Nerlinger wehrt sich gegen Sammers radikale Berater-Kritik
Der ehemalige Sportdirektor des FC Bayern München, Christian Nerlinger, hat auf die scharfen Angriffe von Matthias Sammer gegen Spielerberater reagiert und dabei ungewöhnliche Vergleiche gezogen. Der 53-jährige Nerlinger, der heute die Beratungsagentur CN Sports leitet, äußerte sich im kicker-Interview zu den kontroversen Aussagen des Ex-Bayern-Managers.
„Trump-Rhetorik“ als Vorwurf gegen Sammer
Matthias Sammer hatte im Gespräch mit Sky verkündet, dass er Spielerberater „abschaffen“ würde, da diese seiner Meinung nach „zu viel Geld“ verdienen und „unnötig“ seien. Nerlinger konterte diese radikale Forderung mit deutlichen Worten: „Einen Berufsstand komplett abschaffen zu wollen, ist schon etwas extrem“, erklärte der ehemalige Profi.
Besonders kritisch sieht Nerlinger dabei den rhetorischen Stil Sammers: „Matthias, den ich persönlich und fachlich sehr schätze, hat sich hier ein wenig die Trump-Rhetorik zu eigen gemacht, und das ist meiner Meinung nach keine allzu gute Idee“, so der CN-Sports-Chef weiter. Damit vergleicht Nerlinger die populistische Sprechweise Sammers mit der des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump.
Verständnis für Hoeneß und Rummenigge
Anders als bei Sammer zeigt Nerlinger jedoch Verständnis für die kritischen Äußerungen der Ex-Bayern-Bosse Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge. Beide hatten sich in die aktuelle Berater-Debatte mit deutlichen Worten eingeschaltet. „Wenn Hoeneß und Rummenigge über Fehlentwicklungen im Beratergeschäft sprechen, haben sie teilweise sicherlich recht“, räumte Nerlinger ein.
Rummenigge hatte Spielerberater als „das größte Problem im Fußball“ bezeichnet, während Hoeneß sich von der aktuellen Entwicklung „entsetzt“ gezeigt hatte. Hintergrund dieser Kritik sind die drastisch angestiegenen Ausgaben für Beraterhonorare seitens der Fußballvereine.
Upamecano-Deal als Auslöser der Kontroverse
Der konkrete Anlass für die aktuelle Debatte war die Vertragsverlängerung von Dayot Upamecano beim FC Bayern München im Februar. Die Berater des französischen Nationalspielers hatten für ihren Klienten neben einem üppigen Jahresgehalt noch ein Handgeld in Höhe von 20 Millionen Euro ausgehandelt.
Nerlinger zeigte Verständnis für die Empörung der Ex-Bayern-Bosse: „Bei den Verhandlungen um Upamecano wurde der Bogen anscheinend deutlich überspannt. Deshalb wehren sich Hoeneß und Rummenigge zu Recht“, analysierte der Sportmanager.
Gleichzeitig verwies Nerlinger jedoch auf die Verantwortung der Vereine: „Was mich überrascht hat, ist, wie spät man offensichtlich den Spieler miteinbezogen hat. Grundsätzlich wird auch kein Verein gezwungen, einen Vertrag abzuschließen. Man kann ja auch ‚Nein‘ sagen“, gab er zu bedenken.
Wirtschaftliche Realitäten im Profifußball
Der ehemalige Bayern-Sportdirektor wies zudem auf die wirtschaftlichen Zusammenhänge hin: „Bayern München bezahlt immense Gehälter auch im internationalen Vergleich, da sprechen wir immer auch von riesigen Berater-Honoraren. Das eine bedingt das andere“, stellte Nerlinger fest.
Upamecano hatte im Februar seinen Vertrag beim FC Bayern bis 2030 verlängert und soll nach Medienberichten rund 20 Millionen Euro jährlich verdienen. Diese Summen spiegeln die wirtschaftliche Dimension des modernen Profifußballs wider, in dem Spielerberater eine zentrale Rolle einnehmen.
Die Debatte über die Rolle und Vergütung von Spielerberatern im Fußballgeschäft dürfte angesichts der hohen finanziellen Volumina und der emotional geführten Diskussionen zwischen ehemaligen und aktuellen Entscheidungsträgern weiter anhalten.



