Ex-Trainer Bo Svensson blickt auf gescheiterte Union-Zeit zurück
Bo Svensson (46) wurde am 27. Dezember 2024 nach nur wenigen Monaten als Trainer von Union Berlin entlassen. Der Däne, der mit seiner Familie in Aarhus lebt, hat bisher noch keine neue Anstellung im Fußball gefunden. In einem ausführlichen Interview im Podcast „From Coach to Coach“ reflektierte der Fußball-Lehrer nun über seine kurze, aber intensive Zeit bei den Berlinern.
Die Phase ohne Job und der Alltag
Über die Zeit nach seiner Entlassung sagte Svensson: „Es ist eine längere Zeit. Ich finde, dass es unterschiedliche Phasen gibt. Am Anfang muss man das erst mal bearbeiten. Dann findet man eigentlich die Auszeit ganz gut, und dann kommen andere Phasen.“ Seinen aktuellen Alltag beschrieb er mit den Worten: „Manchmal ist es echt nur, zu Hause zu sein, mit dem Hund spazieren zu gehen und sich mit Freunden zu treffen. Ich genieße dies auch. Irgendwann wird es wieder losgehen.“
Taktische Herausforderungen und überschätzte Veränderungsgeschwindigkeit
Ein zentrales Thema war die taktische Umstellung, die Svensson bei Union Berlin versuchte. „Die Mannschaft hatte zuvor fünf Jahre lang Fünferkette gespielt und der Verein so lange nur Spieler für die Fünferkette geholt. Du machst das nicht innerhalb von einem Transferfenster anders. Das war auch klar kommuniziert“, erklärte der Trainer. Hinter Union habe ein schwieriges Jahr gelegen, doch Svensson sah Potenzial bei einem Verein, der noch nicht lange in der Bundesliga war.
Die konkrete Idee war, nicht von Anfang an alles zu verändern, sondern schrittweise vorzugehen. „Vorher kam Union über dieses intensive Pressing, über Balleroberung und schnelles Umschalten, vor allem in der Saison, als sie sich für die Champions League qualifizierten. Konkret geplant war, höher anzulaufen, also mehr hohe Ballgewinne zu provozieren“, so Svensson. Union sei davor eher eine Mannschaft gewesen, die an der Mittellinie stand und dann über Superspieler wie Sheraldo Becker oder Taiwo Awoniyi umgeschaltet habe.
Zum Vorwurf der fehlenden Weiterentwicklung sagte Svensson: „Der Gedanke war, es Schritt für Schritt zu versuchen, das Ganze ein bisschen zu ändern, ohne die Stärken wegzunehmen. Und wenn du das über einen Zeitraum von sechs Monaten siehst, dann überschätzt du, wie schnell man etwas verändern kann. Ich wollte auch bei Union nie alles verändern, weil es auch nicht zu dem Verein passt.“
Integration junger Talente und das Ende bei Union
Ein weiterer Schwerpunkt war die Integration junger Spieler. „Davor gab es eine erfahrene Mannschaft, in die nicht so viele junge Spieler reingekommen sind. Es galt, Tom Rothe aus Dortmund, Aljoscha Kemlein, der bei St. Pauli ein sehr gutes Jahr gespielt hat, und Leopold Querfeld von Rapid Wien zu integrieren. Ich glaube, die waren zu diesem Zeitpunkt alle 20 Jahre alt“, erinnerte sich Svensson.
Über sein Ende bei Union sagte der Trainer: „Man kommt zu einer Mannschaft, die kurz vorm Abstieg stand. Ich habe versucht, die Spieler weiterzuentwickeln. Und wir waren gar nicht am Tabellenende. Letztendlich bin ich auf Platz zwölf mit sieben Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz entlassen worden. Ich weiß, dass es eine Serie von vielen Spielen gab, die wir nicht gewonnen haben. Aber das sind halt die Nuancen.“
Einschätzung zu Mittelfeldspieler Rani Khedira
Abschließend äußerte sich Svensson zum Mittelfeldspieler Rani Khedira: „Rani Khedira besitzt ganz klar Fähigkeiten und auch Sachen, die er natürlich nicht so gut kann. Von Urs Fischer hat er erzählt bekommen, was er machen müsste, was nicht. Bei mir war es vielleicht ein bisschen anders. Rani besitzt eine defensive und taktische Denkweise. Er weiß, wann rausgegangen wird, er gibt Anweisungen an den Mitspieler, er besitzt Führungsqualität. Das ist Rani. Du willst ihn gerne auf dem Platz haben, aber du bekommst natürlich nicht alles. Aber man kann mit Rani viele andere Sachen machen.“



