Historischer Tiefpunkt für Traditionsklub
Das gab es noch nie in der englischen Fußballgeschichte! Sheffield Wednesday ist als erstes Team der Zweitliga-Chronik bereits im Februar abgestiegen. Dieser historische Tiefpunkt markiert eine beispiellose sportliche Krise für den traditionsreichen Klub aus Sheffield.
Bittere Derby-Pleite besiegelt Schicksal
Ausgerechnet im heiß umkämpften Stadtderby bei Sheffield United wurde das fatale Schicksal endgültig besiegelt. Das Team von Trainer Henrik Pedersen unterlag mit 1:2 und musste damit den vorzeitigen Abstieg hinnehmen. Zur Halbzeitpause lag Wednesday bereits mit 0:2 im Rückstand nach Treffern von Patrick Bamford und Harrison Burrows.
Zwar keimte kurzzeitig Hoffnung auf, als United-Profi Kalvin Phillips die rote Karte sah und Charlie McNeill wenig später den Anschlusstreffer für Wednesday erzielte. Doch es blieb bei diesem Ehrentreffer. In der 90. Minute sah auch Gabriel Otegbayo von Wednesday Rot, sodass beide Teams die Partie mit zehn Mann beendeten. Für die rund 2.300 mitgereisten Wednesday-Fans war dies ein wahrhaft rabenschwarzer Tag.
Brutale Zahlen und früher Absturz
Die nackten Statistiken sind erbarmungslos: Nach 33 absolvierten Spieltagen steht Sheffield Wednesday bei minus sieben Punkten. Das bedeutet einen Rückstand von 41 Zählern auf das rettende Ufer, bei nur noch 13 ausstehenden Partien. Es war bereits die elfte Niederlage in Serie für den abstiegsgeplagten Klub.
Der einzige Saisonsieg gelang dem Team bereits im September gegen Portsmouth. Der dramatische Absturz begann jedoch viel früher. Wegen massiver Verstöße gegen die Finanzregeln der English Football League zog die EFL Wednesday insgesamt 18 Punkte ab. Der Klub hatte Insolvenz angemeldet, und Ex-Besitzer Dejphon Chansiri wurde für drei Jahre als Eigentümer oder Direktor eines EFL-Klubs gesperrt.
Zuerst gab es im Oktober zwölf Punkte Abzug, später folgten weitere sechs Punkte – zu diesem Zeitpunkt war der Klassenerhalt praktisch schon utopisch geworden. Im Dezember wurde zwar ein Konsortium um James Bord, den Besitzer des schottischen Klubs Dunfermline Athletic, als bevorzugter Käufer präsentiert. Doch sportlich war der Schaden längst irreparabel angerichtet.
Gespaltene Fußballstadt
Während Wednesday in die sportliche Bedeutungslosigkeit abstürzt, lebt beim Stadtrivalen Sheffield United die Hoffnung weiter. Die Blades dürfen nach dem Derby-Sieg weiter von den Play-offs träumen und liegen nur sechs Punkte hinter dem sechsten Platz.
Für die blaue Hälfte der Stadt Sheffield ist dies ein Déjà-vu der schlimmsten Sorte. Im Mai jährt sich zum 36. Mal eine legendäre Titelseite der traditionsreichen Sportzeitung „Green ’Un“. Damals feierte United den Aufstieg, während Wednesday abstieg – ein Symbol für die tiefe Spaltung dieser Fußballstadt. Jetzt schreibt Wednesday erneut Geschichte, allerdings von der traurigsten Art.
Die Situation von Sheffield Wednesday zeigt eindrucksvoll, wie sich finanzielle Misswirtschaft und sportlicher Niedergang gegenseitig verstärken können. Während der Klub nun den bitteren Weg in die Drittliga antreten muss, steht der Stadtrivale vor möglichen Aufstiegschancen – eine dramatische Entwicklung für eine Stadt mit reicher Fußballtradition.



