Lindsey Vonn blickt zurück: Der schmerzhafte Weg nach dem Horror-Sturz
46 Tage nach ihrem dramatischen Sturz bei den Olympischen Winterspielen in Italien hat Ski-Legende Lindsey Vonn (41) erstmals ausführlich über die schrecklichen Ereignisse gesprochen. In einem emotionalen Interview mit der US-Ausgabe des Magazins Vanity Fair schildert die ehemalige Weltklasse-Athletin die extremen Schmerzen und die quälenden Momente nach dem Unfall.
Vonn im Rollstuhl: Von der Weltspitze in die tiefste Krise
„Ich hatte so extreme Schmerzen. Ich war die Nummer eins der Welt und möglicherweise auf dem Weg zu einer olympischen Medaille. Jetzt sitze ich im Rollstuhl“, beschreibt Vonn ihre veränderte Situation. Bei dem Sturz auf der Olympia-Abfahrt in Cortina d’Ampezzo erlitt die Skirennläuferin eine komplexe Tibiafraktur – ein schwerer Schienbeinbruch, bei dem der Knochen in mehrere Teile zerbrach.
Die medizinischen Folgen waren gravierend: Ein äußerer Fixateur, ein Stützgestell außerhalb des Körpers, musste angebracht werden, um den gebrochenen Knochen zu stabilisieren. Insgesamt fünf Operationen folgten dem Unfall, wie Vonn nun offenbart.
Dramatische Rettung und unerträgliche Schmerzen
Der Ski-Star erinnert sich an die schrecklichen Minuten direkt nach dem Sturz: „Mein Bein war gebrochen. Meine Ski waren noch dran. Mein Bein war verdreht, ich konnte die Ski nicht ausziehen. Ich konnte mich nicht bewegen und habe um Hilfe geschrien.“ Ein Rettungshubschrauber flog sie damals von der Piste direkt ins Krankenhaus.
Doch selbst dort hörten die Qualen nicht auf. Während sie in einem Computertomografen (CT) lag, versagten plötzlich die Schmerzmittel. Vonn schildert: „Ich schrie aus voller Kehle: Holt mich hier raus! Es wollte einfach nicht nachlassen. Es hörte nicht auf. Das hat sich mir tief ins Gehirn eingebrannt.“
Ärztlicher Bericht: Kampf um das Bein
Ihr behandelnder Arzt, Tom Hackett, kommt in dem Vanity Fair-Interview ebenfalls zu Wort und beschreibt die kritische Lage nach der ersten Operation. „Es wurde immer schlimmer und sie sprach nicht auf riesige Mengen an Fentanyl, Morphin, Oxycodon – einfach auf jedes nur erdenkliche Betäubungsmittel – an“, berichtet Hackett.
Bei Vonn hatte sich ein gefährliches Kompartmentsyndrom entwickelt, bei dem Druck im Gewebe entsteht und Nerven sowie Blutversorgung zerstört werden können. Hackett verdeutlicht die Dramatik: „Es bestand eine große Gefahr, dass sie ihr Bein verliert.“
Stilvolles Comeback mit sichtbaren Spuren
Trotz der schweren Verletzungen und mehrfachen Operationen zeigt sich Lindsey Vonn nun auf dem Cover der aktuellen Vanity Fair-Ausgabe in einem eleganten Kleid mit Schlitz. Die Folgen des Sturzes sind noch anhand von Pflastern sichtbar, doch die Athletin versprüht Energie und Willenskraft.
Aktuell arbeitet Vonn täglich in der Rehabilitation daran, wieder gesund zu werden. Auf die Frage nach einer möglichen Fortsetzung ihrer Karriere antwortet sie vorsichtig optimistisch: „Ich will keine Tür zumachen, weil man nie weiß, was noch passiert. Ich wollte nicht, dass meine Karriere so endet.“
Das Comeback der Ski-Legende bleibt damit eine Geschichte von Schmerz, Überlebenswillen und der beeindruckenden Fähigkeit, selbst in der tiefsten Krise Stärke zu zeigen – schmerzhaft schön und zutiefst menschlich zugleich.



