VAR-Entscheidung beim Bayern-Sieg sorgt weiter für Diskussionen
Die umstrittene Szene im DFB-Pokal-Viertelfinale zwischen Bayern München und RB Leipzig beschäftigt den Fußball auch am Tag nach dem Spiel noch intensiv. Beim 2:0-Erfolg der Bayern brachte Verteidiger Josip Stanisic in der 28. Spielminute den Leipziger Angreifer Antonio Nusa an der Strafraumgrenze zu Fall – doch weder Schiedsrichter Daniel Siebert noch das VAR-Teum griffen ein.
Trainer-Wut und Schweigen
RB Leipzig-Trainer Ole Werner zeigte sich nach der Niederlage fassungslos: „Es ist ein absoluter Wahnsinn, dass man da nicht mal ein Foul erkennt. Für mich ist es dann auch so, dass es ein Elfmeter ist. Der Kontakt war auf der Linie des Strafraums. Dafür braucht man keinen VAR – das Foul hat jeder im Stadion gesehen.“ Sein Gegenüber, Bayern-Trainer Vincent Kompany, verweigerte hingegen jeden Kommentar zur Szene.
Bayern-Führung sucht Erklärungen
Während Kompany schwieg, versuchten Bayern-Präsident Herbert Hainer und Sportvorstand Max Eberl, die Entscheidung zu erklären. Hainer betonte: „Wenn es denn überhaupt ein Foul gewesen war, war es immer noch außerhalb des Sechzehners nach meinem Dafürhalten.“ Eberl fügte hinzu: „Für mich war es außerhalb, dementsprechend kein Elfmeter – und damit ist es kein Eingriff des VAR.“
VAR-Eingriff mit kalibrierter Linie
Interne Informationen zeigen jedoch: Das VAR-Team um Benjamin Cortus griff sehr wohl ein. Im Kölner Video-Keller wurde eine kalibrierte Linie angelegt und der erste zum Foul führende Kontakt von Stanisic außerhalb des Strafraums verortet. Der VAR informierte Siebert per Funk: kein Elfmeter, keine Notbremse, keine Rote Karte. Da der Video-Assistent bei Vorgängen außerhalb des Strafraums nicht eingreifen darf, gab es im Nachgang auch keinen Freistoß für RB Leipzig.
Stanisic gesteht Glück
Erfrischend offen äußerte sich Josip Stanisic, der zum Man of the Match gewählt wurde: „Klar, ich hebe mein Bein. Aber ich kicke ihn jetzt auch nicht wirklich brutal hart. Er fällt dann natürlich, aber ich glaube, wenn er den Elfer gibt, kann ich mich auch nicht beschweren.“ Der kroatische Nationalspieler räumte ein: „Am Ende des Tages kann man es auch sagen, dass es ein bisschen glücklich ist, dass da kein Elfmeter gegeben wurde.“
Experten-Kritik bleibt
Die große Frage bleibt ungeklärt: War der Kontakt wirklich außerhalb oder innerhalb des Strafraums? Die TV-Bilder konnten es nicht eindeutig belegen. BILD-Schiri-Experte Manuel Gräfe, ehemaliger Bundesliga-Schiedsrichter, übt scharfe Kritik: „Es ist ein klares, plumpes Foul, das muss der Schiedsrichter sehen. Das war schwach, dass er überhaupt nicht gepfiffen hat. Aus meiner Sicht war es ein Elfmeter.“ Gräfe argumentiert, dass das Knie des Leipzigers über der Strafraumlinie stand.
Diese kontroverse Entscheidung überschattet den ersten Einzug der Bayern ins DFB-Pokal-Halbfinale seit 2020 und zeigt erneut, wie schwierig die Anwendung der VAR-Technologie im modernen Fußball sein kann.



