Kauczinski steht zu Tattoo-Versprechen: 'Ein Mann, ein Wort'
Markus Kauczinski, der Trainer des TSV 1860 München, zeigt sich in einem exklusiven Interview mit SPORT1 entspannt und konzentriert zugleich. Der 56-Jährige spricht offen über sein Tattoo-Versprechen, die besonderen Momente mit den Löwen und seinen persönlichen Umgang mit dem Druck im Profifußball.
Die Tattoo-Wette: Drachen oder Löwe?
Das Tattoo-Versprechen, das Kauczinski bei SPORT1 abgegeben hat, sorgte für große Aufmerksamkeit. 'Das hätte ich nicht gedacht', gibt der Trainer lachend zu, 'aber ein Mann, ein Wort.' Obwohl er bisher komplett tattoo-frei ist, hat er bereits einen Tätowierer empfohlen bekommen. Seine Faszination für Drachen beschreibt er als emotional, nicht rational. 'Die Idee mit dem Löwen gefällt mir ehrlich gesagt auch', so Kauczinski. 'Wenn wir aufsteigen, dann gibt es eins. Hand drauf.'
Das Pokalspiel gegen Jahn Regensburg
Nach dem 1:0-Sieg bei Jahn Regensburg im Toto-Pokal-Finale äußert sich Kauczinski erleichtert. Er beschreibt das Spiel als heißen Kampf, bei dem die Löwen in den ersten 15 Minuten ordentlich kombinierten und gute Angriffe starteten. 'Dann reißt aber der Faden', analysiert er die erste Halbzeit, die komplett an Regensburg ging. Zur Pause stand es glücklicherweise 0:0. In der zweiten Hälfte setzte die Mannschaft auf einfacheres Spiel und schnelle Ballverlagerung nach vorne. Nach einer brenzligen Situation erzielte Sigurd Haugen durch eine tolle Einzelaktion das entscheidende 1:0. 'Es war ein sehenswertes Spiel für die Zuschauer', resümiert Kauczinski, 'in dem es in beide Richtungen hätte gehen können.'
Authentizität und Führung
Seit Oktober 2025 trainiert Kauczinski den TSV 1860 München. Den entscheidenden Moment, in dem er spürte, dass die Mannschaft ihm folgt und sich entwickeln will, kann er nicht auf einen Tag genau festmachen. Nach der 0:4-Niederlage im Liga-Spiel gegen Regensburg fand er sehr klare Worte. 'Weil es um Glaubwürdigkeit geht', erklärt er. 'Ich kann so ein Spiel nicht schönreden.' Er war enttäuscht von sich selbst, weil er es offenbar nicht geschafft habe, der Mannschaft zu vermitteln, worauf es ankommt. Kritik gehöre genauso dazu wie Lob. 'Authentisch bleiben, das ist entscheidend.'
Spielerhierarchie und Mannschaftsentwicklung
Bei der Frage nach Kevin Volland und Florian Niederlechner betont Kauczinski, dass er Spieler konsequent nach Leistung vergleicht, nicht nach Namen, Alter oder Vergangenheit. 'Florian Niederlechner hat nichts falsch gemacht', stellt er klar, 'aber andere waren in diesem Moment näher dran.' Kevin Volland bringe Kreativität ins Spiel, andere arbeiteten sich über Einwechslungen heran. So entstehe eine klare Hierarchie aus Leistung, nicht aus Ruhm oder Geschichte, was einen echten Wettbewerb in der Mannschaft fördere.
Die sportliche Entwicklung der Mannschaft beschreibt Kauczinski als Prozess: Zuerst ging es um Stabilität, weniger Gegentore, klare Abläufe und Kompaktheit. Danach wurde am Ballbesitz gearbeitet, um gefährlicher zu werden. 'Fußball muss zur Mannschaft passen, nicht umgekehrt', so seine Philosophie. Intern gab es entscheidende Wendepunkte durch Maßnahmen, die die Gruppendynamik veränderten – echte Gamechanger für das Miteinander in der Kabine.
Umgang mit Druck und Emotionen
Euphorie und Druck sind für Kauczinski Konstrukte. 'Druck mache ich mir selbst über meinen Anspruch, Euphorie ist für die Fans', erklärt er. Er sei kein Mann der Extreme und halte Emotionen eher zurück, um sich auf den nächsten Schritt zu konzentrieren. Seine Momente von Freude oder Gänsehaut entstünden aus kleinen Fortschritten oder echter Gemeinschaft.
Besonderheiten von 1860 München
Die Emotionalität bei 1860 München beschreibt Kauczinski als besonders. 'Die Nähe zu den Fans, die kurzen Wege, die vielen Perspektiven – das macht den Verein lebendig.' Diese Intensität habe er so bei keinem anderen Verein erlebt. Auf Social Media ist er nicht aktiv, da man dort schnell nach Bestätigung suche, die man nicht finde. Er konzentriere sich auf seine Arbeit und die Mannschaft, während die Presseabteilung ihn informiert hält.
Privat hat Kauczinski eine Wohnung in München, sein Lebensmittelpunkt bleibt aber im Raum Karlsruhe. Seine Frau pendelt, ihr Sohn studiert in Duisburg. 'Nie komplett zusammen, aber auch nie getrennt', beschreibt er die aktuelle Situation, 'so funktioniert es momentan.'



