Rostock prüft Solaranlagen in Straßenbahngleisen: Innovative Idee für die Energiewende
Rostock prüft Solaranlagen in Straßenbahngleisen

Rostock prüft Solaranlagen in Straßenbahngleisen: Innovative Idee für die Energiewende

Werden die Straßenbahnen in Rostock bald über Solarmodule fahren? Diese faszinierende Frage stellt sich aktuell in der Hansestadt, wo eine neue Idee für die Energiewende diskutiert wird: die Installation von Solaranlagen direkt im Gleisbett der Straßenbahn.

CDU fordert Prüfung von Solar-Gleisen

In einem offiziellen Antrag fordert die CDU-Bürgerschaftsfraktion, dass Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger (Linke) zusammen mit der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) prüfen soll, ob in den nicht asphaltierten Straßenbahngleisbereichen Solarmodule zur Stromgewinnung installiert werden können. Die Ergebnisse sollen laut Antrag spätestens im vierten Quartal 2026 vorliegen und müssen geeignete Streckenabschnitte, Investitions- und Betriebskosten, Energieerträge sowie technische und sicherheitsrelevante Voraussetzungen umfassen.

CDU-Fraktionschefin Chris Günther erläutert die Motivation hinter dem Vorstoß: „Wir müssen neue Wege beschreiten, dann kann das einer sein.“ Sie betont die Vorteile einer Doppelnutzung der vorhandenen Infrastruktur für die Energiegewinnung.

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RSAG zeigt sich skeptisch

Auf Anfrage erläutert die Rostocker Straßenbahn AG ihre bisherige Position zu Solarenergie. Bisher sind Photovoltaikanlagen nur auf dem Dach des Verwaltungsgebäudes am Straßenbahnbetriebshof in der Hamburger Straße installiert. Bei den Fahrzeugen nutzt lediglich die Elektrofähre „Warnowstromer“ Solarenergie. Weitere Module sind auf den Dächern der Straßenbahnhallen vorgesehen.

RSAG-Sprecherin Beate Langner verweist auf eine 100 Meter lange Versuchsanlage in der Schweiz und stellt klar: „Bei der RSAG haben wir im Gleisbereich keine derartige Nutzung.“ Zu Solar-Gleisen heißt es weiter, dass dies bisher alles nur eine Idee sei, „die im Rahmen einzelner Pilotprojekte noch nicht über den Teststatus hinausgekommen ist.“

Die RSAG nennt mehrere kritische Punkte, die geklärt werden müssten:

  • Der Straßenbahnverkehr darf nicht beeinträchtigt werden
  • Der Einbau und die Ausrichtung der Paneele ohne Neigungswinkel
  • Die tatsächliche Leistung der Module
  • Auswirkungen von Erschütterungen im Bahnverkehr
  • Wettereinflüsse und Ablagerungen auf den Paneelen
  • Diebstahlschutz, Wartung und Instandhaltung

Auf die Frage nach der Finanzierbarkeit eines größeren Ausbaus und möglicher Preiserhöhungen bei Tickets oder benötigten Zuschüssen antwortet die RSAG zurückhaltend: „Dazu bedarf es einer genaueren Untersuchung und Prüfung.“

Stadtverwaltung empfiehlt Geduld

Parallel zur RSAG-Stellungnahme veröffentlichte die Rostocker Stadtverwaltung eine eigene Einschätzung zum Thema Solar-Gleise. Federführend ist dabei das Amt für Umwelt- und Klimaschutz.

Zwar unterstützt die Verwaltung grundsätzlich den „Ausbau von Photovoltaik im Stadtgebiet und die Steigerung der Eigenerzeugungsquote“, doch empfiehlt sie zunächst, auf die Ergebnisse aus der Schweiz zu warten. Das schweizerische Pilotprojekt mit 48 Solarpaneelen im Gleisbett in Butt (Kanton Neunburg) wird bis 2028 unter realen Bedingungen getestet.

Nach den ersten Testmonaten gibt es bereits erste Erkenntnisse: Der fehlende Neigungswinkel der installierten Paneele reduziert die Leistungsfähigkeit um etwa 10 Prozent. Die Stadtverwaltung erklärt jedoch auch, dass ein eigenes Pilotprojekt „eine Alternative zur empfohlenen Vorgehensweise“ sein kann.

Konkrete Aussagen sind aus Sicht der Stadtverwaltung erst nach Abschluss des Schweizer Pilotprojektes und dessen Veröffentlichung 2028 möglich. Abwarten sei daher die aktuelle Empfehlung, um eine realistische Einschätzung der technischen, betrieblichen und wirtschaftlichen Umsetzbarkeit in Kooperation mit der RSAG zielorientiert bewerten zu können.

Ausblick auf die Energiezukunft

Die Diskussion um Solaranlagen in Straßenbahngleisen zeigt, wie kreativ Städte und Kommunen nach neuen Lösungen für die Energiewende suchen. Während die Idee innovativ erscheint und Potenzial für eine Doppelnutzung vorhandener Infrastruktur bietet, müssen zahlreiche praktische, technische und wirtschaftliche Fragen geklärt werden.

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Die Linie 2 zwischen den Stationen Stadthafen und Gerberbruch könnte eines Tages tatsächlich über Solar-Schienen fahren – doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg voller Untersuchungen, Tests und Abwägungen. Rostock positioniert sich mit dieser Prüfung als Stadt, die offen für innovative Energie-Lösungen ist, gleichzeitig aber auch die Realisierbarkeit und Wirtschaftlichkeit im Blick behält.