Lea Schüller: Neuanfang in Manchester und Rückkehr zur Nationalmannschaft
Die deutsche Fußball-Nationalspielerin Lea Schüller hat nach einer herausfordernden Phase beim FC Bayern München und in der DFB-Auswahl einen radikalen Neuanfang gewagt. Mit ihrem Wechsel zu Manchester United in der Winterpause hofft die 28-jährige Torjägerin, nicht nur ihre fußballerische Leistung, sondern auch die verlorene Freude am Spiel zurückzugewinnen. In einer Medienrunde des Deutschen Fußball-Bundes zeigte sich Schüller ungewöhnlich selbstkritisch und analysierte offen ihre Schwächen.
Selbstkritik und der Weg nach England
„Die letzten Monate waren nicht sonderlich einfach“, gestand Schüller ein. „Das hatte natürlich einfach damit zu tun, dass ich auch sehr unzufrieden war, auf keinem guten fußballerischen Level war.“ Solche ehrlichen Worte hört man von Profisportlerinnen selten. Die Angreiferin, die in 82 Länderspielen 54 Tore erzielt hat, verlor in der Vergangenheit ihren Stammplatz im Nationalteam und sucht nun keine Ausreden, sondern Lösungen.
Ihr Wechsel in die englische Women's Super League ist bewusst gewählt: „Ich glaube, dass genau das, dieses Athletische, das ganze Körperliche für mich einfach ein Punkt war, weshalb ich nach England gegangen bin“, erklärte sie. „Das war einfach noch nie so richtig meine Stärke.“ Doch Schüller ist optimistisch, dass sie sich in dieser Hinsicht schnell verbessern kann und bereits Fortschritte gemacht hat.
Unterschiede zwischen Bayern München und Manchester United
Die Spielphilosophie der beiden Vereine könnte kaum unterschiedlicher sein, wie Schüller betont: „Ich glaube, was die Art und Weise des Spiels angeht, sind Bayern und United komplett unterschiedlich.“ Während in München andere Schwerpunkte gesetzt wurden, steht in England das athletische Training im Vordergrund. „Das Körperliche und Athletische ist generell, was englische Mannschaften ausmacht“, so die Stürmerin.
Besonders der Fokus auf Umschaltspiel und weitläufiges Spiel kommt ihrem Stil entgegen: „Es ist ein bisschen auf weitläufigeres Spiel ausgerichtet, was auch meinem Spielstil zugutekommt.“ Die ersten Eindrücke sind positiv: „Ich bin sehr, sehr happy in England gerade.“
Rückkehr zur DFB-Auswahl und WM-Qualifikation
Nachdem Schüller bei den Nations-League-Finals gegen Spanien Ende vergangenen Jahres aus familiären Gründen fehlte, gehört sie nun wieder zum Aufgebot von Bundestrainer Christian Wück. Die DFB-Auswahl startet am Dienstag in Dresden gegen Slowenien in die WM-Qualifikation, am Samstag folgt das Auswärtsspiel in Stavanger gegen Norwegen. Dritter Gegner in der Gruppe ist Österreich.
Die Konkurrenz im Nationalteam ist groß: Bei der EM 2025 in der Schweiz hatte Schüller ihren Platz in der Sturmspitze an Giovanna Hoffmann verloren, die aktuell wegen eines Kreuzbandrisses ausfällt. Nach dem Turnier setzte Wück vermehrt auf Nicole Anyomi vom 1. FFC Frankfurt.
Persönliche Ziele und ein besonderes Wiedersehen
Auch in Manchester muss Schüller um einen festen Platz im Team kämpfen. Ihr primäres Ziel ist jedoch einfacher: „Ein Stück weit wieder mehr Spaß zu haben - das möchte ich mit hierher bringen“, sagte sie. Die Arbeit an Schwächen und Stärken steht im Mittelpunkt: „Das ist das, was ich gerade wieder versuche, mir zu erarbeiten: In Manchester an meinen Schwächen zu arbeiten, aber vor allem auch wieder an meinen Stärken zu arbeiten.“
Ein besonderes Highlight erwartet Schüller Ende März/Anfang April: Im Champions-League-Viertelfinale treffen die Bayern-Frauen auf Manchester United. „Einfach ein cooles Los“, freut sich die Stürmerin auf das Wiedersehen mit ihren „Münchner Mädels“. Dieser emotionale Moment könnte symbolisch für ihren Neuanfang stehen – zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Herausforderung und Chance.



