Löw über Özils Rücktritt: „Nie gelesen“ – Bierhoff nennt Schritt „nachvollziehbar“
Löw über Özils Rücktritt: „Nie gelesen“ – Bierhoff versteht

Löw über Özils Rücktritt: „Nie gelesen“ – Bierhoff nennt Schritt „nachvollziehbar“

Rund acht Jahre nach dem Bruch zwischen dem früheren Nationalspieler Mesut Özil und dem Deutschen Fußball-Bund hat sich der damalige Bundestrainer Joachim Löw in einer neuen ZDF-Dokumentation zu den Umständen des Rücktritts geäußert. Löw gab dabei überraschend zu, die ausführliche Rücktrittserklärung des Mittelfeldstars nie gelesen zu haben.

Löws Enttäuschung und Bierhoffs Verständnis

„Die ganze Presseerklärung und die Gründe habe ich nie gelesen. Weil erstens war mir das zu lang und zweitens war ich in dem Moment enttäuscht, weil ich's eigentlich nicht von ihm persönlich gehört habe“, erklärte Löw in der ZDF-Doku „Mesut Özil – zu Gast bei Freunden“. Der ehemalige Trainer betonte jedoch, Özil als „einen der besten Nationalspieler, den Deutschland je hatte“ zu sehen.

Der damalige DFB-Manager Oliver Bierhoff zeigte in der Dokumentation mehr Verständnis für Özils Entscheidung. Er bezeichnete den Rücktritt als „vollkommen nachvollziehbar“, kritisierte aber gleichzeitig die scharfe Wortwahl in der Erklärung. „Das Nachtreten finde ich halt nicht gut. Ich hätte nicht gedacht, dass er so harte Worte findet. Dass er so gegen den Verband schlägt, weil man natürlich schon auch abstrahieren muss zwischen Verband und einzelnen Personen“, so Bierhoff.

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Vertraute sprechen von Verletzung und Distanz

Hamit Altintop, langjähriger Weggefährte und Vertrauter Özils, gab in der Doku Einblicke in die emotionale Lage des Fußballers. „Mesut ist einfach nur verletzt, weil er nicht die Geborgenheit von dem Land bekommen hat, wo er Weltmeister geworden ist“, berichtete Altintop und fügte hinzu: „Keiner kennt ihn.“ Diese Aussage unterstreicht die zunehmende Distanz zwischen Özil und der deutschen Fußballwelt.

Joachim Löw bedauerte zudem, dass Özil auch dem jüngsten Treffen der Rio-Weltmeister von 2014 ferngeblieben war. „Der Mesut lebt jetzt in der Türkei, ist weniger in Deutschland oder äußerst selten“, erklärte der ehemalige Bundestrainer. Bierhoff vermutete, dass Özil einen klaren Schlussstrich ziehen und die Brücken nach Deutschland abbrechen wolle.

Hintergründe des Rücktritts und die Erdoğan-Kontroverse

Der gebürtige Gelsenkirchener Mesut Özil hatte sich nach Stationen bei Rot-Weiß Essen, dem FC Schalke 04 und Werder Bremen spätestens bei Real Madrid zum Ausnahmefußballer entwickelt. Er wurde zum Symbol eines vielfältigen Fußball-Deutschlands, doch nach dem umstrittenen Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan schlug die Stimmung 2018 um.

Nach dem historischen Vorrunden-Aus bei der WM 2018 erklärte Özil in einem dreiteiligen Post seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft und beklagte Rassismus. DFB-Verantwortliche wiesen diese Vorwürfe stets zurück. Özils früherer Berater Erkut Sögüt berichtete in der Dokumentation: „Für Mesut war von Anfang an klar: Wir müssen uns für nichts entschuldigen. Wir haben nichts Falsches gemacht. Ich sehe den Präsidenten fast jedes Jahr.“

Über das auf Englisch verfasste Rücktrittsschreiben sagte Sögüt: „Das war die Art und Weise, wie er das haben wollte.“ Die ZDF-Dokumentation, die ab dem 20. März in der Mediathek zu sehen ist und deren erste Folge am 31. März im TV läuft, kommt ohne ein Interview mit Özil selbst aus. Der ehemalige Nationalspieler hat Interviewanfragen nach Senderangaben abgelehnt.

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