Israelische Paralympics-Athletin beendet Teilnahme wegen Sabbat-Gebot
Die israelische Parasportlerin Sheina Vaspi (24) hat ihre Teilnahme an den Paralympischen Winterspielen in Cortina d'Ampezzo vorzeitig beendet. Der Grund dafür ist ihr strenger Glaube: Der Slalom-Wettkampf, für den sie sich qualifiziert hatte, findet am Samstag statt – während des Sabbat, des wöchentlichen jüdischen Ruhetags. Für die jüdisch-orthodox lebende Athletin sind dabei keine Kompromisse möglich.
Herausforderungen durch politische Spannungen und persönliche Überzeugungen
Vaspi, die als einzige israelische Sportlerin bei diesen Winterspielen antrat, musste sich bereits im Vorfeld mit schwierigen Umständen auseinandersetzen. Weniger als eine Woche vor der Eröffnungsfeier in Verona begannen Israel und die USA einen Militärschlag gegen den Iran. Die junge Frau erklärte gegenüber The Jerusalem Post: „Es war nicht einfach, weil man sich hier auf Training und Wettkampf konzentrieren musste. Gleichzeitig sind die Menschen, die man liebt, die ganze Nacht im Bunker.“
Die Athletin, die im Alter von drei Jahren bei einem Autounfall ihr linkes Bein verlor, betonte, dass sie versucht habe, konzentriert zu bleiben, aber es sei definitiv eine Herausforderung gewesen. Diese äußeren Umstände spiegeln sich auch in ihren Ergebnissen wider: Beim Super-G schied sie aus, in der Kombination belegte sie den 12. Platz.
Ein Leben im Zeichen des Glaubens und des Sports
Sheina Vaspi wuchs in einem streng religiösen Elternhaus ohne Fernseher auf, sodass das Wort Olympia nie zu ihrem Wortschatz gehörte. Erst mit 16 Jahren stand sie zum ersten Mal auf Skiern – ein sehr spätes Einstiegsalter in einer Sportart, in der Leistungssportler meist schon im Kleinkindalter beginnen. Mit 19 Jahren zog sie in die USA, um dort ernsthaft zu trainieren, wo man schnell ihr großes Talent erkannte.
Bereits bei den Paralympics 2022 belegte sie im Riesenslalom den 15. Platz. Ihre religiösen Überzeugungen begleiten sie jedoch durchgehend: „Vom Sonnenuntergang am Freitag bis zum Eintritt der Dunkelheit am Samstag wird bei mir weder trainiert noch an Wettkämpfen teilgenommen“, so Vaspi. Bei den Spielen in Peking hatte sie noch Glück, dass ihre Starts nicht auf den Sabbat fielen – in Cortina war dies anders.
Gemischte Gefühle und internationale Solidarität
Die Enkelin eines israelischen Armeekommandanten verlässt Cortina mit ambivalenten Empfindungen: „Ich bin ein wenig frustriert über meine Ergebnisse, weil ich das Gefühl hatte, hier viel mehr leisten zu können. Aber ich bin gleichzeitig stolz, dass ich dabei war und als einzige Athletin mein Land hier vertreten durfte“, sagte Vaspi.
Besonders beeindruckt zeigte sie sich von der Unterstützung anderer Sportler: „Ich war wirklich überrascht, wie viel Unterstützung ich von anderen Athleten hier bekommen habe. Viele haben sich nach Israel erkundigt. Das hat mir in dieser Zeit viel Kraft gegeben.“ Trotz des vorzeitigen Endes ihrer Paralympics-Teilnahme bleibt Sheina Vaspi ihrer Überzeugung treu: „Wenn Gott will, dass das Rennen für mich stattfindet, kann er auch das Wetter ändern und es verschieben.“



