Vorpommern: Straßentausch für Schmarsow - Kreisstraße gegen Umfahrung im Gespräch
Vorpommern: Straßentausch für Schmarsow im Gespräch

Vorpommern: Ungewöhnlicher Straßentausch für historisches Schmarsow im Gespräch

Im vorpommerschen Schmarsow wird erneut ein besonderes Tauschgeschäft diskutiert, das die Verkehrssituation des Dorfes grundlegend verändern könnte. Die Gemeinde Kruckow beschäftigt sich mit dem Gedanken, dem Landkreis Vorpommern-Greifswald dessen stark sanierungsbedürftige Kreisstraße VG103 innerhalb des Ortsteils Schmarsow abzunehmen. Im Gegenzug würde die Kommune dem Landkreis ihre deutlich besser erhaltene Umfahrungsstraße übereignen.

Jahrzehntelange Verkehrsdebatte um historischen Ortskern

Der Hintergrund dieser Überlegungen ist eine bereits seit Jahrzehnten geführte Diskussion um die Verkehrssituation in diesem malerischen Dorf am Rande des Tollensetales. Die Wegeführungen von Schmarsow waren einst perfekt auf die historische Gutsanlage zugeschnitten, die sich von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Enteignung nach dem Zweiten Weltkrieg im Besitz der im benachbarten Kartlow ansässigen Adelsfamilie von Heyden-Cartlow befand.

Das aus dem 17. Jahrhundert stammende Herrenhaus im historischen Ortskern diente damals als Sitz für den Verwalter und wird im Volksmund bis heute liebevoll als „Schloss“ bezeichnet. Zu DDR-Zeiten stand dieses Gebäude im Mittelpunkt des gesamten gesellschaftlichen Lebens der Gemeinde und wurde vielfältig genutzt – als Büro, Wohnraum, Jugendklub, Kulturveranstaltungsort und sogar für Schulsport und Kinovorführungen.

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Nachkriegsveränderungen schufen Verkehrsproblem

Die eigentlichen Verkehrsprobleme entstanden jedoch durch tiefgreifende Veränderungen des Ortskerns in den ersten Nachkriegsjahrzehnten. Der Abriss der meisten Scheunen, die Verfüllung eines großen Teiches und die Aufsiedlung des Gebietes gingen einher mit der Verlegung der Kreisstraße mitten durch dieses historische Areal.

Seither rollen die meisten Fahrzeuge direkt an der nordwestlichen Ecke des Schlosses vorbei und müssen dabei eine ebenso enge wie schwer einsehbare Doppelkurve zwischen diesem Gebäude und dem sogenannten Kavaliershaus passieren. Diese Engstelle stellt für alle Fahrzeuge – ob Pkw, Lkw oder landwirtschaftliche Gespanne – eine besondere Herausforderung dar.

Umfahrung brachte nur teilweise Entlastung

Erste Entlastung kam im Jahr 2006, als die Gemeinde über das Förderprogramm für den ländlichen Wegebau eine 600 Meter lange Umfahrungsstraße am östlichen Dorfrand schuf. Diese asphaltierte Strecke zwischen der Zufahrt der VG103 von Kruckow aus und ihrem Abzweig nach Borgwall wurde später per Beschilderung sogar zur Hauptstraße deklariert.

Trotzdem blieb der alte Verlauf der Kreisstraße bestehen, und nach wie vor nehmen zahlreiche Verkehrsteilnehmer diese Route durch den historischen Ortskern. Die Straße zeigt inzwischen deutliche Abnutzungserscheinungen und kommt stellenweise ziemlich ramponiert daher.

„Wir haben noch kein Feedback vom Kreis dazu“, erklärte die Jarmener Bauamtsleiterin Karina Bodemann während der jüngsten Debatte im Gemeinderat. Das Thema wurde einhellig zunächst in den Bauausschuss verwiesen, um die komplexen Fragen näher zu prüfen.

Komplexe rechtliche und bautechnische Fragen

Was vom reinen Menschenverstand her als folgerichtig erscheinen mag, wirft in der Praxis zahlreiche komplizierte Fragen auf. Bei diesen geht es unter anderem um:

  • Einhaltung von Normbreiten für Straßen
  • Übernahme von Erblasten und Altlasten
  • Einhaltung aktueller Förderrichtlinien
  • Finanzielle Verantwortlichkeiten

Diese Komplexität führte bereits kurz nach der Freigabe der Umfahrungsstraße dazu, dass der damalige Landkreis Demmin einen ähnlichen Tausch ablehnte. Inzwischen hat die VG103 weiteren Schaden genommen und ist stellenweise derart beschädigt, dass vermutlich ein sechsstelliger Betrag für ihre grundlegende Sanierung anfallen würde.

Kontrolle der Gewichtsbeschränkungen problematisch

Zumindest eine Tonnagenbeschränkung für die Strecke durch das Zentrum tragen Kommune und Behörden mit. Entsprechend existiert dort ein 7,5-Tonnen-Schild, flankiert von einer Tempo-30-Beschränkung. Allerdings scheint sich nicht jeder Lkw- und Traktorfahrer an diese Gewichtsgrenze zu halten.

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„Das Problem ist immer die Kontrolle“, sagte Bauamtsleiterin Bodemann dazu. „Wir dürfen ja nicht in den Verkehr eingreifen. Das ist Sache der Polizei.“ Von daher lautete ihre Empfehlung, bei den zuständigen Stellen diesen Problempunkt verstärkt ins Gespräch zu bringen.

Vision einer verkehrsberuhigten Zone

Die Schlossbesitzer Falk Fabich und Andrea Ruiken, die das historische Herrenhaus im Jahr 2000 kauften und umfangreich sanierten, sowie die Gemeinde selbst würden die Durchfahrtsstraße durch den Ortskern lieber zu einer Art verkehrsberuhigten Zone umwandeln. Besonders relevant ist dieser Wunsch, da sich dort das viel genutzte Gemeindehaus mit der Festwiese dahinter befindet.

Die aktuelle Debatte zeigt, dass die Idee eines Straßentausches trotz früherer Rückschläge weiterlebt. Ob aus dem jüngsten Anlauf tatsächlich eine umsetzbare Lösung erwächst, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch, dass die Gemeinde Kruckow die finanziellen Mittel für eine grundlegende Sanierung der maroden Kreisstraße nicht aufbringen kann und will – ein Punkt, den die Abgeordneten in ihrer jüngsten Sitzung deutlich machten.