Nagelsmanns sorgfältige WM-Pläne durch Verletzungen durchkreuzt
Der Bundestrainer der deutschen Fußballnationalmannschaft, Julian Nagelsmann, sah sich zu Beginn der entscheidenden WM-Vorbereitungsphase mit unerwarteten Rückschlägen konfrontiert. Eigentlich wollte er in den Länderspielen gegen die Schweiz und Ghana seine Turnierelf einspielen und die Rollen für die Weltmeisterschaft festzurren. Doch die Realität des Fußballs mit ihren Verletzungen und Absagen holte den Trainer im Stammquartier in Herzogenaurach schneller ein als erwartet.
Doppelter Ausfall im Mittelfeld zwingt zu Umplanungen
Statt der fest eingeplanten Mittelfeld-Asse Aleksandar Pavlović vom FC Bayern und Felix Nmecha vom BVB Dortmund konnte Nagelsmann nur die nachnominierten Stuttgarter Angelo Stiller und Chris Führich begrüßen. Pavlović sagte wie erwartet wegen Hüftbeschwerden ab, während Nmecha sich eine Außenbandverletzung im Knie zugezogen hat und nach Angaben des BVB "mehrere Wochen" ausfällt.
Besonders bei Nmecha könnte es im WM-Countdown eng werden mit der benötigten Belastungsfähigkeit und der sportlichen Topform bis zum Start der Turnier-Vorbereitung Ende Mai. Nagelsmann schätzt beide Spieler extrem und hatte sie fest in seinen Plänen verankert.
Stiller wird unerwartet zum Profiteur der Situation
Vom Doppel-Ausfall im zentralen Mittelfeld profitiert plötzlich Angelo Stiller, der eigentlich nicht in Nagelsmanns Rollenprofilen vorgesehen war. Der 24-jährige VfB-Spieler ist fußballerisch über jeden Zweifel erhaben und bewies erst am Sonntagabend beim 5:2-Sieg des VfB Stuttgart beim FC Augsburg seine Qualitäten als Denker und Lenker.
Nagelsmann hatte bei der Kader-Präsentation noch erklärt: "Wenn man von Angelo Stiller spricht, ist er ein guter Fußballer mit extrem viel Potenzial, mit einer schon sehr konstanten Leistung." Doch dann folgte das große Aber: "Er hat bei uns den Konkurrenten mit Pavlo, den ich einfach noch einen Tick vorne dran sehe. Und ich sehe Angelo nicht in der ersten Elf."
Jetzt sitzt Stiller doch wieder mit im WM-Zug, ebenso wie sein formstarker VfB-Kollege Führich, den Nagelsmann schon vorher "in der Verlosung" hatte, wie er versicherte.
Undav mit klarer Ansage für die WM
Ein weiterer Stuttgarter Profi bezog mit besonders breiter Brust sein Zimmer in Herzogenaurach: Deniz Undav. Der Angreifer imponierte in Augsburg als zweifacher Torschütze und konnte mit nun 18 Saisontoren in der Bundesliga auch Nagelsmann nicht länger ignorieren.
"Wenn ich spiele, versuche ich zu glänzen und zu treffen", kündigte Undav an. Sein sechstes und bisher letztes Länderspiel liegt fast zehn Monate zurück. "Es sind sehr wichtige Spiele. Es sind nicht nur Freundschaftsspiele", sagte der 29-Jährige zu den Partien gegen zwei WM-Teilnehmer.
Undav sprach wohl auch für seine Vereins-Kollegen Stiller und Führich, als er sagte: "Wir müssen uns anbieten, dem Bundestrainer zeigen, dass wir bei der WM dabei sein wollen. Es ist der letzte Grundstein, der gelegt werden kann." Mitte Mai benennt der Bundestrainer den 26-köpfigen WM-Kader. "Jeder, der hier da ist, wird Gas geben - ich persönlich auch", verkündete Undav entschlossen.
Nagelsmann muss flexibel bleiben
Der Bundestrainer muss konstatieren, dass Plan B auch beim Turnier jederzeit durch Blessuren oder Sperren eintreten könnte. "Wir haben einen großen Pool von Spielern als Stamm dabei, der sich weiter festigen und aneinander gewöhnen soll", lautete das übergeordnete Wochenprogramm. Das muss er nun modifizieren.
Stiller selbst hatte in Augsburg noch den Ahnungslosen gespielt, was seine Nachnominierung betraf. "Ich war noch nicht am Handy", sprach er in die TV-Kamera. Kritische Worte zur ersten Kaderzusammenstellung Nagelsmanns kamen ihm nicht über die Lippen. "Wenn der Nationaltrainer eine Begründung hat, dann wird sie immer stimmen", sagte er: "Er hat einen Plan. Er weiß, wie er spielen will. So macht er den Kader, so stellt er auf."
Schlagartig könnte sich Stillers Position verändert haben. Was als ungeplantes Wiedersehen begann, könnte sich für den Stuttgarter Mittelfeldspieler als große Chance erweisen, sich doch noch für die WM zu empfehlen. Die Länderspiele dieser Woche gewinnen damit eine zusätzliche Bedeutung für alle Beteiligten.



