Marcell Jansen im SPORT1 Deep Dive: Die prägenden Momente einer Nationalspieler-Karriere
Marcell Jansen, langjähriger fester Bestandteil der deutschen Nationalmannschaft, blickt im exklusiven SPORT1-Podcast Deep Dive auf seine bewegende Karriere zurück. Der ehemalige Profi erklärt, warum er es nicht bedauert, kein Weltmeister geworden zu sein, und schildert, wie besonders die Heim-Weltmeisterschaft 2006 für ihn war.
Der unerwartete Anruf von Jürgen Klinsmann
Die Nationalmannschaftskarriere von Marcell Jansen begann auf eine Weise, die wohl die meisten Fußballfans so oder ähnlich erwarten würden. Beim gebürtigen Mönchengladbacher schrillte in einem völlig unerwarteten Moment das Telefon. „Ich war in einem Café in Mönchengladbach mit meinen Kumpels, ganz normal Kaffee trinken“, erinnert sich Jansen im Podcast. „Auf einmal stand da ‚Unbekannter Anrufer‘ und dann ging Klinsmann ran. Ich habe erst mal gedacht, das ist ein Telefon-Joke, aber das war er wirklich.“
So kam es, dass Jansen am 3. September 2005 zu seinem A-Länderspieldebüt kam – einem 45-minütigen Testspieleinsatz in Bratislava gegen die Slowakei. Der junge Spieler überzeugte Trainer Jürgen Klinsmann nachhaltig und absolvierte in der Folge sechs weitere Einsätze, davon fünf in der Startelf im Vorfeld des großen Turniers.
Das Sommermärchen 2006: „Wahnsinn, so etwas mitzuerleben“
Als jüngster Spieler sprang Jansen schließlich auf den WM-Zug auf und wurde Teil einer aus seiner Sicht „unfassbar prägenden“ Weltmeisterschaft. Trotz seines jungen Alters kam beim Youngster keine übermäßige Nervosität auf. „Das geht dann einfach so schnell. Das ist vielleicht auch gut so, dass du keine Zeit hast, richtig darüber nachzudenken. Du tappst von einer Herausforderung in die nächste“, so Jansen. „Das war schon Wahnsinn, so etwas mitzuerleben.“
Besonders der Einfluss auf die Nationalmannschaft und das ganze Land blieb dem Ex-Profi in besonderer Erinnerung: „Alle Nationen waren Deutschland-Fans, wenn die eigene Nation raus war. An diese Kraft und Aufmerksamkeit kommt für mich auch nichts mehr ran. Ein Teil davon gewesen zu sein, hat mich unfassbar geprägt.“
Obwohl Jansen bis zum Spiel um Platz drei auf seinen ersten WM-Einsatz warten musste, herrschte keine Tristesse. „Es war total besonders auch im Umfeld mit dem Sommermärchen und du wolltest bei dem Turnier im eigenen Land dann auch auf dem Treppchen sein.“ Dank eines 3:1-Sieges über Portugal mit Stars wie Luis Figo und Cristiano Ronaldo gelang der DFB-Elf dieses Vorhaben schließlich.
WM 2010: Die Millimeter-Entscheidung und besondere Dankbarkeit
Vier Jahre später stand die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika für Jansen zunächst unter einem ganz anderen Stern. Lange war unklar, ob er überhaupt mitreisen könnte, nachdem er sich im März eine Verletzung am Syndesmoseband zugezogen hatte. „Letztlich entschieden wenige Millimeter, ob eine Operation notwendig war oder nicht“, erklärt Jansen. Eine Operation hätte das WM-Aus bedeutet.
„Und so war es […] wir haben mit dem Restrisiko nicht operiert und es ist voll aufgegangen. Ich habe praktisch erst während des Turniers meine Vorbereitung angefangen, um mein Level hochzukriegen“, beschreibt der ehemalige HSV-Präsident. Trainer Joachim Löw ist er dafür bis heute sehr dankbar: „Deshalb war das Turnier insgesamt für mich so besonders. Vor allem, dass ich überhaupt mitfahren durfte, weil Jogi Löw gesagt hat: ‚Den Marcel nehme ich auf jeden Fall mit. Selbst wenn der jetzt erst mal hier anfängt zu trainieren‘.“
Nicht nur deshalb hat Jansen das Turnier in bester Erinnerung behalten: „Ich habe dort angefangen, zu trainieren und mich dann mit den guten Möglichkeiten ins Turnier reingespielt. Es war dann auch für mich persönlich Wahnsinn, weil ich eben mein erstes Tor bei einer WM gemacht habe.“
Das erste Kopfballtor bei einer WM und eine besondere Anekdote
Erneut war es das Spiel um Platz drei, das Jansen besonders in Erinnerung blieb. In der 56. Minute flankte Jerome Boateng vom linken Fünfereck und Jansen köpfte im Zentrum zum 2:2-Ausgleichstreffer ein – sein erstes Länderspieltor bei einem großen Turnier. Dazu offenbart er eine amüsante Anekdote: „Ich hatte noch nie ein Kopfballtor gemacht. Da war so ein Running Gag. Mein Berater hat gesagt: ‚Wenn du mal ein Kopfballtor machst, lade ich dich zum Essen ein.‘ Dass es dann bei der WM war, umso schöner.“
Die verpasste WM 2014: „Hätte mein Leben nicht verändert“
Zu einer dritten Weltmeisterschaft sollte es für Jansen nicht mehr reichen, obwohl er sich nach der verpassten Europameisterschaft 2012 zurückgekämpft und sogar wieder einen Stammplatz in der Nationalmannschaft erspielt hatte. Eine Verletzung durchkreuzte jedoch seine Pläne. „Jogi wollte mich eigentlich mitnehmen, aber das wäre dann mit dem Klima und der erst abgeschlossenen Reha zu viel gewesen und hätte auch keinen Sinn gemacht“, erzählt er.
Auf die Frage, ob er traurig war, dass Deutschland ausgerechnet 2014 ohne ihn Weltmeister wurde, fand Jansen bemerkenswerte Worte: „Natürlich wäre ich gerne dabei gewesen, am Anfang war es ein Schock. Es hätte mein Leben aber nicht verändert.“ Und er ergänzt: „Ich konnte mir so viele Privilegien erfüllen. So wie ich erzogen und als Mensch bin, habe ich mich so gefreut, als wie ich dabei gewesen wäre. Ich habe mich auch trotzdem als ein Teil gefühlt, weil ich mit diesen Jungs auch lange zusammen war. Wir als Deutschland hatten es einfach verdient.“



