Die Tragödie der ehemaligen Weitsprung-Weltklasseathletin
Vor etwa einem Jahr erlebte die frühere Weltklasse-Weitspringerin Susen Tiedtke den wohl schlimmsten Schicksalsschlag, der eine Mutter treffen kann: Ihr erst 17-jähriger Sohn verstarb plötzlich und unerwartet. Bis heute quälen die 57-Jährige schwere Vorwürfe, weil sie nichts von der tödlichen Herzerkrankung ihres Sohnes mitbekam. Erst kurz vor dessen Tod bemerkte sie erste Veränderungen.
Der schreckliche Fund im Kinderzimmer
Am 3. März 2025 verlor die Olympiafünfte von Sydney 2000 ihren Teenager-Sohn. In einem bewegenden Interview schildert Tiedtke nun, wie sie die Leiche des Jungen fand. Nach einer langen Nacht, in der der Jugendliche am Computer gespielt hatte, kam er am nächsten Tag nicht aus seinem Zimmer. „Ich bin dann hoch, habe geklopft, auch gerufen, aber keine Reaktion“, berichtete die gebürtige Berlinerin gegenüber Bild. Die Tür war abgeschlossen – gemeinsam mit ihrer Tochter baute die Mutter schließlich das Schloss aus.
„Er lag im Bett, als würde er friedlich schlafen. Aber als ich ihn berührte, war er schon steif und kalt, blau an den Waden. Das war ein krasser Schock. Mir war sofort klar, was los war“, erinnerte sich Tiedtke emotional. Die Polizei wurde gerufen, um den verstorbenen Minderjährigen abzutransportieren. „Seine Augen waren noch offen, sie waren so leer und ausdruckslos, das kann man nicht beschreiben“, fügte die ehemalige Sportlerin hinzu.
Die verpassten Warnzeichen
Die Obduktion ergab, dass das Herz des Teenagers extrem entzündet gewesen war. Tiedtke gesteht heute, dass sie Beschwerden ihres Sohnes nicht ernst genug nahm: „Monate vorher hatte er Schmerzen im Herzbereich. Ich wollte mit ihm zum Arzt, er nicht, und nach zwei Tagen waren die Schmerzen wieder weg“, erklärte sie. Damals schrieb sie die Symptome als Wachstumsschmerz ab.
Erst wenige Tage vor dem tragischen Ereignis fiel ihr eine deutliche Veränderung auf: „Er sah grau im Gesicht aus, wie ein 80-Jähriger“, erzählte Tiedtke, „Aber er fühle sich gut, sagte er.“ In der Nacht seines Todes rief der Sohn seine Mutter sogar noch einmal aus seinem Zimmer an – doch Tiedtke schlief bereits und nahm den Anruf nicht entgegen.
Der lange Weg der Trauerbewältigung
Die Wochen und Monate nach dem Verlust stürzten die ehemalige Athletin in ein tiefes Loch: „Ich war wie in Trance, funktionierte nur noch. So was kannst du nicht begreifen. Ich kauerte zwei Monate auf dem Sofa“, schilderte sie die schwere Zeit. Ihre Tochter kümmerte sich um sie und kochte für die verzweifelte Mutter.
Inzwischen hat Tiedtke einen persönlichen Weg gefunden, mit dem unermesslichen Verlust umzugehen. Sie „stehe in Kontakt“ mit ihrem Sohn, wie sie sagt, und besitzt einen kleinen Anhänger mit einem Teil seiner Asche. „Durch seinen Tod hat sich mein Leben komplett geändert. Ich lebe viel bewusster, mache nur noch Dinge, die mir Spaß und Freude machen“, erklärt die 57-Jährige.
Das Leben nach der Sportkarriere
Ihr Sohn wurde in Bielefeld beigesetzt, wo der Vater – Tiedtkes Ex-Mann – lebt. Mit ihm war die Weitspringerin von 2005 bis 2008 verheiratet und bekam zwei Kinder. Wenige Jahre zuvor hatte Tiedtke ihre aktive Sportkarriere beendet, die bemerkenswerte Erfolge vorweisen konnte:
- Deutsche Meisterin im Weitsprung 1993
- WM-Silbermedaille und WM-Bronzemedaille
- Olympiafünfte bei den Spielen in Sydney 2000
- Persönliche Bestweite von exakt sieben Metern
Jahrelang gehörte Tiedtke im Schatten von Heike Drechsler zu den weltbesten Weitspringerinnen und nahm mehrfach an Olympischen Spielen teil. Nach ihrer Sportlaufbahn absolvierte die gelernte Physiotherapeutin eine Ausbildung zur Heilpraktikerin und führt heute eine eigene Praxis in Berlin.



