Emotionale Rückkehr: Sven Ulreichs bewegendes Bayern-Comeback in Leverkusen
Ulreichs emotionale Rückkehr: Bayern-Remis in Leverkusen

Emotionale Rückkehr nach schwerer Zeit: Sven Ulreichs bewegendes Bayern-Comeback

Am wilden Samstagnachmittag in der Leverkusener Arena spielte sich mehr als nur ein Bundesliga-Spiel ab. Für Sven Ulreich markierte das 1:1 des FC Bayern bei Bayer Leverkusen eine zutiefst emotionale Rückkehr: Erstmals nach dem Tod seines sechsjährigen Sohnes im vergangenen Sommer stand der 37-Jährige wieder im Tor der Münchner.

Gefeiert von Fans und Mannschaftskollegen

Nach dem Abpfiff schritt die Bayern-Mannschaft zu Block G, dem Gästeblock der Arena. Joshua Kimmich zeigte die Fäuste, andere Spieler feierten mit den Fans. Plötzlich schob Leon Goretzka Ulreich nach vorn Richtung Zaun – allein in der ersten Reihe, im Fokus der mitgereisten Bayern-Anhänger, die seinen Namen skandierten. Ulreich klatschte zurück, dann kam Harry Kane auf ihn zu und umarmte ihn herzlich.

»Er weiß, was sie an Ulreich haben, als Torwart und als Mensch«, berichtet Florian Kinast aus Leverkusen. Nach 90 Minuten, in denen Ulreich mit großartigen Paraden den Punktgewinn sicherte. Und nach all der schweren Zeit, die er privat durchleben musste.

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Erstes Spiel nach 18 Monaten

Für Sven Ulreich war es das erste Spiel für den FC Bayern nach eineinhalb Jahren. Sein bisher letztes Spiel hatte er im September 2024 beim 5:0 in Bremen bestritten. Inzwischen ist er die Nummer drei in der Münchner Torwart-Hierarchie, hinter Manuel Neuer und Jonas Urbig. Da Neuer an einem Muskelfasereinriss laboriert und Urbig am Dienstag eine Gehirnerschütterung erlitt, durfte Ulreich nun wieder ins Tor.

Sportchef Max Eberl bezeichnete den 37-Jährigen nach dem Spiel als »Man of the Match« und fügte bewegend hinzu: »Nach dem, was er erlebt und mitgemacht hat.«

Bewegende Worte eines Mitspielers

Rechtsverteidiger Josip Stanišić fand nach dem Spiel besonders emotionale Worte: »Jeder, der seinen Weg kennt, seine Geschichte, weiß, dass er nicht nur als Fußballer überragend ist, sondern auch als Mensch«, sagte der Kroate mit glasigen Augen. »Er ist ein Wahnsinnstyp, dem ich nichts mehr gönne als Glück in seinem Leben. Jeder, der Kinder zu Hause hat, weiß, wie schwer das ist, was er durchlebt und seine Familie.«

Stanišić ist selbst Vater von zwei Kindern: einem zweijährigen Sohn und einer sechs Monate alten Tochter. Ulreich selbst sagte nur, dass es »ein besonderes Spiel« für ihn gewesen sei. Mehr musste er nicht sagen.

Turbulentes Spiel mit zwei Platzverweisen

Das Spiel selbst war auch ohne die emotionale Note um Ulreich ein mitreißendes Bundesliga-Duell mit reichlich Gesprächsstoff. Zwei Platzverweise für die Bayern und zwei nicht gegebene Tore wegen Handspiels sorgten für Diskussionsstoff.

Die Rote Karte gegen Nicolas Jackson in der ersten Hälfte war unstrittig. Anders lag der Fall bei Luis Díaz: Schiedsrichter Christian Dingert hatte Díaz wegen einer vermeintlichen Schwalbe mit Gelb-Rot sanktioniert – zu Unrecht, wie der Unparteiische selbst nach Ansicht der TV-Bilder erkannte.

Beherzter Abwehrkampf zu neunt

Umso bemerkenswerter war die Leistung der neun Bayern in den letzten 15 Minuten. Es war ein beherzter Abwehrkampf, der an das 2:1 bei Paris Saint-Germain im vergangenen Herbst erinnerte, als die Bayern nach einem Platzverweis ebenfalls gegen Luis Díaz mehr als eine Halbzeit in Unterzahl waren.

Mit wie viel Hingabe sie zu neunt das 1:1 hielten und verteidigten, wie Harry Kane als dritter Innenverteidiger den Fünfmeterraum sicherte – all das erfüllte Trainer Vincent Kompany mit »unglaublichem Stolz«. Deshalb feierten sie den hart erkämpften Punktgewinn fast mehr als manch hohen Sieg.

Persönliche Tragödie und berufliche Zukunft

Ulreich stand in der vergangenen Saison aus privaten Gründen oft nicht im Kader. Im Sommer 2025 gab er auf Instagram bekannt, dass sein sechsjähriger Sohn Len nach langer, schwerer Krankheit gestorben sei.

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Nach dem Spiel sprach Ulreich von der guten Zusammenarbeit mit Neuer und Urbig und davon, dass er gern noch ein Jahr bei den Bayern bleiben würde. Sein Vertrag läuft im Sommer aus. Gespräche mit dem Club über eine mögliche Verlängerung gab es bislang nicht. Aus Clubkreisen war zuletzt zu hören, dass sich Neuer bei seinen vergangenen Vertragsverhandlungen immer mit Nachdruck auch für ein weiteres Engagement seines befreundeten Teamkollegen Ulreich starkgemacht haben soll.

Ungewisse Torwart-Situation vor Champions League

Ob Ulreich auch am kommenden Mittwoch im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Bergamo im Tor stehen wird, ist noch offen. Kurz vor Ende des Spiels habe Ulreich ein leichtes Ziehen im Oberschenkel gespürt, sagte der Torhüter.

Sollte er tatsächlich ausfallen und auch Neuer und Urbig noch nicht einsatzfähig sein, könnte sogar der 16-jährige A-Jugend-Torwart Leonard Prescott zum Einsatz kommen. Angesichts eines Fünf-Tore-Vorsprungs aus dem Hinspiel wäre dies wohl zu verkraften.

Historisches Omen für die Bayern

Was die Bayern vielleicht als gutes Omen aus Leverkusen mitnehmen können: Das bislang letzte Mal, dass die Bayern ein Spiel zu neunt beendeten, war im April 2001, vor 25 Jahren. Damals flogen in Dortmund Bixente Lizarazu und Stefan Effenberg vom Feld. Auch damals endete das Spiel 1:1 – und wenige Wochen später gewannen die Bayern die Champions League.

Bis zum wahrscheinlichen Viertelfinale im April gegen Real Madrid oder Manchester City sollten die Torhüter aber wieder genesen sein. Das gilt ebenso für die übrigen Verletzten Jamal Musiala und Alphonso Davies. Wichtig wird sein, dass bei den Bayern auf ihrem Weg zur Champions-League-Trophäe keine weiteren Ausfälle hinzukommen.