Magaths bitterste Stunde: Eintracht Frankfurt feuert Trainer unter Maradonas Augen
Magaths bitterste Stunde unter Maradonas Augen

Magaths bitterste Stunde unter Maradonas Augen

Unter den Augen von Fußball-Legende Diego Maradona erlebte Felix Magath einen der bittersten Abende seiner langjährigen Trainerkarriere. Nach einer krachenden 1:5-Heimpleite gegen den 1. FC Köln war für den Trainer bei Eintracht Frankfurt endgültig Schluss. Das spektakuläre Spiel im halbleeren Waldstadion wurde für Magath zum persönlichen Debakel und markierte das abrupte Ende seiner Amtszeit bei den Hessen.

Maradonas überraschender Besuch im Waldstadion

Der hohe Gast nahm auf der VIP-Tribüne in Block 8 des Frankfurter Waldstadions Platz. Um seinen Hals hing ein schwarz-weißer Eintracht-Schal, der an jenem 27. Januar 2001 sicher gute Dienste leistete. Es war ein trüber Winterabend, als Weltstar Diego Maradona die Bundesliga beehrte und sich das Heimspiel der Frankfurter Eintracht gegen den 1. FC Köln ansah. Eigentlich war der argentinische Fußballgott nur zum Pizzaessen nach Frankfurt gekommen - seit seinen Napoli-Zeiten verband ihn eine enge Freundschaft mit einem nach Deutschland ausgewanderten Gastronomen.

In dessen Lokal verkehrten regelmäßig die Oberen der Eintracht, sodass die Einladung zum Top-Spiel der Bundesliga nahelag. Was Maradona jedoch zu sehen bekam, entwickelte sich für einen deutlich weniger prominenten Zehner zum absoluten Albtraum. Felix Magath, Trainer der Eintracht, musste nach dieser demütigenden Niederlage seinen Posten räumen. Unter den Augen des Weltmeisters von 1986 kassierte er eine seiner höchsten Niederlagen als Bundesligatrainer überhaupt.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Kölns vernichtender Angriffsfußball

Nach fünf Niederlagen zum Jahresende 2000 wollten die auf Platz 15 abgestürzten Hessen den Negativtrend im ersten Spiel nach der Winterpause stoppen. Der Gegner war - wie auch Jahre später - ein Aufsteiger, aber einer der ambitionierten Sorte. Unter Ewald Lienen hatte sich der 1. FC Köln in der oberen Tabellenhälfte etabliert und kam als Achter ins Waldstadion. Zu dieser Zeit hatten ausverkaufte Arenen noch Seltenheitswert - die Frankfurter Spielstätte war mit 28.100 Zuschauern nur halb gefüllt, als um 20.15 Uhr angepfiffen wurde.

Mit dem dramatischen Spielverlauf hatte jedoch niemand gerechnet. Schon zur Pause führte der Aufsteiger mit 4:0, obwohl er der Eintracht das Spielfeld überließ und bei Ecken deutlich unterlegen war (17:4). Zweimal traf Markus Kurth, einmal Christian Scherz, und Eintrachts Torsten Kracht steuerte noch ein Eigentor bei. Nach der Pause verkürzte Pawel Kryszalowicz zwar, doch Archil Arweladse versetzte den Hessen mit dem 5:1 den finalen Stich. „Jeder Konter führte zu einem Tor“, analysierte Gäste-Libero Thomas Cichon treffend.

Bodenlose Leistung der Eintracht-Defensive

Die Leistung der Hessen war besonders in der Defensive absolut bodenlos. Der im Winter neu verpflichtete Abwehrchef Karel Rada erlebte ein verheerendes Debüt und trat vor dem 0:1 sogar über den Ball. Ebenso wie seine Nebenleute Petr Houbtchev und Torsten Kracht bekam er im Kicker die schlechteste Note „6“. Kaum besser agierte der heutige Geschäftsführer Profifußball von Union Berlin, Horst Heldt (5,5), während Torhüter Oka Nikolov mit einer 4 die Bestnote erhielt. Nach Schulnoten wären praktisch alle Feldspieler versetzungsgefährdet gewesen.

Nicht versetzt wurde jedoch nur Felix Magath, der am darauffolgenden Montag seine Entlassungspapiere erhielt. Noch am späten Samstagabend hatte Vorstandsvorsitzender Steven Jedlicki beteuert: „Fest steht, dass wir auch in Zukunft mit dem Trainer planen. Wir wollen nicht für den 22. Trainerwechsel im 21. Jahr verantwortlich sein.“ Doch dann wurde der Trainerstuhl der Eintracht doch wieder zum Schleuderstuhl.

Magaths aggressiver Abschied und spätere Rechtfertigung

Der Grund: Magath erschien zur entscheidenden Aussprache am Sonntagmorgen um 9.30 Uhr nach Aussagen eines Teilnehmers „in einer unglaublich aggressiven Stimmung“. Er schien keine Lust zu haben, Vertretern des Vorstands, des Aufsichtsrats und des Vermarkters seine Rettungspläne im Detail zu erläutern. In der offiziellen Presseerklärung beklagte der Verein Magaths „absolute Machtfülle“. Jedlicki sagte enttäuscht: „Nach diesem Gespräch hatte ich nicht das Gefühl, dass der Trainer weiß, wie es mit der Mannschaft weitergehen soll.“

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Aufsichtsratsmitglied Robert Fritz ergänzte: „Seine Steinzeitkonzepte konnten uns nicht überzeugen. Es geht mehr als um einen Verein, es geht um eine Region, ja: um ein ganzes Bundesland.“ Hehre Ziele, für die man einen neuen Retter benötigte. Was Magath im Jahr 2000 noch gelungen war - einen Zehn-Punkte-Rückstand aufzuholen - traute man ihm nun bei einem Tor Rückstand auf Platz 15 nicht mehr zu.

Prompt setzte sich Medienprofi Magath nach seiner Entlassung zur Wehr: „Das ist eine Katastrophe. Jeder kannte meine Art, man holte mich, weil ich so bin, wie ich bin. Plötzlich tut man so, als habe man mich nicht gekannt.“ In einer Kolumne für Die Welt äußerte er: „Ich habe den Verein wieder zum Leben erweckt, aber das wurde leider nicht honoriert. Natürlich kommen jetzt wieder alle die, die sagen, ich bin eben nur einer für den kurztristigen Erfolg und meine Methoden seien nicht mehr zeitgemäß.“

Den Vorwurf, die Mannschaft habe gegen ihn gespielt, entkräftete er allerdings nicht: „Es gibt in der Mannschaft nur drei Superprofis.“ Und keinen Maradona. Während die Eintracht im Chaos versank und schließlich abstieg, stieg Magath bereits vier Wochen später beim VfB Stuttgart ein und rettete nun eben den schwäbischen Klub - trotz einer weiteren 0:3-Heimpleite gegen den 1. FC Köln nur zwei Monate später.