Paralympische Winterspiele in Italien offiziell eröffnet
Die 14. Paralympischen Winterspiele in Italien haben offiziell begonnen. Um 21.19 Uhr erklärte Italiens Präsident Sergio Mattarella die Spiele im antiken Amphitheater von Verona für eröffnet – zwölf Tage nach dem Ende der Olympischen Winterspiele am selben Ort. Die Zeremonie markierte den Start für neun Wettkampftage mit 611 Aktiven aus 55 Nationen in sechs Para-Sportarten.
Virtuelle Fahnenträger statt Athletenparade
Beim Einzug der Nationen fungierten keine Athleten als Fahnenträger. Stattdessen wurden Videos auf einer Leinwand gezeigt, während Freiwillige alle 55 Fahnen vor Ort eintrugen. Das Internationale Paralympics Komitee (IPC) begründete dies mit den weiten Wegen zwischen Verona und den Wettkampforten, die eine Teilnahme der Teams erschwert hätten.
Anna-Lena Forster, die gemeinsam mit Jörg Wedde als deutsche Fahnenträger nominiert war, äußerte sich kritisch: „Merkwürdig habe ich das empfunden, irgendwie auch traurig, das zu sehen. Wenn nur so ein kleines Trüppchen einlaufe, komme auch gar nicht die Stimmung auf, die man kenne – dieses Freudestrahlende in den Gesichtern der Athleten. Und die Einspieler waren schon sehr klein und kurz.“
Mehrere Nationen boykottieren die Eröffnungsfeier
Aus Platzgründen konnten ohnehin nur jeweils zwei Athleten und Offizielle pro Nation an der Feier teilnehmen. Mehrere Länder boykottierten die Zeremonie komplett als Protest gegen die Zulassung russischer und belarussischer Sportler unter eigener Flagge und Hymne. Dem IPC seien mit Tschechien, Estland, Finnland, Lettland, Litauen, Polen und der Ukraine sieben Komitees bekannt, die aus politischen Gründen fernblieben.
Kanada, Großbritannien, Deutschland und Frankreich verzichteten laut IPC hingegen aus sportlichen Gründen auf eine Teilnahme und würden die Zeremonie nicht boykottieren. Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) hatte erklärt, sich nicht an der Athletenparade zu beteiligen und dies mit der Konzentration auf die bevorstehenden Wettkämpfe sowie der solidarischen Haltung gegenüber der ukrainischen Delegation begründet.
Deutsches Team verfolgt Feier im Deutschen Haus
Die alpinen Athletinnen und Athleten von Team Deutschland verfolgten die Eröffnungsfeier gemeinsam im Deutschen Haus in Cortina. Anna-Lena Forster und ihre alpinen Mitstreiter schwenkten vor dem Fernseher kleine Fähnchen und jubelten, als die deutsche Flagge in die Arena getragen wurde. „Es war schön, dass wir hier alle beisammen saßen im Deutschen Haus und das zusammen erlebt haben und hier ein bisschen Stimmung aufkam. Das ist auch gut für den Teamspirit“, sagte die viermalige Paralympicssiegerin.
Auch bei den nordischen Sportlerinnen und Sportlern im paralympischen Dorf in Predazzo war ein gemeinsames Public Viewing geplant. Der DBS habe auf dem Stockwerk des Teams extra eine Lounge mit Fernseher eingerichtet, berichtete Langläufer und Biathlet Marco Maier.
Zweitgrößtes deutsches Aufgebot der Geschichte
Der Deutsche Behindertensportverband ist mit 40 Aktiven und acht Guides und damit dem zweitgrößten deutschen Aufgebot in der Geschichte der Winter-Paralympics dabei. Nur beim Curling sind keine Sportler aus dem Team D am Start. Der neue DBS-Vorstandsvorsitzende Idriss Gonschinska betonte, dass die Entscheidung zur Nichtteilnahme an der Parade in engem Dialog mit dem Team getroffen worden sei.
Beim 50. Jubiläum der Winterspiele fehlte im Gegensatz zur vorherigen Ankündigung der Iran. Die sichere Anreise des nordischen Skisportlers Aboulfazl Khatibi Mianaei als einzigem Starter habe nicht gewährleistet werden können, teilte das IPC wenige Stunden vor der Eröffnung mit.



