Schalke-Kapitän Karaman: 'Manche versuchen, Feuer zu legen'
Die Situation beim FC Schalke 04 wird nach fünf sieglosen Spielen in der 2. Bundesliga zunehmend angespannter. Im exklusiven Interview mit SPORT1 bewertet Mannschaftskapitän Kenan Karaman die aktuelle Lage des Traditionsvereins und spricht dabei auch über den Neuzugang Edin Dzeko sowie seine persönlichen Ambitionen für eine mögliche Weltmeisterschaftsteilnahme mit der türkischen Nationalmannschaft.
Die aktuelle Durststrecke bei Schalke 04
Nach einer überaus erfolgreichen Hinrunde erlebt Schalke 04 momentan eine deutliche Leistungsdelle. Fünf Partien ohne Sieg und der Verlust der Tabellenführung haben bei den Königsblauen für Unruhe gesorgt. Kapitän Kenan Karaman bleibt dennoch gelassen: 'Ich war auf so eine Phase vorbereitet, die Jungs auch. Wir wussten, dass auf unserem Weg solche Momente kommen können. Daraus kann man viel lernen.'
Der erfahrene Offensivspieler vermeidet bewusst den Begriff Krise: 'Ich habe hier auf Schalke schon ganz andere Krisen erlebt. Deshalb würde ich das auf keinen Fall als Krise bezeichnen. Die 2. Liga ist extrem ausgeglichen, viele Spiele sind 50:50.'
Kabinenklima und Sprachdebatte
Besonders deutlich wird Karaman, wenn es um interne Gerüchte geht. Medienberichte hatten zuletzt kritisiert, dass in der Schalker Kabine zu viel Bosnisch oder Kroatisch gesprochen werde. Darauf reagiert der Kapitän mit klaren Worten: 'Über derartige Artikel und Berichte kann ich nur schmunzeln. Das ist doch völlig normal, wenn man in eine Phase kommt, in der wir uns gerade befinden. Es läuft nicht so, wie wir uns das vorstellen - und genau dann versuchen immer wieder Leute, Feuer zu legen.'
Karaman betont die Harmonie im Team: 'Wir haben mehrere Sprachen in der Kabine. Ich kann aber versichern, dass weder Bosnisch noch andere Sprachen bei uns ein Problem sind.' Für den Kapitän steht fest: 'So eine Phase wirft uns nicht zurück, sie macht uns stärker.'
Die Rolle von Edin Dzeko
Im Winter hatte Schalke 04 mit Edin Dzeko einen echten Königsstransfer getätigt. Der bosnische Stürmer hat zwar bereits dreimal getroffen, doch ein Sieg mit ihm ist bisher noch nicht gelungen. Karaman sieht in dem erfahrenen Angreifer dennoch einen absoluten Gewinn: 'Edin hat diesen unglaublichen Hunger zu gewinnen. Er lebt von Toren und Siegen - Tore hat er ja schon erzielt. Mit seiner Erfahrung und Gelassenheit kann er uns im Saisonendspurt enorm helfen.'
Besonders beeindruckt zeigt sich der Kapitän von der Integrationsfähigkeit des Neuzugangs: 'Er hat sich hervorragend integriert, ist sehr bodenständig und geht auf alle zu. Er hat zu jedem einen guten Draht. Wir können viel von ihm lernen.'
Persönliche Ambitionen und WM-Träume
Neben den Vereinsthemen spricht Karaman auch über seine internationalen Ambitionen. Der in Stuttgart geborene Spieler besitzt die doppelte Staatsbürgerschaft, hat sich aber klar für die türkische Nationalmannschaft entschieden. Sein letztes Länderspiel liegt allerdings fast fünf Jahre zurück.
Auf die Frage nach einer möglichen Rückkehr in die Nationalmannschaft und einer WM-Teilnahme zeigt sich Karaman realistisch: 'Ich weiß, dass das schwierig ist, gerade weil ich in der 2. Liga spiele. Die Türkei hat viele sehr gute Spieler, die in Top-Ligen spielen. Da bin ich realistisch.' Dennoch betont er: 'Wenn man mich braucht, bin ich da.'
Das große Ziel Aufstieg
Trotz der aktuellen Durststrecke spielt Schalke 04 eine insgesamt starke Saison. Auf die Frage nach dem Aufstiegsziel geht Karaman jedoch bewusst defensiv um: 'Natürlich weiß ich, dass das der große Wunsch der Fans ist - und das ist auch richtig so. Auch wenn Schalke in die Bundesliga gehört, bin ich zurückhaltend, weil ich weiß, wo wir herkommen.'
Der Kapitän betont seine bodenständige Herangehensweise: 'Ich bin ein Freund davon, mit beiden Füßen auf dem Boden zu bleiben. Ich habe hier schon viel erlebt. Aber ich habe absolutes Verständnis für die Erwartungen der Fans.'
Abschließend wird Karaman gefragt, was realistischer sei: Der Aufstieg mit Schalke oder eine WM-Teilnahme mit der Türkei. Nach kurzem Überlegen und einem Schmunzeln antwortet der erfahrene Profi: 'Das erste ist realistischer.' Eine klare Aussage, die die Prioritäten des Schalke-Kapitäns unterstreicht.



