Bayern-Ikone Lizarazu rechnet mit FIFA-Plänen für WM-Trinkpausen ab
Die geplanten verpflichtenden Trinkpausen bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada stoßen auf massiven Widerstand. Bixente Lizarazu, ehemaliger Weltmeister und Bayern-Legende, hat die von der FIFA beschlossene Neuregelung scharf attackiert und sieht darin eine fundamentale Bedrohung für den Charakter des Fußballsports.
„Getarnte Werbepause“ statt Spielerwohl
In einer leidenschaftlichen Kolumne für die französische Sportzeitung L'Équipe bezichtigte der 56-jährige Franzose den Weltverband, mit den dreiminütigen Unterbrechungen pro Halbzeit in Wahrheit kommerzielle Interessen zu verfolgen. „Diese Trinkpausen sind in Wirklichkeit nur eine getarnte Werbepause, die physiologisch nicht notwendig ist“, erklärte Lizarazu unmissverständlich. Die FIFA hatte die für alle 104 WM-Spiele geplanten Pausen offiziell mit dem Wohlbefinden der Profis begründet und betont, damit gleiche Bedingungen für alle Teams schaffen zu wollen.
Angriff auf die Grundfesten des Fußballs
Der 97-fache französische Nationalspieler warnte eindringlich vor den Konsequenzen dieser Regeländerung. „Wir dürfen den Geist des Fußballs oder seinen Spielablauf nicht verändern, nur weil wir in ein Land reisen, das eine andere Auffassung von Sportspektakel hat“, kritisierte Lizarazu. Seiner Ansicht nach wird durch die erzwungenen Unterbrechungen der Kern des Fußballs „ernsthaft beeinträchtigt“. Der traditionelle Spielrhythmus von zweimal 45 Minuten müsse unbedingt erhalten bleiben.
TV-Werbung und gestörte Dramaturgie
Bereits im März war bekannt geworden, dass Fernsehsender während der Trinkpausen Werbung schalten dürfen – entweder mit geteiltem Bildschirm für FIFA-Sponsoren oder kompletter Unterbrechung für beliebige Werbespots. Lizarazu befürchtet, dass diese kommerzielle Ausrichtung zusammen mit den Spielunterbrechungen die gesamte Dramaturgie des Fußballs beschädigt. „Sportlich gesehen würden die Unterbrechungen den Spielfluss stören, die Strategie verändern und so der Dramaturgie schaden“, argumentierte der Experte.
Alternative Lösungen für Hitze-Problematik
Der ehemalige Linksverteidiger verwies auf eigene Erfahrungen unter extremen Bedingungen und zeigte praktikable Alternativen auf. „Ich erinnere mich, unter extrem heißen Bedingungen gespielt zu haben. Ich stellte mir eine Flasche hin und trank bei jeder natürlichen Unterbrechung“, schilderte Lizarazu. „Mit etwas Verstand lassen sich leicht andere Lösungen finden, um sich an die Hitze anzupassen.“ Damit reagierte er indirekt auf frühere Kritik von Trainern wie Niko Kovac, der bei der Klub-WM von „irregulären Bedingungen“ bei Temperaturen über 40 Grad gesprochen hatte.
Sorge um Zukunft des Fußballs
Lizarazu äußerte grundsätzliche Bedenken über die Entwicklung des Sports unter dem Einfluss solcher Regeländerungen. Durch die geplanten Trinkpausen und weitere FIFA-Neuerungen könne der Fußball in Zukunft „seine Spontanität, seine Kreativität und seine Freiheit“ verlieren. Als positives Gegenbeispiel nannte er Spieler wie Michael Olise, die seiner Meinung nach „die Codes des modernen Fußballs durchbrechen“ und unberechenbar agieren.
Die Kontroverse um die WM-Trinkpausen zeigt einmal mehr den Konflikt zwischen traditionellen Fußballwerten und modernen Vermarktungsinteressen. Während die FIFA auf Spielergesundheit und faire Bedingungen verweist, sehen Kritiker wie Lizarazu darin einen gefährlichen Präzedenzfall für die Kommerzialisierung des Sports.



