BVB holt Popp und Kellermann: Angriff auf die Frauenfußball-Elite beginnt
Popp und Kellermann wechseln zu Borussia Dortmund

BVB holt Popp und Kellermann: Angriff auf die Frauenfußball-Elite beginnt

Eine der erfolgreichsten Torjägerinnen des deutschen Frauenfußballs und ein renommierter Topmanager wechseln gemeinsam zu Borussia Dortmund. Alexandra Popp und Ralf Kellermann verlassen den VfL Wolfsburg und schließen sich dem BVB an – möglicherweise sogar in der dritten Liga. Diese spektakulären Personalien markieren einen Wendepunkt im deutschen Frauenfußball.

Ein Kindheitstraum wird Wirklichkeit

Alexandra Popp, 34 Jahre alt und 14 Jahre lang Identifikationsfigur des VfL Wolfsburg, stand am Samstagnachmittag vor der Südtribüne in Dortmund. In ihren Händen hielt sie das schwarz-gelbe Trikot von Borussia Dortmund mit der Rückennummer 2029 – ein symbolisches Datum, das ihre langfristige Bindung an den Verein unterstreicht. Tausende Fans jubelten der Nationalspielerin zu, die in Witten geboren wurde und damit aus der Region stammt.

"Jetzt stehe ich hier und darf Schwarz-Gelb tragen. Etwas Größeres gibt es nicht", erklärte Popp emotional. Die dreimalige Fußballerin des Jahres, Olympiasiegerin von 2016 und Bronzemedaillengewinnerin von 2024 erfüllt sich damit einen Kindheitstraum. In 145 Länderspielen erzielte sie 67 Tore und gewann mit Wolfsburg zahlreiche Meistertitel, Pokalsiege und zweimal die Champions League.

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Strategischer Doppelschlag des BVB

Der Transfer von Alexandra Popp stellt bereits das zweite spektakuläre Signal des BVB innerhalb weniger Tage dar. Erst am Freitag hatte der Verein die Verpflichtung von Fußballmanager Ralf Kellermann bekannt gegeben. Kellermann gilt als Mastermind hinter den Erfolgsjahren des VfL Wolfsburg und bringt umfangreiche Erfahrung sowie exzellente Vernetzung im Frauenfußball mit.

"Alex' Verpflichtung ist ein dickes Ausrufezeichen für unsere Ambitionen", betonte BVB-Frauenfußball-Geschäftsführerin Svenja Schlenker in einer offiziellen Clubmitteilung. Mit diesem Doppelschlag demonstriert Borussia Dortmund eindeutig, dass der Verein im Frauenfußball endgültig angreifen möchte.

Herausforderung Regionalliga

Aktuell spielt die Frauenmannschaft des BVB in der Regionalliga West, der dritten Liga im deutschen Frauenfußball. Der Verein startete 2020 ganz unten in der Kreisliga und verfolgt eine behutsame Aufbauphilosophie. Momentan belegt Dortmund den zweiten Tabellenplatz, sechs Punkte hinter der Reserve des 1. FC Köln, hat jedoch ein Spiel weniger.

Platz zwei würde nicht zum Aufstieg in die 2. Bundesliga reichen, was bedeutet, dass Popp möglicherweise zunächst in der dritten Liga auflaufen wird. "Willst du das? Kannst du das? Zweite Liga, Regionalliga – das ist nun mal ein großer Unterschied zur ersten Liga und auch zur Champions League", reflektierte Popp über diese Herausforderung. Ihre klare Antwort: "Ich will keine Extrawurst, sondern bin voll und ganz dabei."

Veränderung der Wettbewerbslandschaft

Der Wechsel von Popp und Kellermann könnte die Kräfteverhältnisse im deutschen Frauenfußball nachhaltig verändern. In den letzten Jahren hat sich die Bundesliga zu einer One-Club-Show des FC Bayern München entwickelt, der aktuell mit 14 Punkten Vorsprung (bei einem Spiel mehr) an der Tabellenspitze liegt. Die Dominanz der Münchnerinnen wächst kontinuierlich, während die einstigen Rivalinnen aus Wolfsburg an Boden verlieren.

Diese Entwicklung ist problematisch für die Attraktivität der Liga. Die Zuschauerzahlen stagnieren zuletzt, und seit elf Jahren hat keine deutsche Mannschaft mehr die Champions League gewonnen. Mehr echter Wettbewerb würde dem gesamten Frauenfußball in Deutschland guttun.

Rückschlag für den VfL Wolfsburg

Für den VfL Wolfsburg stellen die Abgänge von Popp und Kellermann einen gewaltigen Rückschlag dar. Der Verein verliert nicht nur sportliche Kompetenz auf und neben dem Platz, sondern auch zentrale Identifikationsfiguren, die wie niemand sonst für die Erfolge der vergangenen Jahre standen. Elfmal Pokalsieger, siebenmal Deutscher Meister und zweimaliger Champions-League-Triumph – diese Bilanz war eng mit den beiden Persönlichkeiten verbunden.

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Hinzu kommen wirtschaftliche Unsicherheiten. Nach dem Gewinneinbruch des Volkswagen-Konzerns kündigte VW-Chef Oliver Blume an, die Investitionen im Fußball überprüfen zu müssen. Zwar bezog sich diese Aussage primär auf die hoch bezahlte Männermannschaft, doch mögliche Sparmaßnahmen könnten auch den Frauenfußball betreffen. Frauenfußballklubs sind nach wie vor Zuschussgeschäfte, wobei jeder Club im Schnitt etwa zwei Millionen Euro Verlust pro Jahr macht.

Neue Ära im Frauenfußball

Die Verpflichtungen von Alexandra Popp und Ralf Kellermann markieren den Beginn einer neuen Ära für Borussia Dortmund im Frauenfußball. Der BVB demonstriert damit eindeutig, dass der Verein nicht länger nur behutsam aufbauen, sondern aktiv die Spitze angreifen möchte. Ob dieser Angriff bereits in der kommenden Saison in der Regionalliga beginnt oder erst nach einem möglichen Aufstieg, bleibt abzuwarten.

Fest steht jedoch: Mit diesem spektakulären Doppeltransfer sendet Borussia Dortmund ein unübersehbares Signal an die nationale Konkurrenz. Der deutsche Frauenfußball könnte sich durch diese Personalrochade nachhaltig verändern und neue Wettbewerbsimpulse erhalten. Die Dominanz des FC Bayern München bekommt einen ernstzunehmenden Herausforderer, während der VfL Wolfsburg eine Phase der Neuorientierung bevorsteht.