Kölns Kwasniok-Zwickmühle: Warum das Derby gegen Gladbach zum Endspiel wird
Kölns Kwasniok-Zwickmühle: Derby als Endspiel

Kölns Kwasniok-Zwickmühle: Warum das Derby gegen Gladbach zum Endspiel wird

Beim 1. FC Köln herrscht eine paradoxe Situation: Trainer Lukas Kwasniok steht massiv in der Kritik, obwohl sportlich vieles richtig läuft. In der notorisch emotionalen Fußballstadt könnte seine Zeit dennoch vorbei sein. Das bevorstehende Derby gegen Borussia Mönchengladbach entwickelt sich zum alles entscheidenden Endspiel für den umstrittenen Coach.

Die paradoxe Lage in Köln

Was sich aktuell rund um Trainer Lukas Kwasniok in Köln abspielt, gibt es tatsächlich nur in dieser besonderen Fußballstadt. Der wahrscheinlich emotionalste Bundesliga-Standort zeigt sich in diesem Frühjahr von seiner schwierigsten Seite. Während andere Aufsteiger als Tabellenvierzehnter nach 26 Spieltagen vor allem die guten Chancen auf den Klassenerhalt sehen würden, ist das Kölschglas im FC-Land mal wieder halbleer.

Dabei liefert Kwasniok mit dem ihm zur Verfügung gestellten Kader nicht nur solide Arbeit, sondern wirklich auf gutem Niveau. Kein einziges Mal sind die Kölner im bisherigen Saisonverlauf untergegangen. Im Gegenteil: Selbst in den Spielen, die sie am Ende knapp verloren, waren sie eigentlich immer auf Augenhöhe mit ihren Gegnern.

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Taktische Stärken und öffentlicher Druck

Kwasniok fand auch gegen deutlich stärker besetzte Topteams taktische Ideen, die die Gegner vor echte Herausforderungen stellten. Zuletzt beim Auswärtsspiel gegen den HSV (1:1), als der Druck wieder riesig war, stellte der FC für alle Experten die stärkere Mannschaft und spielte den besseren Fußball. Sie beraubten den heimstarken HSV um dessen enorme Power, während viele andere Gegner deutlich größere Probleme hatten, im Volkspark zu bestehen.

Doch Kwasniok, der zuvor in Saarbrücken und dann in Paderborn immer mehr aus seinen Teams herausholte als vielleicht zu erwarten war, steht nun massiv unter Druck. Das Heimspiel gegen Mönchengladbach, so pfeifen es die grünen Papageien von den Kölner Dächern, ist sein Do-or-Die-Derby.

Die zwei Gesichter des Trainers

Vielleicht lässt sich die Lage so auf den Punkt bringen: Köln steckt in der großen Kwasniok-Zwickmühle. Denn auf der einen Seite ist er genau der Trainer, der Typ, den sie dringend brauchen.

Zum Beispiel als Spielerentwickler: Den ungeschliffenen Rohdiamanten Said El Mala, 19 Jahre alt, hat er behutsam zum Bundesliga-Startspieler aufgebaut. El Mala hat mittlerweile neun Saisontore vorzuweisen, ist Kandidat für die WM im Sommer und wird dem FC voraussichtlich eine Rekordablöse bringen.

Was ist Kwasniok noch? Ganz sicher auch Sprücheklopfer und Lautsprecher. Seine Pressekonferenzen bieten großen Unterhaltungswert. Er kann millimetergenau formulieren und analysieren, genießt bundesweit Sympathien, da er Dinge gerne klar benennt statt drumherum zu fabulieren. Und das alles nicht in hochgestochenem Besserwisser-Deutsch, sondern wie ein guter Fußball-Kumpel.

Die Suche nach Schuldigen

Genau da liegt für ihn persönlich aber auch das Problem. Wer viel redet und öffentlich nach vorne geht, nutzt sich in einer Medienstadt nicht nur schneller ab, sondern bietet auch erhebliche Angriffsflächen.

Und wenn der niedergeschlagene Fan gefühlsmäßig am Boden liegt, dann braucht es, gerade in Köln, dringend Schuldige. Jemanden, dem sich der Frust in die Schuhe schieben lässt.

Vor Kwasniok, der die emotionale Breitseite jetzt abbekommt, war es Manager Christian Keller, der als Geschäftsführer einen super Job machte, aber das „kölsche Hätz“ (hochdeutsch: das Kölner Herz) so überhaupt nicht erreichte. Das ist bei Kwasniok anders – und doch vergleichbar in seiner Wirkung auf die öffentliche Wahrnehmung.

Nur noch das Ergebnis zählt

Jetzt also Mönchengladbach. Es zählt, so ist es aus Vereinskreisen zu hören, nicht mehr die Leistung, also ob der Einsatz und die spielerischen Mittel passen, sondern nur noch das nackte Ergebnis. Gewinnt der FC am Samstag nicht, soll Kwasniok entlassen werden.

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Oft haben Trainer, die derart auf der Lichtung standen, solche Situationen nicht überlebt. Riesengroße Rückendeckung hat der Trainer auch im Verein nicht mehr, überall wird über ihn geredet und spekuliert. Der Kölner Stadtanzeiger berichtete diese Woche sogar, Kwasniok sei innerhalb der Mannschaft „nicht immer ehrlich“ und habe „in der Kabine Kapital verloren, das schwer zurückzugewinnen ist“.

Fakt ist: Sollten die Kölner zukünftig ohne Kwasniok weitermachen, wird ihnen einiges an Qualität und Kontinuität fehlen. Ob ein Nachfolger wirklich mehr erreichen kann, ist eine sehr riskante Wette. Zur dringend benötigten Stabilität, die sich alle so sehr wünschen, würde ein Trainerwechsel auf jeden Fall nicht beitragen.