Iranischer TV-Moderator droht Frauenfußball-Team: „Verräter in Kriegszeiten strenger bestrafen“
Im Zuge des anhaltenden Iran-Krieges gerät die iranische Fußballnationalmannschaft der Frauen zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit. Das Team nimmt derzeit an der Asienmeisterschaft teil und befindet sich in der Gruppenphase. Beim Auftaktspiel gegen Südkorea, das mit 0:3 verloren ging, hatten die Spielerinnen demonstrativ auf das Mitsingen der eigenen Nationalhymne verzichtet. Diese Geste löste im Heimatland massive Kritik aus.
Drastische Worte im staatlichen Fernsehen
Der staatliche TV-Moderator Mohammad Reza Shahbazi (39) richtete in einer Live-Sendung harte Worte an die Auswahl. „Lassen Sie mich nur eines sagen: Verräter in Kriegszeiten müssen strenger bestraft werden“, forderte Shahbazi. Er fügte hinzu: „Jeder, der unter Kriegsbedingungen gegen das Land vorgeht, muss strenger bestraft werden. Wie in diesem Fall, wo unsere Frauenfußballmannschaft die Nationalhymne nicht gesungen hat ... Diese Leute müssen strenger bestraft werden.“
Besorgnis bei der Spielergewerkschaft FIFPRO
Die asiatische und ozeanische Vertretung der internationalen Spielergewerkschaft FIFPRO reagierte umgehend auf die Äußerungen. In einer offiziellen Mitteilung vom Freitag äußerte der Verband tiefe Besorgnis. „Neben der gefährlichen Situation, in die die Spieler geraten würden, wenn sie nach dem Turnier in den Iran zurückkehren, ist FIFPRO Asia/Oceania zutiefst besorgt über Berichte, wonach das iranische Staatsfernsehen die Mitglieder der Mannschaft öffentlich angegriffen hat“, heißt es in der Stellungnahme.
Konkret bezog sich die Gewerkschaft auf ein im Internet kursierendes Video, in dem Moderator Shahbazi die Spielerinnen auffordert, sich dem „Stigma der Schande und des Verrats“ zu stellen. Diese öffentlichen Drohungen verstärkten die Sorge um die Sicherheit der Athletinnen bei einer möglichen Rückkehr in den Iran nach dem Turnierende.
Reaktion der Spielerinnen im zweiten Gruppenspiel
Vor dem zweiten Gruppenspiel gegen Australien, das ebenfalls mit 0:4 verloren ging, zeigten die iranischen Fußballerinnen eine veränderte Haltung. Sie sangen die Nationalhymne mit und salutierten sogar während der Zeremonie. Ob diese Geste als Reaktion auf die öffentliche Kritik und die Drohungen aus dem Heimatland zu werten ist, bleibt unklar.
Die iranische Mannschaft bestreitet am Sonntag um 10 Uhr deutscher Zeit ihr letztes Vorrundenspiel gegen die Philippinen. Der Ausgang dieses Spiels entscheidet über das Weiterkommen in der Asienmeisterschaft.
Die Entwicklung zeigt, wie sehr Sport und Politik im Iran derzeit miteinander verwoben sind. Während die Spielerinnen auf dem Feld um sportliche Erfolge kämpfen, werden sie im Heimatland mit schwerwiegenden Vorwürfen konfrontiert. Die internationale Fußballgemeinschaft beobachtet die Situation mit großer Aufmerksamkeit.



