Nach 14 Jahren Streit ist für den deutschen Fußball ein klares Ligen-System unterhalb der 3. Liga wieder zum Greifen nah. In allen fünf Regionalligen fanden Infoveranstaltungen statt, um zu vier Staffeln zu gelangen, damit alle Meister in die 3. Liga aufsteigen können. Die Verbandspräsidenten wollen sich an das Votum ihrer Vereine halten – und die sind wohl mehrheitlich für das Kompassmodell.
Das Kompassmodell im Detail
Das Kompassmodell sieht vor, dass die vier Staffeln mit möglichst kurzen Fahrtstrecken in alle Himmelsrichtungen eingeteilt werden. Nach Sitzungen im Westen und Norden teilten Klub-Vertreter mit, dass sich die mächtigen Regionalverbandsbosse Peter Frymuth (Westen) und Ralph-Uwe Schaffert (Norden) nach den Ergebnissen einer Abstimmung der Klubs richten würden. Diese soll um den 18. und 19. Mai stattfinden.
Marcus Uhlig von Rot-Weiß Oberhausen erklärte: „Beide Vorschläge der DFB-Arbeitsgruppe wurden vorgestellt und Fragen beantwortet. Auf Nachfrage hat man mir geantwortet, dass es nicht zielführend wäre, sich mit den Verbandsgremien gegen die Mehrheit der Vereine zu stellen.“
Für den Norden vermeldete Florian Egbers vom SV Meppen: „Es gab eine grundsätzliche Bereitschaft und Offenheit der Landes- und Regionalverbände gegenüber dem Kompassmodell.“ Das bedeutet: Die Vereine haben es nun selbst in der Hand, mit ihrer Stimme die Rückkehr zu einer Ligen-Struktur nach dem Motto „Meister müssen aufsteigen“ herbeizuführen.
Kompassmodell schafft neue Derbys
Neben dem Kompassmodell steht das Regionenmodell zur Auswahl. Letzteres wurde bereits in Bayern, dem Norden und Osten von den Vereinen rigoros abgelehnt und gilt als aussichtslos. Anders bei der Kompasslösung: Mithilfe von KI werden die Vereine jede Saison nach den kürzesten Fahrtstrecken eingeteilt, wodurch neben alten Lokal-Duellen auch neue Derbys an den Bundesländer-Grenzen entstehen.
Uhlig betonte: „Das Kompassmodell hat so viele Vorteile für jeden Verein. Als Vorstandsvorsitzender von RWO kann ich meinen Fans ganz neue Gegner präsentieren. Die Mehrheit der Klubs im Westen dürfte das ähnlich sehen.“ Die Regionalliga West würde so wieder attraktiver. Zudem steigen in allen Staffeln künftig genau vier Teams ab – unabhängig davon, ob Vereine aus der eigenen Region von der 3. Liga herunterkommen.
Rücksicht auf kleine Klubs
Meppens Egbers ergänzte: „Die Vereine waren so gestimmt, dass das Kompassmodell für alle infrage kommt und eben nur die Zulassungskriterien sich an den bestehenden der Regionalliga Nord richten sollen.“ Kleine Klubs sollen bei der Reform nicht verdrängt werden.
Tommy Haeder von der „Aufstiegsreform“-Initiative verspricht ebenfalls Rücksicht: „Es gibt überhaupt keine Absichten, die Zulassungskriterien zu Lasten kleinerer Vereine anzuziehen. Wir werden uns über die Vereinsvertreter in der DFB-Kommission immer dafür aussprechen, dass sportlich qualifizierte Teams teilnehmen können“, sagte der Geschäftsführer des Chemnitzer FC.
Haeder fügte hinzu: „Lediglich sukzessive Investitionen über mehrere Jahre in die Infrastruktur sollen gefördert werden, was jedem Verein in der eigenen Entwicklung selbst hilft, die Ligen insgesamt professionalisiert und so den Abstand langfristig zur 3. Liga verkleinert. Mit dem Start des Kompassmodells ist kein Sprung in den Zulassungsvoraussetzungen geplant.“
Breite Zustimmung erwartet
Daher wird auch in Bayern mit überwiegender Zustimmung gerechnet. Im Südwesten, der als einzige Regionalliga weniger Reformbedarf verspürte, wird von einzelnen Kompassmodell-Befürwortern ausgegangen, sodass insgesamt eine deutliche Mehrheit erwartet wird.
Haeder abschließend: „Die großen Chancen für den gesamtdeutschen Fußball überwiegen ganz klar. Wir freuen uns jederzeit über Unterstützung aus den Fankurven, um gemeinsam sportliche und faire Bedingungen für alle in den Vordergrund der Diskussion zu stellen. Dafür steht das Kompassmodell.“ Und er ist sicher: „Die meisten Regionalligen werden sich unter einer GmbH oder dem DFB als Träger vermarktungstechnisch besser entwickeln können, davon werden die Klubs profitieren. Darum brauchen wir jetzt den entscheidenden Ruck, ja zu sagen, zu einem fairen Ligen-System für alle!“



