Nach drei Jahren Zweitklassigkeit kehrt der FC Schalke 04 in die Bundesliga zurück. Für die Königsblauen ist das eine Erlösung – und für den deutschen Fußball im Allgemeinen überaus positiv. Ein Kommentar.
Schalkes Rückkehr: Ein Feiertag für die Bundesliga
Als es schließlich geschafft war, fiel unter den Fans des FC Schalke 04 immer wieder derselbe Satz: „Damit hätten wir niemals gerechnet.“ So tief saßen die Erfahrung der vergangenen Jahre, in denen der Klub ein ums andere Mal an seine Grenzen geraten war.
Seit dem Abstieg 2023 ging es zunächst kontinuierlich bergab, eine Krise folgte auf die nächste. Aus dem einstigen Schwergewicht wurde ein Verein im permanenten Ausnahmezustand. Im Mai 2025 lagen nur drei Punkte zwischen ihnen und dem Relegationsplatz, der mit dem möglichen Absturz in die dritte Liga verbunden ist. Doch zwölf Monate später präsentiert sich ein völlig anderes Bild. In Gelsenkirchen herrscht erneut Ausnahmezustand – und königsblaue Ekstase. Schalke ist wieder da, wo es hingehört: in der Bundesliga. Mit einem 1:0 gegen Fortuna Düsseldorf machten die Knappen den Aufstieg frühzeitig perfekt.
Schalke steht exemplarisch für deutsche Fankultur
Nach drei Jahren in der zweiten Liga brachen am Samstagabend alle Dämme. Denn für den Klub bedeutet dieser Erfolg weit mehr als nur einen Meilenstein – und für die gesamte Bundesliga bedeutet er nebenbei auch einen Feiertag. Diese bekommt immerhin eine ihrer prägendsten und emotionalsten Attraktionen zurück. Ein packendes Meisterrennen gehört schon lange nicht mehr zu den Markenzeichen des deutschen Oberhauses. Zu dominant tritt der FC Bayern auf. Ob es überhaupt einen Titelkampf gibt, hängt oft weniger von den Herausforderern als von der Form der Münchner ab. Die bloße Bilanz spricht Bände und verdeutlicht die Einseitigkeit: 13 der vergangenen 14 Meisterschaften gingen an die Säbener Straße, in der Regel mit komfortablem Abstand zur restlichen Konkurrenz. Was der Liga dennoch Strahlkraft verleiht, sind ihre Traditionsvereine und deren Anhängerschaft. Dabei nimmt Schalke eine herausragende Stellung ein.
Emotionen wie diese sind selten
Weltweit zählen die Königsblauen die sechstmeisten Mitglieder überhaupt. Mehr als 60.000 Zuschauer strömen zu jedem Heimspiel in die Arena, womit die Gelsenkirchener selbst als Zweitligist national nur hinter Borussia Dortmund und Bayern rangieren. Und akustisch setzen sie ohnehin Maßstäbe – auch am Samstag wieder. Der entscheidende Treffer von Kenan Karaman gegen Düsseldorf verwandelte das Stadion in ein Tollhaus. Jahre der Enttäuschung entluden sich in Sekunden, gefolgt von jener alles lösenden Erleichterung beim Abpfiff, der die Rückkehr in die Erstklassigkeit besiegelte. Solche emotionalen Verdichtungen sind selten und entstehen nur dort, wo Verein und Umfeld in dieser Intensität miteinander verwoben sind. Sportlich gesehen ist vor allem die englische Premier League ein gutes Stück voraus, mit größerer individueller Klasse und häufig auch spannenderen Konstellationen an der Spitze. Wer darauf Wert legt, wird auf der Insel fündig. Doch was die Bundesliga einzigartig macht, ist die Atmosphäre. Die Wucht der Kurven. Diese dichte, leidenschaftliche Fankultur, die europaweit ihresgleichen sucht. Schalke steht exemplarisch dafür.
Schalke: Die nächste Herausforderung startet jetzt
Bedanken darf sich die Bundesliga bei Coach Miron Muslic und Sportvorstand Frank Baumann. Muslic, den im vergangenen Sommer kaum jemand kannte und dem anfangs mit großer Skepsis begegnet wurde, formte in kürzester Zeit aus einer verunsicherten Mannschaft ein Team mit klarer Aufstiegsreife. Fünf Trainer waren zuvor daran gescheitert, Stabilität zu etablieren. Muslic gelang genau das. Mit intensivem Fußball, hoher Aggressivität gegen den Ball und einem klar strukturierten Spielkonzept, das schnell Wirkung zeigte. Im Hintergrund zog Baumann die entscheidenden Fäden. Er war maßgeblich an der Verpflichtung des Trainers beteiligt und bewies auch beim Kader ein gutes Gespür. Dejan Ljubicic, Adil Aouchiche oder Edin Dzeko sind nur drei Namen. Dazu brachte der 50-Jährige etwas ein, das dem Klub lange fehlte: die nötige Ruhe. Nach Jahren interner Reibereien und öffentlich ausgetragener Differenzen wirkt der Verein gefestigter, Entscheidungen erscheinen stringenter. Baumanns sachliche, leise Art bildet dabei einen offenbar wohltuenden Gegenpol zur sonst so aufgeladenen Atmosphäre. All das soll, darf und muss gefeiert werden. Anders als in früheren Spielzeiten ließ sich die Mannschaft von zwischenzeitlichen Rückschlägen nicht aus der Bahn werfen und arbeitete beharrlich auf ihr Ziel hin. Die Euphorie ist also total verdient, markiert aber zugleich einen Übergang. Denn der Verbleib in der Bundesliga stellt ab jetzt die neue Herausforderung dar. Beim letzten Aufstieg im Jahr 2022 folgte der direkte Wiederabstieg. Dieses Szenario soll sich natürlich nicht wiederholen.



