Super Bowl enttäuscht mit ereignisarmer Partie
Ein lange Zeit ereignisarmer Super Bowl hat die Prophezeiungen vieler Experten leider bestätigt und die Zuschauer enttäuscht. Den New England Patriots drohte bis tief ins letzte Viertel hinein sogar eine historische Demütigung, ihre Schwächen wurden gnadenlos aufgedeckt. Es war ein Finale, das für den Mainstream wie gemalt schien – Patriots gegen Seahawks sind Namen, die auch in Deutschland jeder halbwegs NFL-interessierte Mensch kennt, selbst wenn er nicht jedes Wochenende die Nächte für Football opfert.
Dominante Defenses und schwache Offensiven prägen das Spiel
Was die beiden Teams im Levi’s Stadium in der Nacht auf Montag deutscher Zeit dann boten, war allerdings wenig mainstreamtauglich. Am Ende war es genau das, was man von diesem Duell erwarten musste: dominante Defenses, mäßige Quarterback-Leistungen und als Folge davon kaum Touchdowns und wenige Punkte. Alle, die vorher behauptet hatten, beide Teams wüssten gar nicht so recht, wie sie überhaupt im Super Bowl gelandet waren, durften sich bestätigt fühlen – wobei diese Kritik in deutlich größerem Maße auf New England zielte.
Die Unterstellung, dass Drake Maye und seine Mitspieler vom leichtesten Spielplan der Liga, schwacher Konkurrenz in der AFC und glücklichen Fügungen wie der Verletzung von Broncos-Quarterback Bo Nix profitiert hätten, konnten die Patriots im Endspiel jedenfalls nicht entkräften. Bis ins vierte Viertel hinein brachte die Offense des Teams von Trainer Mike Vrabel nicht einen einzigen Punkt auf die Anzeigetafel.
Patriots entgehen knapp einer historischen Blamage
Es drohte eine historische Demütigung: Ohne Punkte war im Super Bowl noch keine Mannschaft geblieben, nur zwei Teams schafften es nicht über drei Zähler hinaus. Zwar konnte Quarterback Drake Maye seine Statistiken und die seiner Offense in einem wilden letzten Viertel noch etwas beschönigen, doch seine beiden Interceptions und die sechs Sacks, die seine Offensive Line nicht verhindern konnte, kamen die Patriots teuer zu stehen.
Weil auch das Laufspiel überhaupt nicht funktionierte. Bezeichnend ist, dass Maye sein Team mit gerade einmal 37 Rushing Yards in dieser Hinsicht deutlich vor seinen Running Backs anführte. Über drei Viertel lang gab es für die bemitleidenswerten Patriots-Fans überhaupt nichts zu jubeln. Dem zudem von einer Schulterverletzung gehandicapten Maye fehlte also in vielerlei Hinsicht an Unterstützung.
Vergleiche mit Tom Brady verbieten sich
Eines wurde aber auch deutlich: Der 23-jährige Maye mag zwar hauchdünn am MVP-Titel der Regular Season vorbeigeschrammt sein, doch jegliche Vergleiche mit einem gewissen Tom Brady, die in den vergangenen Tagen aus der Gleichung „Patriots + Super Bowl + MVP-Kandidat“ konstruiert wurden, verbieten sich bis auf Weiteres. Am Ende reichte den Seattle Seahawks eine solide Leistung ihres Quarterbacks Sam Darnold, um den zweiten Super-Bowl-Titel ihrer Franchise-Geschichte einzufahren.
Im Gegensatz zu Maye hatte Darnold offensiv aber auch Unterstützung durch das starke Laufspiel des zum Super-Bowl-MVP gewählten Running Backs Kenneth Walker III, der 135 Rushing Yards und 26 Receiving Yards erzielte. Und wie von vielen Experten prophezeit, traf zudem die altbekannte Weisheit „Defense wins Championships“ auf dieses Duell und gerade auf die Seahawks in besonderem Maße zu.
Seahawks sind verdiente Champions
Das führte dazu, dass viele Gelegenheitszuschauer und manch ein Patriots-Sympathisant sich womöglich schon verabschiedet hatten, als Maye und seine Mannschaft mit dem Mut der Verzweiflung im letzten Viertel doch noch ein wenig Spektakel heraufbeschworen. Den Seahawks-Fans darf das jedoch herzlich egal sein: Ihr Team war im Vergleich mit den Patriots nicht nur an diesem Abend, sondern auch schon vor dem Super Bowl das überzeugendere – und ist ein verdienter Champion.



