Manuel Neuer wird 40: Die große Frage nach der Zukunft des Rekordtorwarts
Manuel Neuer, Deutschlands Rekordtorwart und Kapitän des FC Bayern, feiert einen runden Geburtstag. Am Freitag wird der Torhüter 40 Jahre alt – ein Meilenstein, der die Fußballwelt über seine weiteren Pläne spekulieren lässt. Während die Nationalmannschaft ohne ihn in Basel gegen die Schweiz antritt, genießt Neuer seinen Ehrentag privat mit Familie.
Kein Comeback beim DFB
Nach der erneuten Verletzung von Marc-André ter Stegen gab es zwar mediale Spekulationen über ein mögliches DFB-Comeback. Doch sowohl Bundestrainer Julian Nagelsmann als auch Neuer selbst haben das Thema nicht forciert. Neuer bekräftigte, dass sein Rücktritt nach der Heim-EM 2024 endgültig sei. Ein 125. Länderspiel wird es somit nicht mehr geben.
„Manu wird 40 – Wahnsinn“
Andreas Köpke, langjähriger Bundestorwarttrainer, der Neuer von der WM 2010 bis zur EM 2021 begleitete, zeigt sich beeindruckt: „Manu wird 40 – Wahnsinn“, entfährt es ihm im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Ich denke gerne an die Zeit zurück mit ihm. Ich habe seine ersten 100 Länderspiele alle zusammen mit ihm gemacht“, sagt Köpke stolz.
Die große Ungewissheit
Der Europameister-Torwart von 1996 kennt Neuer sowohl als Sportler als auch als Persönlichkeit. Wie viele andere würde auch er gerne wissen, was Neuer plant. Endet seine Karriere nach dieser Saison? Hängt er noch ein Jahr dran? Sein Vertrag beim FC Bayern läuft aus. „Ich bin gespannt. Ich glaube, Manu weiß es selbst noch nicht so richtig“, vermutet Köpke.
Köpke selbst beendete seine Karriere mit 39 Jahren und weiß aus eigener Erfahrung: „40 ist schon eine Hausnummer. Da wird er auch mal ins Grübeln kommen.“ Zwar gehöre Neuer „vom Gesamtpaket her immer noch zu den Top-Torhütern“, doch die Verletzungsanfälligkeit nehme im höheren Fußballer-Alter zu. Neuer musste bereits zweimal wegen eines Faserrisses in der Wade pausieren.
Neuers eigene Perspektive
Neuer selbst gewährt kaum Einblicke in seine Überlegungen. Er betont, „total entspannt“ zu sein. „Wichtig wird sein, was wir mit unserer Mannschaft machen. Und es wird wichtig sein, wie es mir geht“, sagte er mit Blick auf die laufende Saison. Mit den Bayern peilt er aktuell das dritte Triple nach 2013 und 2020 an. Könnte ein Erfolg der perfekte Zeitpunkt für ein Karriereende sein?
Revolution des Torwartspiels
„Um Titel geht es dem Manu gar nicht mehr“, glaubt Köpke. Neuer hat in seiner Karriere zahlreiche Titel gewonnen, darunter ein Dutzend Meisterschaften und die Champions League. Doch der Höhepunkt war wohl 2014, als die ganze Welt auf diesen Torwart staunte, der das Spiel revolutionierte.
„Man hat immer dieses Algerien-Spiel im Achtelfinale vor Augen. Da hat Manu ja eigentlich Libero gespielt. Da ist er in so einen Flow gekommen“, schwärmt Köpke noch heute. „Manu hat das Torwartspiel schon brutal geprägt. Er hat es auf ein anderes Niveau gehoben.“
Die Sicht des Trainers
Auch von den Entscheidern beim FC Bayern gibt es keine klare Antwort. Trainer Vincent Kompany, der selbst am 10. April 40 wird, sagte lachend: „40 ist jung.“ Der ehemalige Weltklasse-Verteidiger beendete seine Karriere früher als Neuer: „Meine Knie haben sich anders entschieden.“
Für Kompany ist „Hunger das wichtigste Wort“. Motivation und Willensstärke seien entscheidend. Er erinnert daran, wie sich Neuer nach seinem Skiunfall Ende 2022 „von einer ganz großen Verletzung zurückgekämpft“ habe: „Das war beeindruckend.“ Und auch in dieser Saison sei es beeindruckend, „wie er sich mental immer wieder motiviert, diese Top-Leistungen zu bringen. Beim FC Bayern kannst du schließlich nicht ein bisschen weniger machen.“
Eine legendäre Karriere
Neuer liebt den Fußball, den Wettkampf, die Kabine und die großen Spiele in den riesigen Stadien. Die rund 30 Millionen Euro, die der FC Bayern 2011 an Schalke zahlte, erwiesen sich als eines der sinnvollsten Investments des Vereins. Aus anfänglicher Ablehnung der Bayern-Fans wurde schnell Anerkennung und Bewunderung.
In 590 Pflichtspielen bis zu seinem 40. Geburtstag hat Neuer über 53.000 Minuten im Bayern-Tor gestanden. Die Vereinsführung weiß, dass der Kapitän über seine Zukunft letztlich selbst entscheiden wird – unabhängig von Verträgen.
Die Nachfolgefrage
Köpke tippt, „dass Manu noch ein Jahr weitermacht. Und ich würde es mir auch wünschen.“ Dies wäre auch für Jonas Urbig (22), den designierten Nachfolger als Münchner Nummer eins, von Vorteil. „Die Spiele, die Urbig gemacht hat, waren super. Er ist auf einem sehr guten Weg. Er wird aber nicht von heute auf morgen diese großen Fußstapfen ausfüllen können. Aber er könnte da reinwachsen. Deshalb wäre es positiv, wenn Manu noch ein Jahr dranhängt und ihm den Weg ebnet.“
Dafür müsste Neuer bereit sein, mehr Spiele an Urbig abzugeben. Zuvor erwarten ihn jedoch noch große Fußball-Abende als Ü40-Torwart. Gleich nach der Länderspielpause steht das Giganten-Duell mit Real Madrid in der Champions League an. „Das ist nochmal ein Highlight für Manu – gegen Vinícius Júnior“, sagt Köpke: „Der kann sich dann die Zähne an Manu ausbeißen.“



