Union-Fans protestieren gegen Stadionausbau: Ärger um die Alte Försterei und Olympiastadion-Umzug
Union-Fans protestieren gegen Stadionausbau und Olympiastadion-Umzug

Union-Fans protestieren lautstark gegen geplanten Stadionausbau

Während der 1. FC Union Berlin eine solide Saison im Mittelfeld der Bundesliga absolviert, steht bei den Eisernen ein anderes Thema im Mittelpunkt: der kontroverse Ausbau des Stadions. Die Alte Försterei, aktuell mit einer Kapazität von 22.021 Zuschauern, gilt für viele Fans als heimeliger Tempel und identitätsstiftender Ort. Doch für die sportliche Zukunft des Vereins wird diese Größe als nicht ausreichend erachtet.

Umzug ins Olympiastadion als Zankapfel

Der geplante Ausbau auf 34.500 Plätze hat einen bitteren Beigeschmack: Während der Bauphase in der Saison 2027/28 muss Union vorübergehend ins Olympiastadion umziehen – die traditionelle Heimat des Stadtrivalen Hertha BSC. Beim jüngsten 1:0-Heimsieg gegen Bayer Leverkusen machten die organisierten Fans ihren Unmut deutlich sichtbar. Auf einem großen Banner stand die emotionale Botschaft: „Meen Zuhause. Hier kriecht ma keener weg. Die Alte Försterei, dit is der einzige Fleck. Anderen reichst du nicht aus. Doch für uns bist du perfekt.“

Diese klaren Worte richten sich direkt gegen die Pläne von Präsident Dirk Zingler (61). Die Fans fürchten nicht nur den Verlust der familiären Atmosphäre durch ein größeres Stadion, sondern vor allem den befürchteten Identitätsverlust während des Umzugs ins 70.000 Zuschauer fassende Olympiastadion.

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Präsident Zingler verteidigt die Pläne

Dirk Zingler hält den Umzug ins Olympiastadion hingegen für einen wirtschaftlichen Glücksfall. „Das Olympiastadion ist ein Glücksfall. Ich warte auf den Tag, an dem der Umbau beginnt“, erklärte der Vereinspräsident. „Weil wir dann nicht in einem Stadion für 22.000, sondern für 70.000 Besucher inklusive 4000 Business Seats spielen. Die Umbauphase, die für ganz viele Vereine eine Risikophase mit sich bringt, ist wirtschaftlich gesehen ein Schlaraffenland.“

Zingler betonte weiter: „Selbst wenn wir noch ein halbes Jahr länger drübenbleiben, ist es wirtschaftlich kein Fiasko. Aber trotzdem wollen wir so schnell wie möglich zurück. Wir lassen uns nicht bewusst Zeit.“ Der Präsident sieht in der temporären Nutzung des größeren Stadions eine einmalige Chance für zusätzliche Einnahmen.

Kleine Zugeständnisse an die Fans

Als kleiner Trost für die kritischen Fans bleibt die komplette Waldseite, die traditionelle Heimat der Ultras, sowie der Unterrang des erweiterten Stadions als vollständiger Stehplatz-Bereich erhalten. Die neue Kapazität von 34.500 Plätzen soll sich in 22.500 Stehplätze und 12.000 Sitzplätze aufteilen.

Doch ganz an die legendäre Stehplatz-Atmosphäre der Alten Försterei, für die Union europaweit bekannt ist, wird das neue Stadion wohl nicht herankommen. Aktuell bieten von den 22.021 Plätzen satte 18.395 Stehplätze auf drei Tribünen – das entspricht einem beeindruckenden Anteil von über 80 Prozent! Dieser charakteristische Wert wird sich durch den Ausbau zwangsläufig reduzieren.

Der Konflikt zwischen wirtschaftlichen Ambitionen und fan-kultureller Identität bleibt damit weiter ungelöst. Während die Vereinsführung auf Wachstum und finanzielle Stabilität setzt, kämpfen die traditionellen Fans um den Erhalt des besonderen Flairs, der die Alte Försterei zu einem der außergewöhnlichsten Fußballtempel Deutschlands gemacht hat.

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