Exklusiv: Die Zukunft des Grünwalder Stadions und die Argumente des TSV 1860
In einem exklusiven Gespräch mit der AZ spricht Walter Lechner, der Vorsitzende der Stadionkommission des TSV 1860 München, erstmals öffentlich über die Pläne für den Ausbau des Grünwalder Stadions. Der Vereinsvertreter erläutert detailliert die wirtschaftlichen und stadtpolitischen Argumente, mit denen die Löwen bei der Stadt München für eine Erbpacht-Lösung werben.
Politisches Interesse und Wahlkampf-Manöver
In den vergangenen Wochen konnten Anwohner des Grünwalder Stadions ein ungewöhnliches Schauspiel beobachten. Regelmäßig fuhren große Autos vor, aus denen Politiker verschiedenster Parteien stiegen, um sich vor den historischen Kassenhäuschen fotografieren zu lassen. Von der FDP über die Freien Wähler bis hin zur CSU und den Grünen – nahezu alle relevanten politischen Kräfte zeigten Präsenz am traditionsreichen Fußballstandort.
Dieses parteiübergreifende Engagement der Löwen könnte sich als kluger strategischer Schachzug erweisen. Durch die breite politische Einbindung wird ein einfaches „Nein“ zu den Ausbauplänen des Vereins deutlich komplizierter, falls diese tatsächlich noch in diesem Jahr in den Münchner Stadtrat eingebracht werden sollten.
Die Verhandlungsposition des TSV 1860
Walter Lechner betont im Gespräch mit der AZ die gute Zusammenarbeit mit der Stadt München. „Wir sind im Zeitplan. Im nächsten Schritt werden wir am Erbpachtvertrag arbeiten“, erklärt der Kommissionsvorsitzende. Die konkreten Vorstellungen des Vereins liegen der Stadtverwaltung bereits vor.
Ein zentrales Argument der Löwen bezieht sich auf die finanziellen Aspekte. Oberbürgermeister Dieter Reiter hatte zuvor von etwa 40 Millionen Euro gesprochen, die die Stadt München für eine Sanierung des Stadions im aktuellen Zustand aufwenden müsste. Lechner greift diese Zahl auf und stellt klar: „Die seit Jahren überfällige Sanierung würden wir im Zuge des Umbaus auf Bundesligatauglichkeit selbst übernehmen.“
Der Vereinsvertreter argumentiert wirtschaftlich: „Wenn die Stadt selbst saniert, bekommt sie für dieses Geld nur ein saniertes Drittligastadion; wenn sie es uns gibt, erhält sie von uns ein Erstligastadion.“ Der TSV 1860 würde diese Summe von der Stadt fordern, falls der Verein die Sanierungsarbeiten übernimmt.
Wirtschaftliche und städtische Perspektiven
Im Gespräch wird deutlich, dass Lechner das Grünwalder Stadion nicht nur als reine Sportstätte verstanden wissen will. „Die Stadt muss den Anspruch haben, mit europäischen Städten gleichzuziehen, die zwei große Vereine in den Topligen haben“, betont er. Ein erfolgreicher Fußballklub bringe der Stadt München zahlreiche Vorteile:
- Erhöhte Aufmerksamkeit und positives Image
- Steigenden Tourismus
- Zusätzliche Steuereinnahmen
Für diese Entwicklung müssten jedoch auch die notwendigen Voraussetzungen von der Stadt geschaffen werden. Zuschüsse für den Stadionumbau auf eine Kapazität von 25.000 Zuschauern sieht Lechner als „Investment in die Attraktivität der Stadt insgesamt“. Er appelliert an die Stadtspitze: „Wenn wir an der Stadtspitze Leute haben, die auch etwas unternehmerisch denken, verstehen sie das.“
Aktueller Zustand und zeitlicher Rahmen
Das Grünwalder Stadion befindet sich aktuell in einem Zustand, der nicht mehr den Anforderungen moderner Fußballstadien entspricht. Mit einer maximalen Zuschauerkapazität von nur 15.000 Plätzen, teilweise fehlender Überdachung und völlig veralteter Infrastruktur hinkt die Anlage sogar hinter vielen Zweit- und Drittligastadien her.
Noch in diesem Kalenderjahr soll final über die Zukunft des traditionsreichen Stadions entschieden werden. Im Hintergrund arbeitet die vereinseigene Stadionkommission kontinuierlich an den nächsten Schritten und bereitet, wie bereits berichtet, eine umfassende Machbarkeitsstudie vor.
Die Löwen setzen damit auf eine doppelte Strategie: Einerseits die politische Einbindung verschiedenster Parteien, andererseits klare wirtschaftliche Argumente, die die Vorteile eines modernisierten Stadions für die gesamte Stadt München in den Vordergrund stellen.



