Nach Derby-Frust: Was Lok Leipzig von Chemie lernen kann
Lok Leipzig: Fan-Frust nach Derby-Niederlage gegen Chemie

Nach Derby-Frust: Was Lok Leipzig von Chemie lernen kann

Die Enttäuschung war immens und deutlich spürbar. Lok Leipzig hat das heiß erwartete Derby bei Chemie Leipzig mit 0:1 verloren, und das mit einer Leistung, die den Ansprüchen eines Spitzenreiters in keiner Weise gerecht wurde. Diese ehrliche Einschätzung teilen viele Beobachter und Fans gleichermaßen. Rund 700 treue Anhänger hatten ihr Team während des gesamten Spiels bedingungslos unterstützt, doch nach dem Abpfiff schlug die Stimmung um.

Verbale Attacken nach dem Spiel

Als die erschöpften, enttäuschten und teilweise verletzten Spieler nach dem Spielende zu ihren Fans gehen wollten, wurden sie mit einer Welle verbalen Frusts konfrontiert, die die Mannschaft regelrecht schockierte. Vize-Kapitän Farid Abderrahmane (30) äußerte sich bestürzt: „Es ist traurig, ich verstehe es nicht. Wir haben zuvor fünf Derbys gewonnen, das war alles normal. Jetzt verlieren wir mal eins und gleich hat man das Gefühl, dass die Welt untergeht.“ Trainer Jochen Seitz (49) stellte sich demonstrativ vor seine Spieler, erntete ebenfalls böse Worte und reagierte seinerseits mit einer nicht druckreifen Äußerung. Später räumte er ein: „Die Mannschaft wurde nicht so nett begrüßt. Da war ich mit Sicherheit auch emotional dabei.“

Erfolg bringt hohe Erwartungen mit sich

Offenbar verpflichtet Erfolg zu besonderen Leistungen. Dies gilt umso mehr, nachdem Trainer Seitz die Fans in den vergangenen fast zwei Jahren mit herausragenden Ergebnissen verwöhnt hat. Mit Lok wurde er im ersten Jahr Meister und Pokalsieger, und mit einer runderneuerten Mannschaft führt er überraschend die Tabelle der Regionalliga Nordost an. Fünf Spieltage vor Saisonende beträgt der Vorsprung auf Verfolger Jena noch immer vier Punkte. Bedenklich wird es jedoch, wenn grundlegende Tugenden wie im Derby nicht auf dem Platz gezeigt werden. Sportchef Toni Wachsmuth (39) kritisierte deutlich: „Intensität, Zweikampfbereitschaft – das hatten wir zu keiner Phase auf dem Platz. Wenn das nicht stimmt, ist es schwer, in dieser Liga Punkte zu holen. Wir müssen sehen, dass wir unsere Leistung wieder hinbekommen, sonst werden wir am Ende nicht oben stehen.“ Bereits vor einigen Tagen hatte er Alarm geschlagen: „Was ich vermisse, ist eine wirkliche Euphorie, dass wir wirklich wieder was richtig Großes schaffen können in diesem Jahr.“

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Chemie Leipzig als Vorbild für Fanliebe

Nach fünf Derby-Niederlagen in Folge konnte die BSG Chemie endlich wieder jubeln. Trotz einer insgesamt enttäuschenden Saison gab es von den Chemie-Fans kaum böse Worte, stattdessen wurden die Spieler nach dem Derbysieg wie Helden gefeiert. Solche Szenen waren bei den 21 Saisonsiegen von Lok bisher eher selten zu beobachten. Erfolg scheint bei Lok Leipzig mittlerweile als selbstverständlich wahrgenommen zu werden. Die Mannschaft muss nun zeigen, dass sie ihre Leistung steigern kann, beginnend mit dem nächsten Spiel am Samstag gegen den Halleschen FC, der in der Rückrundentabelle sieben Punkte mehr als Lok geholt hat. Dies wird jedoch nur im Schulterschluss mit den Fans gelingen. Trainer Seitz wäre gut beraten, in Zukunft diplomatischer aufzutreten. Und auch wenn es den Lok-Anhängern nicht gefallen mag: Vielleicht sollte man sich bei Chemie Leipzig abschauen, wie bedingungslose Fanliebe funktioniert.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration