Nach Olympia-Enttäuschung: Eisschnellläufer Petzold übt scharfe Verbandskritik
Erst nach dem Ende seiner Wettkämpfe bei den Olympischen Spielen in Mailand fand Fridtjof Petzold zu seiner wahren Form. Der 28-jährige Eisschnellläufer aus Erfurt belegte über 5000 Meter den 19. Platz und im Massenstart Rang 28. Seine schärfste Leistung zeigte er jedoch nicht auf dem Eis, sondern in der Mixed Zone, wo er ungehaltene Kritik an seinem Verband äußerte.
Vorwürfe gegen die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft
Petzold attackierte die Deutsche Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) mit deutlichen Worten: „Vom Präsidium bis zur Athletenbetreuung durch die Trainer bei Olympia wird die DESG unprofessionell geführt.“ Der Sportler nutzte die mediale Aufmerksamkeit, um auf strukturelle Probleme hinzuweisen. Besonders kritisierte er das Verhältnis zu Allround-Bundestrainer Alexis Contin, der mit Sportdirektorin Nadine Seidenglanz verheiratet ist.
„Zwischen uns gibt es persönliche Differenzen“, erklärte Petzold. „Vor der Saison wurde von der DESG zugesichert, dass man die bestmögliche Betreuung für alle Sportler will. Das hat sich in den vergangenen Wochen ein bisschen entgegengesetzt entwickelt.“ Konkret bemängelte er die Betreuungssituation während seines Halbfinales im Massenstart.
Kurioser Betreuerwechsel und Verbandsreaktion
Die Situation wirft Fragen auf: Petzold hatte ursprünglich wegen Differenzen mit Contin von Berlin nach Erfurt gewechselt, wo er unter Sprint-Bundestrainer Aart van der Wulp trainierte. Bei Olympia wünschte er sich plötzlich wieder Betreuung durch Contin, der jedoch ablehnte. Stattdessen wurde er von van der Wulp betreut.
Sportdirektorin Seidenglanz wies die Kritik zurück: „Die ist absolut nicht gerechtfertigt. Wir kümmern uns um alle Athleten vollständig und haben nur das beste Interesse für die Athleten.“ Auch Athletensprecher Hendrik Dombek, Petzolds Trainingskollege in Thüringen, verteidigte den Verband.
Weitere Vorwürfe und angekündigte Stellungnahme
Am Donnerstag will DESG-Präsident Matthias Große auf einer Pressekonferenz in Berlin zu Petzolds Aussagen Stellung nehmen und über mögliche Konsequenzen informieren. Zudem wird er sich zu weiteren Vorwürfen äußern, die in einer ARD-Dokumentation erhoben wurden:
- Prämien der Sportler sollen teils jahrelang einbehalten worden sein
- Athleten müssen bis zu 2000 Euro für Reisekosten zu Wettkämpfen aufbringen
- Teile der Ausrüstung müssen selbst finanziert werden
Petzold erklärte, warum sich außer ihm kaum jemand so deutlich äußert: „Es gibt DESG-Verantwortliche, die sehr nah beim Präsidenten angesiedelt sind. Jeder hat da natürlich auch Angst, was zu sagen, weil er um seinen Job besorgt ist.“ Für ihn handelt es sich um ein strukturelles Problem, das dringend angegangen werden muss.
Die Diskussion um die Verbandsstrukturen und die Athletenbetreuung wird mit der angekündigten Pressekonferenz am Donnerstag sicher weiter an Fahrt gewinnen. Petzolds öffentliche Kritik hat einen Nerv getroffen und könnte zu Veränderungen im deutschen Eisschnelllauf führen.



