Vom Spielfeld in die Geschäftsführung: Manske-Brüder starten ungewöhnliche Karriere
Ein unkonventioneller Schritt sorgt in der Berliner Fußballszene für Aufsehen: Die Brüder Johannes (26) und Paul Manske (24) haben ihre aktive Spielerkarriere bei der VSG Altglienicke beendet, um direkt in die Geschäftsführung des Viertligisten aufzusteigen. Als Söhne von Herthas Ex-Vizepräsident Thorsten Manske bringen sie nicht nur Fußball-DNA, sondern auch unternehmerische Erfahrung mit.
Von der Hertha-Jugend zur Vereinsführung
Die Karriere der beiden Brüder begann in der Jugendabteilung von Hertha BSC, später spielten sie gemeinsam bei Meppen und zuletzt bei der VSG Altglienicke. „Unsere Freunde dachten, wir würden sie auf den Arm nehmen“, erinnert sich Johannes Manske an die Reaktionen auf ihren ungewöhnlichen Karrierewechsel. „Mein Bruder Paul war die treibende Kraft. Unsere Scheuklappen waren immer offen für neue Wege.“
Johannes Manske hat neben dem Fußball sein Jura-Grundstudium abgeschlossen, einen Catering-Vermittler gegründet und sich ein umfangreiches Netzwerk in der Berliner Start-Up-Szene aufgebaut. Zu seinen Kontakten und Vorbildern zählt Getyourguide-Gründer Johannes Reck (40).
Strategische Vision für Berlins dritte Kraft
Als Geschäftsleiter für Strategie und Vereinsentwicklung verfolgen die Manske-Brüder eine klare Vision: „Wir sind faktisch die dritte Fußball-Kraft nach Hertha und Union in Berlin“, erklärt Johannes Manske. Doch statt kurzfristiger Erfolgsfixierung setzen sie auf nachhaltiges Wachstum.
„Altglienicke hat einen kometenhaften Aufstieg hingelegt. Jetzt gilt es, den Klub strategisch und nachhaltig zum Wachsen zu bringen und noch relevanter in Berlin zu machen. Und das in allen Abteilungen“, so der 26-Jährige. Der Verein mit rund 1200 Mitgliedern soll zu einem ganzheitlichen Sport- und Gesellschaftsprojekt werden.
Brüderliches Vertrauen als Erfolgsfaktor
Die Zusammenarbeit als Geschwister erweist sich als besonderer Vorteil. „Wir sind uns sehr nahe“, betont Johannes Manske. „Man trifft überall Leute, bei denen man sich nicht sicher über deren Intentionen und Ehrlichkeit sein kann. Bei Paul kann ich sicher sein, dass er ehrlich ist und es gut mit mir meint.“ Diese Vertrauensbasis bildet das Fundament für ihre gemeinsamen Pläne.
Die größte Herausforderung: Ein fehlendes Stadion
Aktuell fehlt dem Verein noch ein Drittliga-taugliches Stadion, was die größte Hürde für den weiteren Aufstieg darstellt. „Unser Trainingsgelände in den Willy-Sänger-Sportanlagen hat Zweitliga-Niveau – wir haben bewiesen, dass wir investieren“, so Manske. „Was uns jetzt fehlt, ist ein echtes Zuhause.“
Die Vision geht über reinen Fußball hinaus: „Wir wollen einen Ort schaffen, der Anlaufstelle für den gesamten Südosten Berlins wird: für Sport, Technologie, Wirtschaft, Forschung und die Berliner Stadtgesellschaft“, beschreibt Johannes Manske die ambitionierten Pläne.
Berlin als nachhaltige Sportmetropole stärken
Die Brüder sehen sich als Teil einer größeren Bewegung: „Wir sehen uns als Teil einer Bewegung, die Berlin als nachhaltige Sportmetropole stärkt“, erklärt Johannes Manske. „Die Investitions- und Kooperationsbereitschaft ist von unserer Seite zu 100 Prozent da.“
Die Bedingung für die Umsetzung ihrer Visionen sind klare politische Rahmenbedingungen: „Wenn die Politik die Rahmenbedingungen schafft, sind wir bereit – ob als eigenes Projekt oder als Shared-Modell mit anderen Vereinen. Dafür hoffen wir auf eine neue Dynamik, in der Berliner Vereinsentwicklung eine höhere Priorität bekommt.“
Mit ihrer ungewöhnlichen Karriereentscheidung und ihrer strategischen Vision könnten die Manske-Brüder nicht nur die VSG Altglienicke verändern, sondern langfristig das Kräfteverhältnis im Berliner Fußball neu definieren.



