Eine Lebensgeschichte gegen alle Widerstände
Monika Staab zählt zu den prägendsten Persönlichkeiten im deutschen Frauenfußball. Als Pionierin hat sie nicht nur mit dem 1. FFC Frankfurt europäische Geschichte geschrieben, sondern weltweit in über 90 Ländern Strukturen für Mädchenfußball aufgebaut. Im SPORT1-Podcast Leadertalk mit Host Mounir Zitouni gewährt die 67-Jährige tiefe Einblicke in ihren außergewöhnlichen Lebensweg.
Kindheit ohne Spielerlaubnis
„Von vier Jahren bis elf Jahren durfte ich in keinem Verein Fußball spielen“, erinnert sich Staab an ihre frühe Jugend. In einer Zeit aufgewachsen, als Frauenfußball offiziell noch verboten war, musste sie sich ihren Platz auf der Straße bei den Jungen erkämpfen. Erst 1970 wurde der Frauenfußball in Deutschland erlaubt – eine Erfahrung, die ihre gesamte Haltung prägte: „Aufgeben ist keine Alternative.“
Diese frühen Kämpfe formten eine Resilienz, die sie durch ihre gesamte Karriere trug. Als Spielerin ging sie ins Ausland, zu einer Zeit, als Frauenfußball international kaum Strukturen besaß. Als Trainerin kehrte sie zurück, um genau diese Strukturen in Deutschland mitzugestalten.
Europäische Erfolge mit Frankfurt
Mit dem 1. FFC Frankfurt schrieb Staab Fußballgeschichte. Unter ihrer Leitung wurde die Mannschaft zur erfolgreichsten Europas mit mehreren deutschen Meisterschaften, Pokalsiegen und dem Gewinn des UEFA-Cups. Doch für die Trainerin war jeder Erfolg nur ein neuer Anfang: „Jedes Jahr nach dem Erfolg ... war für mich klar, wir müssen wieder von vorne anfangen.“
Ihr Führungsstil basierte auf menschlichen Werten: „Du bist nicht nur als Trainer gegenüber deinen Spielern verantwortlich, sondern auch als Mensch.“ Sie schuf positive Atmosphären, in denen sich Spielerinnen entfalten konnten – eine Philosophie, die sie später in die Welt trug.
Weltweite Mission für Gleichberechtigung
Nach ihren Erfolgen in Deutschland begann Staabs eigentliche Lebensmission: der weltweite Aufbau von Frauenfußballstrukturen. In Ländern wie Gambia, Myanmar, Bahrain, Japan, Nigeria, Tansania, Kuwait und Katar arbeitete sie unter völlig unterschiedlichen kulturellen Voraussetzungen.
„Jedes Mädchen das Fußball spielen möchte, sollte diese Gelegenheit bekommen“ – dieser Leitsatz steht im Zentrum ihrer Arbeit. Für Staab geht es dabei um weit mehr als Sport: „Die Mädchen bekommen dadurch Selbstwertgefühl... Sie sind ein Teil der Gesellschaft.“
Drecksarbeit in Saudi-Arabien
Besonders deutlich wird der Umfang ihrer Arbeit am Beispiel Saudi-Arabiens. Als Staab dort begann, existierten praktisch keine Strukturen für Frauenfußball: keine Liga, keine Nationalmannschaft, keine systematische Ausbildung. Frauen durften lange nicht einmal Schulsport betreiben.
Was folgte, war „richtige Drecksarbeit“, wie sie es selbst nennt. Von Grund auf entstanden:
- Erste Ligen und geregelter Spielbetrieb
- Nachwuchsstrukturen und Akademien
- Ausbildung von Trainerinnen
- Nationalmannschaften in verschiedenen Altersklassen
- Zugang zu Schulen und Trainingsmöglichkeiten
Fußball als Hebel für gesellschaftliche Veränderung
Der eigentliche Wert dieser Arbeit liegt für Staab nicht in Strukturen oder Titeln, sondern in der individuellen Entwicklung der Mädchen. Fußball wird zum Katalysator für gesellschaftlichen Wandel: Mädchen kehren zurück in Schulen, wehren sich gegen Ungleichbehandlung und entwickeln ein neues Selbstbewusstsein.
Ihr Erfolgsrezept basiert auf zwei Prinzipien: „Ich habe zwei Dinge in meinen Missionen: Einmal das Zuhören, weil das ist ganz wichtig – und das andere ist, dass es immer Lösungen gibt. Immer Lösungen, die du suchen musst.“
Statt Lösungen von außen zu importieren, baute sie Vertrauen auf und verstand lokale Bedürfnisse. Diese Herangehensweise ermöglichte nachhaltige Veränderungen, die über den Sport hinauswirken.
Ruhestand mit neuer Perspektive
Nach dieser intensiven Aufbauarbeit ist Monika Staab nun im Ruhestand. Auf die Frage nach ihrer aktuellen Priorität antwortet sie mit einem Wort: „Lebensqualität“. Sie ergänzt: „Solange man es genießen kann, solange man gesund ist, ist ja nun mal das Wichtigste.“
Ihr Lebensweg – vom Mädchen ohne Spielerlaubnis zur international gefeierten Pionierin – zeigt, wie Sport Barrieren durchbrechen und gesellschaftliche Transformation ermöglichen kann. Monika Staab hat nicht nur den deutschen Frauenfußball geprägt, sondern weltweit Räume geschaffen, in denen Gleichberechtigung und persönliche Entwicklung erst möglich werden.



