Jürgen Klinsmann enthüllt: Die bewegte Geschichte einer Fußball-Freundschaft
Lothar Matthäus feiert am Samstag seinen 65. Geburtstag – und sein ehemaliger Mitspieler Jürgen Klinsmann nutzt diesen Anlass für bemerkenswerte Enthüllungen über ihre gemeinsame Vergangenheit. Im exklusiven Interview spricht der Weltmeister von 1990 über den Mann, mit dem er die meisten Spiele seiner Karriere bestritt, und verrät, wie aus einem vermeintlichen Intimfeindschaft ein tiefes Freundschaftsverhältnis wurde.
Matthäus in seiner besten Zeit: „Der beste Mitspieler meiner Karriere“
Jürgen Klinsmann erinnert sich mit größtem Respekt an die gemeinsamen Jahre: „Ich hatte das außergewöhnliche Glück, Lothar in seiner absoluten Blütezeit als Mitspieler zu erleben. Nach der WM 1986 entwickelte er sich zum weltbesten Spieler – eine Phase, in der selbst Diego Maradona bereits seinen Zenit überschritten hatte.“
Der Wechsel von Stuttgart zu Inter Mailand 1989 ermöglichte Klinsmann einen direkten Einblick in Matthäus' Entwicklung: „Ich konnte miterleben, wie er sich auf den Gipfel seiner Leistungsfähigkeit brachte. Lothar war dynamisch, entschlossen, technisch brillant und verfügte über eine herausragende Übersicht. Ein perfekter Mittelfeldspieler, der als Sechser, Achter und Zehner gleichermaßen agieren konnte.“
Die besonderen Qualitäten eines Ausnahmespielers
Was Matthäus von allen anderen Spielern seiner Generation unterschied? Klinsmann erklärt: „Er vereinte alles in seinem Spiel. Tore mit links und rechts, lange präzise Bälle, Tempowechsel – und einen Antritt, der jenseits von Gut und Böse lag. Diese ersten zehn Meter waren einfach brutal. Trotz seiner enormen Power behielt er stets die Ballkontrolle und den Überblick.“
Die Führungsqualitäten des späteren Kapitäns zeigten sich laut Klinsmann bereits früh: „Das steckte schon immer in ihm. Wir waren eine Generation, die den Wettkampf von der Straße mitbrachte. Jedes Trainingsspiel war wichtiger als das Bundesligaspiel am Wochenende – reine Versessenheit. Lothar wollte immer der Leader sein, der Chef. Und das war er auch, ohne Wenn und Aber.“
Mode, Handys und italienische Einflüsse
Neben dem Fußball erinnert sich Klinsmann an Matthäus' besondere Interessen: „In Sachen Mode war Lothar immer am Puls der Zeit. In Italien, wo das Erscheinungsbild enorm wichtig war, wusste er stets, was gerade angesagt ist. Ich war da das genaue Gegenteil – T-Shirt, Jeans und Turnschuhe reichten mir völlig.“
Ein weiteres technisches Detail: „Wir waren bei Inter gefühlt die Ersten mit Handys. Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre war das in Deutschland noch kein Thema. Ich habe mich fast ein Jahr geweigert, bis ich mir dann doch so ein Nokia-Ding gekauft habe. Lothar hingegen wusste immer, welches das neueste Modell war.“
Vom großen Zoff zur tiefen Freundschaft
Die spannendste Enthüllung betrifft jedoch die vermeintliche Feindschaft: „Wenn wir zu zweit zusammensaßen, hatten wir nie Probleme. Wir respektierten uns, vor allem auf dem Platz. Klar, zu Bayern-Zeiten hat es in der Kabine mal gescheppert – aber das gehört dazu. Der eigentliche Zoff wurde stets von außen herangetragen.“
Die Versöhnung kam später: „Nach der Karriere haben wir uns gefragt: Was war eigentlich damals los? Was sollte der ganze Schmarrn? Plötzlich beruhigte sich alles, und heute schätzen wir uns sehr. Wir sind ständig in Kontakt, schicken uns SMS, halten uns über das Privatleben auf dem Laufenden.“
Blick in die Zukunft: Deutsche Nationalmannschaft
Abschließend äußert sich Klinsmann zur aktuellen Nationalmannschaft: „Wir haben eine hochqualitative Auswahl von Spielern, die mit allen mithalten kann. Aber es liegt an ihnen: Wie sehr wollen sie den großen Coup landen? Können sie sich zusammenraufen? Dieses Team braucht eine starke Führung – wie damals Franz Beckenbauer bei unserem WM-Titel 1990. Ich bin überzeugt: Wir können Weltmeister werden.“
Die Geschichte von Klinsmann und Matthäus zeigt eindrucksvoll, wie sich selbst die intensivsten sportlichen Rivalitäten im Laufe der Zeit in tiefe Wertschätzung verwandeln können – eine Lektion, die weit über den Fußball hinausreicht.



