Es ist die Leidenschaft, die Leiden schafft – vor allem, wenn sie fehlt. Wie zuletzt beim enttäuschenden 1:4 auf Schalke. Nun braucht Preußen Münster im Derby gegen Arminia Bielefeld eine breite Brust und echte Leidenschaft, um den nächsten Heim-Dreier einzufahren.
Trainer Schwartz fordert mehr Einsatz
Der Harmlos-Auftritt in der Veltins-Arena hat Münsters Neu-Coach Alois Schwartz (59) nachdenklich gemacht. Eigentlich war vorab klar kommuniziert, aus einer stabilen Defensive mutig die Umschaltmomente zu suchen und zu nutzen. Doch der Plan ging voll in die Hose. Schwartz zeigt sich frustriert: „Wir haben es gegen den künftigen Erstligisten nicht geschafft, an unsere Leistungsgrenze zu gehen. Das konnten wir unter der Woche ausführlich besprechen und abarbeiten. Damit die Punkte gegen Arminia in Münster bleiben, müssen wir fokussiert sein. Den Kopf einschalten und alles andere ausblenden.“
Derby mit hoher Brisanz
Fakt ist: Nur ein Heimsieg gegen den Erz-Rivalen aus Ostwestfalen (Samstag, 13 Uhr, LVM-Stadion) nährt das Fünkchen Hoffnung des Tabellenletzten auf den Klassenerhalt. Bei einer Niederlage wäre ein Drittliga-Absturz der „Adlerträger“ kaum noch zu verhindern. Gut nur, dass der Druck für die Gäste (aktuell Rang 15) ähnlich hoch ist. Fahren sie mit leeren Händen heim, stecken sie ebenfalls wieder mittendrin im Abstiegssumpf. Mehr Derby-Brisanz geht kaum.
Einzelgespräche und klare Ansagen
Damit seine Spieler die nötige Mentalität zeigen, hat Schwartz während der Woche zahlreiche Einzelgespräche geführt – unter anderem mit Oliver Batista-Meier (24). Der Offensiv-Profi mit dem feinen Fuß war gegen Königsblau ein Totalausfall, konnte keinen Ball vorne festmachen. Dabei hat er das Potenzial, ein Unterschiedsspieler zu sein. „Laufstärke, zweite Bälle und Zweikämpfe – wir müssen in den Basics besser sein. Das ist der Schlüssel zum Erfolg“, hat Schwartz ihm und den Teamkollegen eingebleut.
Verletzungssorgen und Aufstellungsänderungen
Die Aufstellung steht bis auf zwei Positionen bereits in seinem Kopf. Durch den Ausfall von Etienne Amenyido (26), der über Oberschenkel-Probleme klagt und zudem seinen Münster-Abschied zum Saisonende angekündigt hat, muss Schwartz die Startelf umbauen. „Zwei, drei Veränderungen wird es geben“, verrät er, ohne ins Detail zu gehen. Sicher ist: Rico Preißinger (28) dürfte gesetzt sein – trotz eines ausgekugelten kleinen Fingers an der linken Hand, den er sich auf Schalke zuzog. Der Mittelfeld-Abräumer ist ein Vorbild an Charakterstärke und Einsatzwillen. Preißinger zu BILD: „Ich bin bereit, kann mit Schiene und Schmerzmitteln spielen. Wenn der Coach mich braucht.“
Rückkehrer und Alternativen
Auch Joshua Mees (29) kehrt nach Verletzungspause in den Spieltags-Kader zurück. Während „Schweder-Oscar“ Vilhelmsson (22, muskuläre Probleme) – wie die Kreuzband-Opfer Simon Scherder (32), Antonio Tikvic (22) und Malik „Batman“ Batmaz (26) – weiter fehlt. Fraglich, ob er überhaupt noch einmal in dieser Saison zum Einsatz kommt. Shin Yamada (25), der in Gelsenkirchen mit seiner ersten Ballberührung den Ehrentreffer erzielte, ist dagegen wie Imad Rondic (26) eine echte Alternative für den Angriff.
Hinspiel als Vorbild
Das Hinspiel auf der Bielefelder Alm konnten die Preußen mit 2:1 für sich entscheiden. Eine Wiederholung am Samstag ist erwünscht – und so wichtig. Die Stadion-Baustelle an der Hammer Straße wird ausverkauft sein und durch ein Großaufgebot der Polizei gesichert. Die Ultraszene der „Schwarz-Weiß-Grünen“ hat um 9 Uhr morgens zum gemeinsamen Marsch ab dem Marienplatz aufgerufen. Von dort geht es geschlossen zum Stadion. „Alle zusammen für Preußen Münster“ – selten war es so wichtig wie diesmal.



