Nagelsmanns WM-Elf nimmt Gestalt an: Bayern-Dominanz und Verletzungssorgen
Zweieinhalb Monate vor dem Start der Fußball-Weltmeisterschaft in Nordamerika zeichnet sich immer deutlicher ab, wie Bundestrainer Julian Nagelsmann seine Mannschaft aufstellen wird. Die Länderspielpause mit dem 2:1-Sieg gegen Ghana in Stuttgart hat wichtige Erkenntnisse gebracht – und eine klare Tendenz aufgezeigt: Gleich sieben Spieler des FC Bayern München dürften in der Anfangsformation stehen.
Die offensive Stärke mit einem großen Fragezeichen
Im Angriff setzt Nagelsmann auf eine flexible Dreierreihe, in der Florian Wirtz auf der linken Seite als gesetzt gilt. Der beim FC Liverpool sein Formtief überwundene Spieler bildet zusammen mit Serge Gnabry, Lennart Karl oder Jamie Leweling auf der rechten Seite das offensive Gerüst. Ganz vorne ist der variable und technisch starke Kai Havertz die bevorzugte Wahl des Bundestrainers.
Doch über allem schwebt die große Frage nach Jamal Musiala. Der 23-jährige Bayern-Star verpasste die beiden Länderspiele aufgrund einer Schmerzreaktion an seinem operierten linken Sprunggelenk. Nach einem Wadenbeinbruch mit mehreren Bänderrissen bei der Klub-WM im Juli 2025 kämpft Musiala seit Monaten darum, seine Bestform wiederzufinden. „Er hat nicht mehr so viel Zeit“, sagte Nagelsmann deutlich. Sollte Musiala sein körperliches Toplevel erreichen, wäre er als Zehner in der offensiven Dreierreihe gesetzt – eine Schlüsselposition in Nagelsmanns System.
Verletzungssorgen im Mittelfeld und in der Defensive
Nicht nur Musiala bereitet Nagelsmann Kopfzerbrechen. Torhüter Marc-André ter Stegen wird aufgrund einer Oberschenkelverletzung und weiterer Blessuren wohl nicht zur WM reisen können. Bei Dortmunds Mittelfeldstar Felix Nmecha, der sich eine Außenbandverletzung im Knie zugezogen hat, äußerte der Bundestrainer öffentliche Bedenken über eine rechtzeitige Fitness.
Im zentralen Mittelfeld wären aufgrund der Nmecha-Verletzung die Bayern-Profis Aleksandar Pavlovic und Leon Goretzka erste Wahl. Als Alternativen stehen Angelo Stiller, Pascal Groß oder Anton Stach bereit. Allerdings fehlt auf dieser bedeutenden Position ein Weltklassespieler wie früher Bastian Schweinsteiger oder Toni Kroos.
Die defensive Herausforderung
Auch die Defensive muss bei der WM erst beweisen, dass sie gegen Topgegner bestehen kann. Mit Kapitän Joshua Kimmich auf der rechten Seite, Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck in der Zentrale sowie David Raum links hat Nagelsmann zwar erfahrene Spieler nominiert, doch die Abwehr zeigte in den letzten Spielen Schwächen. Oliver Baumann geht zudem in sein erstes großes Turnier als Stammkeeper.
Die Gruppengegner und die Titelchancen
Nagelsmann nutzte die Länderspielpause auch für detaillierte Gegnerbeobachtungen. Nach dem Spiel in Stuttgart reiste er nach Eindhoven, um dort Deutschlands dritten WM-Gruppengegner Ecuador im Testspiel gegen die Niederlande zu beobachten. Die Südamerikaner holten ein beachtliches 1:1. Ebenfalls gut in Form zeigte sich die Elfenbeinküste, die mit 1:0 gegen Schottland gewann. Nur Curaçao, Auftaktgegner des Nagelsmann-Teams am 14. Juni in Houston, kassierte eine deutliche 1:5-Niederlage gegen Australien.
„Wir haben auf jeden Fall die Fähigkeiten, ein sehr gutes Turnier zu spielen“, sagte Nagelsmann zu den Titelchancen seiner Mannschaft. „Wie jeder weiß, ist in K.o.-Spielen immer alles möglich – und da müssen wir hinkommen.“ Was bei den Gruppengegnern Curaçao, Elfenbeinküste und Ecuador ohne jede Diskussion gelingen sollte. Ob diese Elf mit sieben Bayern-Spielern und hoffentlich einem fitten Jamal Musiala jedoch den fünften WM-Titel holen kann, bleibt die große Frage des Sommers.



