Bianca Schmidt über Trainerinnen im Männerfußball: 'Eta bleibt wahrscheinlich eine Ausnahme'
Schmidt: Trainerinnen im Männerfußball bleiben Ausnahme

Ex-Spielerin Schmidt über Eta: 'Jungs wollen erfahrene Männer als Trainer'

Die zweifache Europameisterin Bianca Schmidt (36) von Turbine Potsdam hat klare Worte zur historischen Ernennung ihrer ehemaligen Mitspielerin Marie-Louise Eta (34) zur ersten Frauen-Cheftrainerin in der Geschichte der Bundesliga gefunden. Gemeinsam erlebten die beiden Fußballerinnen besondere Erfolge, darunter den Champions-League-Sieg 2010 mit Turbine Potsdam gegen Olympique Lyon und den Gewinn der Deutschen Meisterschaft.

Eta als Pionierin, aber keine Trendwende erwartet

Während Schmidt weiterhin als aktive Spielerin in Potsdam tätig ist, schlug Eta bereits mit 26 Jahren eine Trainerkarriere ein und erreichte nun beim 1. FC Union Berlin einen Meilenstein. Schmidt begrüßt diesen Schritt ausdrücklich: 'Ich fand es wirklich richtig cool. Schon damals, als sie in den Trainerstab berufen wurde, war das ein deutliches Ausrufezeichen.' Dennoch erwartet die Vereinslegende keine grundlegende Veränderung im Männerfußball.

'Die ganzen Männer brauchen keine Angst zu haben, dass Frauen als Trainerinnen das Zepter übernehmen. Ich glaube, das wird eine Ausnahme bleiben und nur vereinzelt vorkommen', so Schmidt. Aktuell sind mit Eta bei Union und Sabrina Wittmann (34) in der 3. Liga bei Ingolstadt nur zwei Trainerinnen im deutschen Männer-Profifußball aktiv. Selbst in der Frauen-Bundesliga werden lediglich sechs von 14 Teams von einer Cheftrainerin geführt.

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Strukturelle Hürden und Vorurteile

Schmidt betont, dass Eta sich durch besondere Fähigkeiten und Unterstützung des Vereins Respekt verschafft habe. 'Loui hat es geschafft, sich Respekt zu verschaffen und ihren eigenen Weg zu gehen. Wenn der Verein sie unterstützt, ihre Fähigkeiten schätzt und kein Blatt dazwischenlässt, ist das stark.' Gleichzeitig sieht sie erhebliche Herausforderungen für andere Frauen in ähnlichen Positionen.

Die erfahrene Fußballerin erklärt: 'Ansonsten sehe ich es eher schwierig, 19- oder 20-jährigen Jungs eine Trainerin vorzustellen. Oft wollen sie erfahrene Männer, weil sie die ernster nehmen. Das ist traurig, aber so ist es nun einmal.' Diese Aussage unterstreicht tief verwurzelte Vorurteile und strukturelle Barrieren, die einer größeren Präsenz von Frauen in Trainerpositionen entgegenstehen.

Aktuelle sportliche Situation

Während diese Diskussion läuft, kämpft Bianca Schmidt mit Turbine Potsdam aktuell um den Klassenerhalt in der zweiten Liga. Die Potsdamerinnen liegen punktgleich mit Bayern München II, wobei Letztere der erste Absteiger wären. Dieser sportliche Kampf verdeutlicht die weiterhin herausfordernde Situation im Frauenfußball, selbst auf Vereinsebene.

Die Ernennung von Marie-Louise Eta bleibt somit ein bedeutender Einzelfall in einer Branche, die traditionell von männlichen Trainern dominiert wird. Bianca Schmidts Einschätzung als Insiderin zeigt, dass trotz dieses historischen Moments grundlegende Veränderungen im deutschen Profifußball noch auf sich warten lassen.

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