Stadionstreit in München erreicht neuen Höhepunkt
Der langjährige Zoff um die Zukunft des traditionsreichen Grünwalder Stadions in München-Giesing hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Beim Nachholspiel der zweiten Mannschaft des FC Bayern gegen die SpVgg Unterhaching am Dienstagabend entfalteten Anhänger der Roten ein riesiges Banner mit dem Konterfei von Hermann Gerland. Damit unterstreichen die Bayern-Fans erneut ihren Anspruch auf die als "Hermann-Gerland-Kampfbahn" bekannte Spielstätte.
Politische Brisanz im Wahlkampf
Hintergrund des erneuten Konflikts sind die Pläne von Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), der sich bei den anstehenden Kommunalwahlen am 8. März zur Wiederwahl stellt. Der SPD-Politiker setzt sich dafür ein, dass der TSV 1860 das Grünwalder Stadion in Erbpacht übernimmt und umfassend renoviert. Nach aktuellen Informationen würde der Traditionsverein im Falle einer solchen Lösung jedoch die zweite Mannschaft des FC Bayern nicht als Mieter übernehmen.
Die Situation ist besonders pikant, da Oberbürgermeister Reiter seit diesem Montag ausgerechnet im mächtigen Aufsichtsrat des FC Bayern sitzt. Damit befindet sich das Stadtoberhaupt in einer äußerst schwierigen Position: Einerseits möchte er die Pläne mit dem TSV 1860 vorantreiben, andererseits muss er die Interessen des FC Bayern wahren, dessen zweite Mannschaft bei einer Realisierung der Erbpacht-Lösung ausziehen müsste.
Fan-Reaktionen und Provokationen
Bereits beim Bundesliga-Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt am vergangenen Samstag hatten Bayern-Fans mit Spruchbändern protestiert. "Unsere HKG – Unsere Stadt! Macht den Reiter-TSV-Deal platt!", lautete die deutliche Botschaft an die Stadtspitze. Die Abkürzung HKG steht dabei für den unter Bayern-Anhängern gebräuchlichen Spitznamen "Hermann-Gerland-Kampfbahn".
Die Fans des TSV 1860 antworteten prompt im eigenen Heimspiel gegen Hansa Rostock mit einer nicht minder provokativen Botschaft: "Egal ob 3x am Stadtrand oder ein Stadion mit erfundenem Namen – eine Heimat mit Identität werdet ihr nie haben!". Damit spielen die Löwen-Anhänger auf die Allianz Arena, den kürzlich erworbenen Hachinger Sportpark und das Stadion am Campus an – alles Spielstätten des FC Bayern oder seiner Mannschaften.
Unterhaching-Fans mischen sich ein
Auch die Anhänger der SpVgg Unterhaching haben sich inzwischen in den Stadionstreit eingemischt. Sie kritisierten scharf den Kauf des Hachinger Sportparks durch den FC Bayern zum vergangenen Jahreswechsel. Auf einem Banner war zu lesen: "Und wenn der FC Bayern den letzten Verein gekauft hat, werdet ihr merken, was ihr zerstört habt".
Künftig wird die Spielstätte neben der SpVgg Unterhaching, die als Mieter des großen Nachbarn bleibt, auch von den Frauen des FC Bayern genutzt werden. Als erster Schritt werden die Bayern-Frauen in der Saison 2026/27 ihre Heimspiele in der Champions League im Sportpark austragen.
Komplexe Interessenlage
Für Oberbürgermeister Dieter Reiter stellt sich die Aufgabe, alle beteiligten Interessen unter einen Hut zu bringen und keine der Parteien zu vergrämen. Eine besonders schwierige Mission mitten im heißen Wahlkampf, bei der es um weit mehr geht als nur um Fußball: Es geht um Stadionpolitik, kommunale Finanzen, Vereinsidentitäten und nicht zuletzt um die Loyalität zehntausender Fußballfans in der bayerischen Landeshauptstadt.
Die Gemüter der Münchner Fußball-Anhänger bleiben weiter erhitzt, und eine schnelle Lösung des jahrelangen Stadionstreits ist nicht in Sicht. Während die Vereinsführungen hinter verschlossenen Türen verhandeln, tragen die Fans den Konflikt mit immer neuen Aktionen und Provokationen auf die Ränge und in die Öffentlichkeit.



