der FIFA-Weltrangliste, aber dieser Rang wird nach der Niederlage sinken. Bosnien-Herzegowina, jetzt auf Platz 65, darf sich dagegen auf die WM freuen. Für Italien bedeutet das frühestens 2030 eine neue Chance.
Eine ganze Generation wächst auf, die ihre Nationalmannschaft noch nie bei einer Weltmeisterschaft gesehen hat. Der letzte WM-Triumph 2006 in Berlin liegt 20 Jahre zurück. Abgesehen vom Europameistertitel 2021 gab es seither nur Enttäuschungen. Die Tage von Trainer Gennaro Gattuso dürften gezählt sein, während das Land über die Zukunft seines Fußballs nachdenkt.



